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Donnerstag, 17. September 2026

Schiggy unterwegs... Romeo & Julia - Liebe ist alles in Düsseldorf

 


Schiggy war wieder unterwegs und geriet dabei mitten hinein in den wohl heftigsten Nachbarschaftsstreit der Weltgeschichte. Dabei wollte ich doch nur Shakespeares berühmtes Liebespaar in Verona besuchen. Doch warum ist das Schönste immer verboten?
Der Plan für diesen Tag sah ursprünglich ganz anders aus: Meine Schwester und ich wollten das Musical Die Eiskönigin anschauen – mittlerweile fast schon eine Tradition bei uns. Da es dafür damals jedoch noch keine Tickets gab, brauchten wir einen Plan B. Auf unserer Suche stießen wir schließlich auf das Musical Romeo & Julia im Capitol Theater Düsseldorf. Die Musik kannte ich bereits von CD und fand sie gut. Doch würde mich auch die Live-Show auf der Bühne überzeugen können?

1. Eckdaten zur Vorstellung
Titel der Veranstaltung: Romeo & Julia – Liebe ist alles
Art der Veranstaltung: Musical
Ort: Capitol Theater Düsseldorf
Sprache: Deutsch
Besuch: 11.09.2026
Beginn: 19:30 Uhr
Dauer: ca. 2 Stunden 45 Minuten (inkl. Pause)
Reihe / Platz: Reihe 1, Platz 10
Vorlage: „Romeo und Julia“ von William Shakespeare

Anmerkung: Spoiler werden unter Punkt 5 behandelt. Ansonsten versuche ich nicht zu viel zu verraten.




2. Mein Eindruck von der Show
 
Kurz vor Beginn kann man bereits Bewegungen hinter dem Vorhang ausmachen. Außerdem sind Lachen und Gespräche zu hören. Gut, denke ich, sie haben schon mal gute Laune.
Plötzlich tritt Pater Lorenzo ins Rampenlicht. Mit einem Augenzwinkern bittet er uns, sämtliche Brieftauben – halt, nein, natürlich unsere modernen Geräte – während der Vorstellung im Ruhemodus zu lassen. Nachdem er noch kurz den musikalischen Leiter der Kapelle vorgestellt hat, verschwindet er wieder. Der Vorhang hebt sich. Die Bühne liegt zunächst im tiefen Schwarz.
Dann setzt die Ouvertüre ein. Die Darsteller, im Dunkeln kaum zu erkennen, stimmen ein fast schon meditatives „Ah-ah-ah-ah“ an.
Nur ganz langsam bricht das Licht durch die Dunkelheit, wird intensiver und gibt schließlich die Gesichter des Ensembles frei.
Nach diesem mystischen Einstieg und dem melancholischen Song „Kein Wort tut so weh wie vorbei“ nimmt die Show mit „Wir sind Verona“ Fahrt auf. Das Ensemble stürmt die Bühne, bewaffnet mit langen, runden Metallstangen. Die Choreografie erinnert mich sofort an den Auftakt von Ku’damm 56: Sie werden wie die alten Mikrofonständer verwendet.
Sie symbolisieren außerdem Schwerter und Dolche, mit denen die verfeindeten Familien aufeinander losgehen – wenn sie sich nicht gerade mit bloßen Fäusten bekämpfen.
Dazu ist die Bühne in blaues und rotes Licht getaucht. Diese beiden Farben habe ich in Filmen, anderen Bühnenadaptionen und sogar Brett- und Kartenspielen rund um Shakespeares Liebespaar entdeckt. Deshalb war da sofort die Assoziation „rot – Capulets, blau – Montagus“.
Romeo performt mit einem alten Mikrofonständer, der denen aus Ku’damm 56 ähnelt, samt gelblich leuchtendem Retromikrofon sein Solo „Rosalinde“ und inszeniert sich, als stünde er auf einem echten Konzert. Als er dann auch noch das Publikum zum Klatschen animiert, denke ich nur panisch: Bitte nicht! Leider wurde mir die Fähigkeit der Gedankenübertragung bisher verwehrt. Der Saal klatscht mit.
Dabei ist Romeo eigentlich am Boden zerstört. Er ist unglücklich in besagte Rosalinde verliebt und fühlt sich, als würde er ertrinken. Felsenfest davon überzeugt, dass er sein Herz nie wieder verschenken kann, liegt er schließlich völlig lethargisch auf dem Bühnenboden. Deshalb gibt Benvolio ihm einen Rat: Er soll ihn zum Ball begleiten und dort eine neue Liebe finden, um Rosalinde zu vergessen.
 
