Mittwoch, 7. Februar 2018

Meinung zu: Unter Tränen gelacht





Allgemeine Infos
Originaltitel: Unter Tränen gelacht – Mein Vater, die Demenz und ich
Originalsprache: Deutsch
Autor/in: Bettina Tietjen
Verlag: Piper
Einzelband/Teil einer Reihe: Einzelband
Reihe: ///
Teil: ///
Genre: Lebenserfahrung, Lebensgeschichte
Erscheinungsjahr: 2015
Seiten: 304
ISBN: 9783492056427
Klappentext: In diesem sehr persönlichen Buch erzählt Bettina Tietjen von der Demenzerkrankung ihres Vaters, vom ersten "Tüdeln" bis zur totalen Orientierungslosigkeit. Offen und liebevoll beschreibt sie die Achterbahn ihrer Gefühle, einen geliebten Menschen zu verlieren, aber auch ganz neu kennenzulernen, und die vielen komischen Momente, in denen sie trotz allem herzhaft zusammen lachen konnten. Bettina Tietjen musste lernen, dass Demenz ein Zustand ist, der ganz allmählich von einem vertrauten Menschen Besitz ergreift. Zuerst merkt man es nicht, dann will man es nicht wahrhaben. Schließlich muss man lernen, es zu akzeptieren. Denn trotz aller Herausforderungen ist Bettina Tietjen überzeugt: Demenz ist nicht nur zum Heulen, sondern kann auch Denkanstoß und Kraftquell sein.

Meine Lesestatistik:
Zugangsart: Geschenk
Zugangsjahr: 2018
Status: Gelesen
Lesesprache: Deutsch
Format: Taschenbuch
Zu lesen begonnen: 04.02.2018
Beendet am: 05.02.2018
Gebraucht: 2 Tage

Meine Meinung
Die Rezension zu diesem Buch fällt mir nicht gerade leicht. Das Buch hat mich emotional mitgenommen, und gegen Ende habe ich mit dem Gedanken gespielt, es abzubrechen. Und das nicht, weil das Buch nichts für mich war. Im Gegenteil, die Geschichte hat mich sehr berührt. Ich habe mit der Autorin und ihrer Familie gelitten.
Die Autorin beschreibt authentisch über das Leben mit ihrem demenzkranken Vater Burchard Schniewind. Er wurde 1924 geboren. Mit 18 Jahren meldete er sich zur Marine. Später lernte er Architekt. Sein Kriegstrauma hat er mit der Religion versucht, zu verarbeiten. Seine Frau ist früh an Krebs gestorben.
Nach dem Tod der Mutter hat sich die jüngere Schwester vorwiegend um den Vater gekümmert, der nur zwei Häuser weiter gewohnt hat.
Die Autorin beschließt, ihren Vater in Hamburg in einem Seniorenheim unterzubringen, nachdem er nicht mehr allein zuhause wohnen kann.
Die Lebensgeschichte wird nicht chronologisch erzählt. Die gegenwärtige Handlung hat die Autorin im Präsens geschrieben. Immer wieder rückt sie Erinnerungen ein, etwa, wie das mit der Demenz angefangen hat, die die Familie zunächst nicht erkannt hat. Das ist dann im Präteritum. So kann man die zeitliche Handlung gut unterscheiden.
Die Autorin beschönigt nichts. Man merkt, wie sie manchmal verzweifelt war, und sich vielleicht sogar hilflos und überfordert fühlte. Aber sie zeigt auch auf, wie eng eine Familie dadurch zusammenrücken kann. Und dass man auch schöne Momente gemeinsam erleben kann, selbst wenn sich der Demenzkranke später nicht mehr daran erinnern kann.
Die Autorin schreibt einfühlsam und ehrlich. Es hat mich beeindruckt, dass sie zugibt, dass sie sich nie großartig Gedanken gemacht hat, dass sich ihre Schwester zwanzig Jahre lang um den Vater gekümmert hat. Erst als sie selbst hautnah miterlebt, wie es ist, erkennt sie, was ihre Schwester geleistet hat. Diese Situation ist anschaulich beschrieben. Man spürt, dass die Autorin eine Art schlechtes Gewissen hat, und dass sie eifersüchtig ist, wenn sie ihre Schwester und ihren Vater so vertraut zusammensieht.
Sie lieben  ihren Vater, das merkt man, und sie tun alles, damit es ihm gutgeht. Die letzte und schwierigste Entscheidung treffen sie gemeinsam. Dieses letzte Kapitel hat mich besonders berührt.
Überhaupt musste ich während des Lesens mit den Tränen kämpfen.
In der Buchmitte sind 21 farbige Fotos enthalten, die vor allem den Vater zeigen, als Kleinkind, als Marinesoldaten, aber auch die Mutter, das Haus der Großeltern. Außerdem sind zehn Zeichnungen abgebildet, die Herr Schniewind während seiner letzten Jahre gezeichnet hat. Das fand ich besonders schön.
Fazit: Eine einfühlsame, wahre Geschichte, die traurig macht, aber gleichzeitig auch Hoffnung gibt.
Bewertung: Ohne (Dieses Buch beruht auf wahren Begebenheiten, erzählt die Lebensgeschichte eines Menschen, und daher sehe ich von einer Bewertung ab.)

1 Kommentar:

  1. Eine sehr schöne Rezension! Toll, dass Dich das Buch so berührt hat, Du hast mir richtig Lust gemacht, es zu lesen. Ich sehe Frau Tietjen sehr gern als Moderatorin und irgendwie ist es beruhigend zu erfahren, das auch solche "Promis" Probleme haben. Auch wenn mich das Thema Demenz im näheren Umfeld derzeit (noch?) nicht betrifft, ist es doch ein zunehmendes Phänomen und es kann sicher nicht schaden, sich darüber zu informieren.

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