Einen mütterlichen Rat bekommt auch Julia – allerdings von der ziemlich unterkühlten Sorte. Lady Capulets Devise lautet schlicht: „Halt dich an die Reichen!“
Zwischen Mutter und Tochter herrscht eisige Distanz; kaum zu glauben, dass die beiden verwandt sind. Mit hochgezogener Nase und herablassendem Blick stolziert die Lady über die Bühne.
Die Amme geht viel liebevoller mit Julia um: Sie lächelt sie an, nimmt ihre Hände, spricht ihr Mut zu, nennt sie „Lämmchen“.
Sie hat einen sehr lebendigen Gesichtsausdruck – egal ob müde, erfreut, empört, verständnisvoll. Sie muss nichts sagen, man weiß auch so, was sie fühlt.
Die Amme schnürt das Mieder von Lady Capulet so fest, dass sich diese mit hohem Schlusston nach hinten biegt, was für lauten Applaus sorgt.
Lady Capulets Lied ist eindringlich, und ich würde mich bei ihrem Blick auch nicht trauen, Widerworte zu geben. Es bleibt mir im Ohr, ob ich will oder nicht.
 
Auf dem Ball folgt dann der magische Moment: Romeo und Julia begegnen sich zum ersten Mal. Ab der ersten Sekunde scheinen sie die Welt um sich herum komplett zu vergessen. Ihre Blicke suchen sich ständig, die Anziehungskraft ist förmlich greifbar. Wie selbstverständlich kreuzen sich immer wieder ihre Wege. Und ohne überhaupt zu wissen, wen sie da vor sich haben, folgt ein Kuss – und zwar kein flüchtiger! Die Chemie stimmt; ich nehme den beiden die Verliebten ab.
Der Schock sitzt umso tiefer, als sie kurz darauf die bittere Wahrheit erfahren: Sie haben sich mit dem Erzfeind eingelassen! „Ein Montagu?“ – „Eine Capulet?“
Im Lied „Das Schönste“ fragt sich Julia, warum sie Romeo nicht lieben darf. „Warum ist das Schönste immer verboten? Warum hat die Ferne die hellsten Sterne?“
Schwärmerisch träumt sie von ihm. „Deine Augen, deine Lippen, deine Hände, dein Gesicht. Deine Stimme, deine Haare, deine Küsse.“
Romeo ist wie ausgewechselt und strahlt wie ein Honigkuchenpferd. Rosalinde? Sie hat ihn ja nicht zurückgeliebt, also hat er sich eine neue Liebe gesucht.
Die beiden haben ein sehr schönes Duett: „Dann fall ich“. Das kenne ich nicht nur von der CD. Ich habe es auch beim Konzert „This is the Greatest Show“ live gehört und es hat mir sehr gut gefallen. Romeo und Julia sind sich bewusst geworden, dass sie sich hoffnungslos ineinander verliebt haben. Sie sind überglücklich, gleichzeitig auch verwirrt und überwältigt von den Gefühlen, weil es neu für sie ist – selbst für Romeo, der schon einige Male für Mädchen geschwärmt hat, nur eben nicht so intensiv, wie er für Julia empfindet.
 
Mercutio wirkt meistens eher melancholisch, kann aber auch austeilen und beleidigen. Wenn er in der Nähe seines Herzensmenschen ist, hellt sich seine Miene auf.
Benvolio sprüht durch sein junges Aussehen Lausbuben-Charme.
Tybalt dagegen erscheint selbstbewusst, fast schon arrogant, und weiß, was er will. Er provoziert gerne und geht Streit nicht aus dem Weg.
 
Beim Hören der CD dachte ich immer, dass die sehr hohe Stimme Pater Lorenzo zuzuordnen ist, weil mich die Melodien irgendwie an kirchliche Musik erinnert haben. Beim Besuch merke ich: Überraschung, es ist der Todesengel. Von der Existenz dieser Rolle habe ich vorher nichts gewusst.
Normalerweise mag ich ja keine hohen Stimmen, und diese ist wirklich extrem hoch, aber ich war schon beim bloßen Anhören der Lieder so fasziniert davon, weil sich die Stimme so von den anderen abhob und auffiel.
Seine Mimik zeigt keine Regung. Da wusste ich nicht, was er denkt, was ich sehr passend für einen Todesengel finde.
Sein Gang ist fast schon schwebend, was auch am langen, weiten Gewand liegt, das er trägt. Das weiß geschminkte Gesicht und der Mund, der mit schwarzer Farbe kleiner geschminkt wurde, lassen ihn unheimlich und geisterhaft erscheinen.
Sein Solo im zweiten Akt wird zu meinem persönlichen Highlight des Abends.
Auch die Amme kann mit starken Soli punkten, wobei diese eher humorvoll sind und so auflockern und für gute Laune sorgen. Sehr lustig finde ich, wenn sie über „Hormone“ singt. Als Botin hat sie eine Nachricht an Romeo überbracht und musste sich dabei dumme Sprüche von Mercutio anhören. Sie ist jedoch resolut und ließ die Gemeinheiten an sich abprallen. Dafür warnte sie Romeo, Julia stets gut zu behandeln und griff ihm dabei zwickend ans Ohr, sodass er aufschrie und das Gesicht verzog.
Jetzt ist sie auf dem Rückweg – müde, verschwitzt und ratlos über die verliebte Jugend von heute. Sie entscheidet, dass sie die Ahnungslose geben wird und nichts von der heimlichen Liebe wissen will.
Den tosenden Applaus nach diesem Song genießt sie sichtlich: Sie verharrt sekundenlang in ihrer Pose und animiert das Publikum mit einer lässigen Handbewegung, ruhig noch lauter zu klatschen. Schließlich lässt sie sich erschöpft auf die Drehbühne sinken und stöhnt: „Ich brauche eine Pause.“
Ehrlich gesagt: Das wäre für mich der perfekte Cliffhanger für das Ende des ersten Aktes gewesen. Ich habe eigentlich gerechnet, dass nun auch tatsächlich Pause ist. Sie hätte etwa noch sagen können: „Ihr habt euch jetzt auch eine verdient.“
Es geht jedoch noch weiter. „Celebrata Culpa“ wäre für mich wegen seiner ähnlichen Klangmelodie zur Ouvertüre eine stimmige Eröffnung des zweiten Aktes gewesen. Es passt allerdings auch in der gewählten Version.
 
Das Bühnenbild besteht aus zwei Ebenen. Julias Balkon ist am linken Rand. Direkt darunter ist eine Stange befestigt, an der sich Romeo zu Julia hochzieht. Beim ersten Mal stürzt er ab. Meine Schwester hat mich auf dem Rückweg später gefragt, ob ich meine, dass das so geplant war oder er keine Kraft mehr hatte. Ich habe das schon so gesehen, dass es zur Inszenierung gehört, kann es natürlich nicht mit Sicherheit sagen. Da ist dann der Wiederholungsbesuch in Frankfurt interessant. Für mich würde es aber Sinn ergeben: Romeo ist in dieser Szene schon ungestüm. Da greift er dann eben nicht richtig zu, weil er nur seine Julia im Kopf hat, und verliert den Halt.
In der Mitte ist das große Tor, das sich auf öffnen lässt. Sowohl das Gerüst als auch das Tor sehen tatsächlich so aus, als wären sie aus Holz.
Die Drehbühne wird sinnvoll eingesetzt: Durch die entgegengesetzte Drehung können sich die Darsteller dynamisch fortbewegen, während sie optisch auf der Stelle bleiben.
Die Bänke dienen nicht nur als Sitzflächen: In Kombination mit einem einfachen weißen Laken verwandeln sie sich im Handumdrehen in Julias Bett – und wir wissen sofort, dass wir uns in ihrem Zimmer befinden. Später, im düsteren Licht, werden dieselben Bänke zur bedrückenden Gruft. Auch die Metallstangen erweisen sich als wandelbar. Teilt man sie in der Mitte, werden sie zu tödlichen Dolchen. In voller Länge wiederum deuten sie die Mauern der Kirche an, in der Romeo und Julia heimlich getraut werden.
Auch echtes Feuer wird eingesetzt: Die beiden Feuerfackeln haben wieder etwas Altertümliches. Sollen sie wieder auf die Handlungszeit des Originals hinweisen? So sehe ich es jedenfalls. Mir gefällt das gut. Das Feuer hat etwas Warmes und könnte auch für die Liebe stehen, zumal Romeo und Julia in einer Szene, wenn auch ohne diese Fackeln, „Ich brenn für dich“ singen.
Wenn Feuer außer Kontrolle gerät, bedeutet das jedoch Gefahr. Und am Ende verbrennen sich Romeo und Julia an dieser Liebe und sterben.
 
Das eingesetzte Licht wirkt oft kalt und steril. Überhaupt ist es eher düster. Warmes Licht kommt vor allem bei den Szenen zwischen Julia und ihrer Amme zum Einsatz, was ich sehr passend finde, da die beiden eine herzliche Beziehung pflegen.
Glühlampen lassen die ansonsten dunkle Bühne vor allem bei romantischen Szenen erhellen. Sie werden in einer exakten Choreografie abwechselnd ein- und ausgeschaltet. Das hat mich sofort an meinen Besuch bei Holiday on Ice erinnert, wo ich stundenlang auf den faszinierenden „Lichterteppich“ hätte starren können! Die Lampen hier wechseln zwar nicht die Farben, sind aber trotzdem stimmungsvoll, z. B. als Romeo auf der Drehbühne geht und immer die Lampe aufleuchtet, zu der er seinen Fuß vorsetzt – fast immer zum richtigen Zeitpunkt.
Zweimal wurde ich so stark vom Scheinwerfer geblendet, dass ich kaum etwas erkennen konnte. Ich sah nur Schemen, die sich länger küssten. Nur weil die beiden schon vorher dort standen, weiß ich, wer sich da küsst.
 
Die Kostüme sind modern, aber mit kleinen Akzenten, etwa angedeuteten Puffärmeln (nur mit Stoffstreifen) auf eine frühere Zeit.
Lady Capulet trägt zwar zuerst einen orangenen Morgenmantel und eine Art kurzen, rosafarbenen Jumpsuit, steigt jedoch in ein Kleid, das für mich sehr nach „Vergangenheit“ aussieht. Das passt zu ihrem bereits angesprochenen Lied über die Reichen. Ich finde, dieses Kleid unterstreicht, dass sie eben nicht so fortschrittlich denkt und meint, dass der Mann immer recht hat. Daran ändert auch ihre voluminöse Frisur in grellem Orangerot nichts.
Gut gefällt mir, dass sich ein Teil des Kleiderstoffes auch im Mantel von Lord Capulet wiederfindet, was für mich für Zusammengehörigkeit steht. Auch wenn sie es nicht gesagt hätten, hätte ich daraus geschlossen, dass sie miteinander verheiratet sind.
Auch bei der Amme ist zu erkennen, dass Shakespeare das Originalstück im 16. Jahrhundert angesiedelt hat: Sie trägt einen blauen Rock, eine weiße hochgeschlossene Bluse und eine weiße Haube.
Pater Lorenzo trägt grün, die Farbe der Hoffnung – und vom Helden aus dem Sherwood Forest. Als er sich zum ersten Mal die Kapuze überzieht, hat mich das an Robin Hood erinnert, auch wenn das von den Kostümbildern vielleicht gar nicht so beabsichtigt ist. Für mich ist es ungeachtet dessen stimmig, weil er sich auch für andere einsetzt, in diesem Fall Romeo und Julia. Er traut sie sogar heimlich gegen den erbitterten Willen ihrer Eltern.
 
Der Text wurzelt tief in Shakespeares Originalwerk. Immer wieder blitzen wortgetreue oder stark angelehnte Zitate auf. Wenn Sätze fallen wie „Lieben denn junge Männer mit ihren Augen nur, nicht mit ihrem Herzen?“, „O Romeo, Romeo! Warum bist du Romeo?“ oder das unsterbliche „Es war die Nachtigall, und nicht die Lerche“, erzeugt das einen gewaltigen Kontrast zur modernen Kleidung und der poppigen Musik.
Mir gefällt das allerdings sehr gut, und ich finde es auch stimmig. Es ist erfrischend und kommt mir gleichzeitig wie Respekt vor dem Original vor.
Der Pater verspricht sich einmal, korrigiert das Wort und redet weiter. Gestört hat es mich nicht. Hätte er einfach weitergesprochen, wäre es vielleicht überhaupt nicht aufgefallen.
 
Überrascht war ich, als die „Kapelle“ nach vorne tritt: vier Musiker und der musikalische Leiter. Es klingt nach einer größeren Band, was vermutlich am Keyboard liegt, das ja mehrere Instrumente imitieren kann.
Die Musik übertönt die Sänger nicht, auch wenn der Sound wuchtig wird. Überhaupt funktioniert der Ton gut. Ich habe alle jederzeit gut verstanden.
Bei einem Lied vibriert der Boden. Da muss ich sehr an den Anfang von „Tina“ in Stuttgart denken, wo das auch der Fall ist.
 
Das Publikum war angenehm ruhig. Abgesehen von dem obligatorischen Spruch vorab – „Das sind die besten Plätze in Reihe 2. Ich wollte gar nicht in Reihe 1 sitzen“ – gab es während der gesamten Show keinerlei störendes Geflüster. So konnte ich mich voll und ganz auf die Bühne konzentrieren.
Es wurde gewartet, ehe das Lied vorbei war, ehe geklatscht wurde. Teilweise hatte ich sogar das Gefühl, als traue sich niemand, den Bann zu brechen, wodurch der Beifall oft mit einer kleinen Verzögerung einsetzte.
Zum Glück blieb ich auch von schrillen Pfiffen verschont, die mir sonst immer ein fieses Klingeln im Ohr bescheren. Selbst das kollektive Mitklatschen – worauf ich ja gut und gerne verzichten kann – hielt sich im erträglichen Rahmen.
Im zweiten Akt schien das Publikum aufzutauen. Es wurde häufiger mitgeklatscht, etwa gleich zu Beginn bei „Liebe ist alles“.
 
Meine Schwester erzählte mir später, dass sie in der Pause nach weiteren Tickets gesucht hätte, wenn wir nicht schon welche für Frankfurt hätten. Ich denke, das spricht für sich.
Für sie ist es ein Stück, das man problemlos mehrere Male besuchen kann. Sie sagte, dass man merkt, dass es musikalisch vom gleichen Team wie „Ku’damm 56“ ist. Der Stil ist eben gleich, aber sie mag ihn und findet, dass sie ein Händchen für Ohrwürmer haben.
 
Ich bin richtig froh, dass ich das Musical in Düsseldorf besucht habe. Ich wollte es sowieso zweimal schauen, bekam aber für Frankfurt nur Tickets für eine Vorstellung.
Mir gefällt, dass sich die Handlung größtenteils ans Original hält und nicht zu viel ändert. Zu oft driften mir moderne Adaptionen in ein „Nur die Namen sind gleich, die Geschichte ist völlig anders“ ab.
Hier greifen die kleinen Änderungen stattdessen stimmig ineinander, ohne wie Fremdkörper zu wirken.
Die Musik kann man sich auch so anhören. Die Lieder fügen sich gut ein und unterstützen die Handlung.
Ich mag diesen Mix aus moderner Kleidung und Musik, aber altertümlicher Sprache. Da ich das bisher in noch keinem anderen Musical erlebt habe, ist das etwas Besonderes für mich.
Das Musical kommt in meinem Ranking auf 192 Punkte und landet damit auf dem 2. Platz, nur einen Punkt hinter „Schneewittchen“, das weiterhin die Spitze behaupten kann.
Jetzt bin ich wirklich schon sehr auf die Show in Frankfurt im Januar gespannt.
 
Schiggys Schlusswort
Schiggy zieht ihr ganz persönliches Schildkröten-Fazit: Nachbarschaftsstreits sind extrem anstrengend, verbotene Dinge verdammt verlockend, aber ein grandioser Musical-Abend ist einfach unbezahlbar!
Bis zum nächsten Abenteuer
Eure Schiggy
 
 
3. Persönliche Highlights
Highlight des Tages: „So kalt der Tod“
Bestes Solo: es gibt so viele starke Soli, da kann ich mich einfach nicht entscheiden
Bestes Duett: „Dann fall ich“
Ohrwurm des Tages: „Halt dich an die Reichen“
Beste Ensemblenummer: „Celebrata Culpa“
Lustigster Moment: „Hormone“
Emotionalster Moment: „Es tut mir leid“

 
4. Besetzung der besuchten Vorstellung

Schiggy saß im Publikum – aber wer stand eigentlich auf der Bühne?
Julia: Laura Schatz
Romeo: Mats Visser
Amme: Beatrice Reece
Mercutio: Cedric Schröter
Tybalt: Christian Böck
Benvolio: Dominik Räk
Pater Lorenzo: Pascal Cremer
Lady Capulet: Sophie Mefan
Lord Capulet: Fredy Kuttipurathu
Todesengel: Giuseppe Dulcetta
 
In weiteren Rollen: Elvin Karakurt, Lisa Maria Hanselmann, Alessia Trombetta, Michaela Giada Ventura Cassano, Malcolm Henry, Ilario Marco Russo
 
Dirigent: Justin Lehmann-Friese
Capulet-Kapelle: Peter Geltat, Ludwig Kociok, Anni Müller, Christopher Zabel

 
5. Spoilerteil
Diesen Abschnitt solltest du wirklich nur lesen, wenn du die wesentlichen Handlungselemente des Musicals bereits kennst oder sie bewusst erfahren möchtest.

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Zu Beginn ist nur die Mitte erleuchtet, wo ein Laken etwas verdeckt. Was mag sich darunter befinden? Das Laken wird entfernt. Romeo und Julia liegen gemeinsam in der Gruft. Da der Klassiker von Shakespeare so bekannt ist, dürfte es keine Überraschung sein, dass die Geschichte tragisch endet. Romeo und Julia sind tot. Wir sind also praktisch am Ende. Ich erwarte nun, dass das Stück am Schluss des zweiten Aktes wieder an dieser Stelle ansetzt und sich so der Kreis schließt. Diese Art mag ich sehr.
Julia setzt sich ruckartig auf und zieht sich den Dolch aus der Brust. Romeo führt die Giftflasche vom Mund weg. Das gesamte Ensemble bewegt sich rückwärts, als hätte jemand im Theatersaal die „Zurückspulen“-Taste gedrückt. Die Zeit läuft rückwärts, das Schicksal nimmt seinen Lauf – und die Geschichte beginnt von vorn.
 
Hartnäckig und mit einer völlig ungewohnten, energischen Entschlossenheit packt Julia ihre Amme nach dem Duell an den Händen, um die Wahrheit über die Ereignisse zu erfahren. Als sie für einen kurzen Moment glaubt, Romeo sei tot, bricht sie in Tränen aus. Umso größer ist die Erleichterung, dass er lebt – Tybalts Tod hingegen scheint sie kaum zu tangieren; ein Lächeln stiehlt sich auf ihre Lippen.
Julia ist fest entschlossen, sich trotz des Verbots ihrer Eltern nicht von Romeo zu trennen und sagt: „Ich gebe dich nicht auf.“ Obwohl eine zarte Unsicherheit mitschwingt, dass er ihr das Herz brechen könnte, untermauert sie ihr Liebesversprechen mit absolutem Nachdruck: „Weil ich‘s einfach nicht kann.“
Doch nach Romeos Verbannung bricht Julias Welt zusammen. Eine gemeinsame Zukunft scheint unmöglicher denn je. Sie verbarrikadiert sich unglücklich in ihrem Zimmer, während die Amme im Solo „Jung sein“ mitleidet. Der Song erinnert schmerzhaft daran, wie unbarmherzig das Leben für junge Liebende sein kann. Da möchte sie „nicht mehr jung sein – nicht mal geschenkt, nicht mal für Geld“.
 
Mercutio ist unglücklich in Romeo verliebt, was er in seinem Solo „Die Liebe kennt mich nicht“ zugibt. In dieser Szene steht er vor dem Tor, dieses schließt sich. Das habe ich als Symbol dafür gedeutet, dass er keine Chance bei Romeo hat.
Die sehnsuchtsvollen Blicke, die Mercutio ihm zuwirft, scheint dieser nicht zu bemerken.
Diesen Twist finde ich sehr interessant. Dadurch sehe ich seinen Einsatz beim Duell mit anderen Augen. Er scheint nicht nur aus Freundschaft und Solidarität an Romeos Stelle gegen Tybalt zu kämpfen, sondern aus Liebe zu ihm. Erhofft er sich so dessen Aufmerksamkeit und ihn so für sich gewinnen?
Als Romeo verkündet, dass er Rosalinde vergessen hat, stiehlt sich ein Lächeln in Mercutios Gesicht, nur um kurz danach zu entgleiten, als er den Grund dafür erfährt: Nicht etwa er, ein anderes Mädchen, Julia, ist dafür verantwortlich.
Das könnte seinen herablassenden Umgang mit der Amme erklären. Er scheint seinen Frust darüber an ihr auszulassen, indem er sie äußerlich abwertet.
 
Romeo durchlebt seinen persönlichen Albtraum: Der tote Tybalt verwandelt sich in die sterbende Julia. Sie strahlt ihn an und schreitet gemeinsam mit ihm zum Altar, doch dann wird aus ihr die Amme. Sie beugen sich zum Kuss vor.
Geblendet vom Lichtstrahl, erkenne ich nur zwei sich küssende Schemen. Nur weil ich vorher Tybalt und Mercutio stehen gesehen habe, weiß ich, dass sie diejenigen sind.
Romeo muss schließlich mitansehen, wie der Todesengel alle wie Marionetten an weißen Leinen hält. Mir kommt es so vor, als würde er sie einfangen und in sein Todesreich ziehen. Ihre Versuche, ihm zu entkommen, erscheinen zwecklos. Der Todesengel hat die Fäden in der Hand.
Romeo geht auf die Knie und hält sich die Ohren.
Außerdem sind da erneut die drei Frauen in ihren beigen Stofffetzen und dem Stoff vor ihren Gesichtern. Sind sie Geister?
Im ersten Akt umschwärmt jede von ihnen Romeo, Mercutio und Benvolio. Zu dem Zeitpunkt habe ich sie als gesichtslose Frauen interpretiert, weil die drei entweder nicht wissen, wen sie lieben können, Liebe für sie nur etwas Belangloses bedeutet oder sie keine Chance auf ihre Liebe sehen.
Da bin ich schon sehr auf den zweiten Besuch im Januar gespannt und werde dann besonders auf diese Frauen achten.
 
Im zweiten Akt beschert der Todesengel ein Highlight für mich. Bei seinem Solo „So kalt der Tod“ entsteht eine bedrohliche Atmosphäre: Die Bühne ist wieder recht düster. Das wenige Licht ist kalt. Nebel umspielt die Knöchel des Todesengels, der ganz allein dort steht und zwischen tiefer und hoher Stimme wechselt. Unheimlich, als er dann nach vorne tritt. Für meine Schwester ist diese Szene besonders emotional.
Sehr emotional wird es beim Solo von Pater Lorenzo. Er spricht offen aus: „Es tut mir leid.“ Er macht sich schwere Vorwürfe, dass der Brief mit dem Plan Romeo nicht erreicht hat und dieser so nicht weiß, dass Julia nur einen Schlaftrunk eingenommen hat. Mit niedergeschlagenem Blick quält ihn die Frage, warum er die Nachricht nicht einfach selbst überbracht hat – wo es ihm doch so wichtig war. Diese Szene hat mich eiskalt erwischt. Mit Tränen in den Augen steht der sonst so gelassene Pater vor der erstarrten Lady Capulet und der Amme, sucht verzweifelt Blickkontakt und fleht um Verzeihung. Die Situation scheint ihn innerlich regelrecht aufzufressen.
Gleichzeitig umkreisen ihn blau gekleidete Gestalten mit runden, schüsselförmigen Hüten, die ihm immer wieder Briefe vor die Nase halten. In früheren Szenen wirkten sie wie Mönche, doch in diesem Moment erinnerten sie mich – auch wegen der tentakelartigen Streifen ihrer Gewänder – eher an giftige Quallen, die den Pater quälen und ihn unaufhörlich an sein Versagen erinnern. Durch ihre blaue Farbe – die ich fest mit den Montagus verknüpft habe – und Romeos fatalen Griff zum Gift, brannte sich diese düstere Assoziation tief in mein Gedächtnis.
Dieses Solo fand ich emotional sogar noch packender als die darauffolgenden Freitode von Romeo und Julia. Vielleicht, weil man das Schicksal der Liebenden ohnehin kennt und jede Hoffnung längst verflogen ist. Doch Lorenzos schiere Verzweiflung und seine erdrückenden Schuldgefühle trafen mich völlig unvorbereitet.
Das anschließende Lied „Wie weit ist vorbei“ finde ich auch schön und traurig. Die beiden toten Liebenden liegen in der Gruft, womit sich der Kreis vom Anfang schließt.
Die fassungslosen Angehörigen stehen schweigend um sie herum. In diesem Moment des ultimativen Verlusts denkt niemand mehr an die alte Fehde. Im Schmerz sind plötzlich alle gleich: Sie sind trauernde Menschen, die jemanden verloren haben.
 
Der Vorhang schließt sich. Applaus brandet auf. Doch dann treten drei Personen in Alltagskleidung hervor. Ihre Kostüme haben sie über den Arm gehängt.
Pater Lorenzo setzt sich vor uns. An den Rändern stehen Lady Capulet und die Amme. Sie verkünden „Der Krieg ist vorbei“, dem letzten Lied vor dem Schlussapplaus.
Als sich der Vorhang ein allerletztes Mal öffnet, präsentiert sich das gesamte Ensemble in moderner Alltagskleidung. Mit den Kostümen über dem Arm singen sie die aufrüttelnde Zeile: „Nach dem Krieg ist vor dem Krieg.“ Durch die heutige Kleidung wirkt diese Botschaft erschreckend aktuell und schmerzhaft zeitlos.
Am Ende werfen sie ihre Kostüme auf einen gemeinsamen Haufen in der Mitte, die vorhin noch die Gruft dargestellt hat. Ich frage mich, ob das einen Scheiterhaufen darstellen könnte, auf dem sie die Kostüme verbrennen, um mit der Vergangenheit abzuschließen.
Sofort stehen die Zuschauer auf und applaudieren und jubeln. Zwei Lieder gibt es als Zugabe, und ja, ich lasse mich mitreißen und klatsche mit.
Nach dem Spendenaufruf für die Aidshilfe Düsseldorf endet der Abend. Bevor der Vorhang endgültig schließt, macht meine Schwester noch schnell ein Foto vom
potentiellen Scheiterhaufen.

 

Montag, 7. September 2026

Schiggy unterwegs... Der Schimmelreiter in Fulda (3. Besuch)

 

Schiggy war wieder unterwegs und ist zum dritten und vorerst letzten Mal der Spur des geheimnisvollen weißen Pferdes gefolgt. Nach zwei Besuchen von „Der Schimmelreiter“ stand nun die Dernière im Schlosstheater Fulda auf dem Programm.
Vor Beginn der Show wurden Mini-Lichter mit einer kurzen Anweisung, wann sie zum Einsatz kommen sollten, verteilt. So etwas finde ich immer schön und war schon sehr gespannt auf die entsprechende Szene.


1. Eckdaten zur Vorstellung

Titel der Veranstaltung: Der Schimmelreiter
Art der Veranstaltung: Musical
Ort: Schlosstheater Fulda
Sprache: Deutsch
Besuch: 06.09.2026
Beginn: 14:00 Uhr
Dauer: ca. 2,5 Stunden (inkl. Pause)
Reihe / Platz: Orchestergraben, Reihe A, Platz 15
Vorlage: Gleichnamige Novelle von Theodor Storm


2. Mein Eindruck von der Show


Für die letzte Vorstellung in Fulda (vor der Winterspielzeit in Hameln) hatten wir die Plätze 15 und 16 in Reihe A. Zunächst befürchtete ich, dass die Sicht so weit am Rand noch schlechter sein würde als zuletzt auf Platz 12. Doch das Gegenteil war der Fall: Da die Sitzreihen in einer leichten Welle verlaufen, blickt man schräg zur Bühne. Das erlaubte einen Blick zwischen den Darstellern hindurch ins Bühnengeschehen.
Ich konnte Elkes Gesicht im Wochenbett sehen, das mir letzte Woche durch das hohe Bettende verdeckt geblieben war. Ihre Schmerzen so mitzuerleben, verlieh der Szene mehr Emotion. 
Meiner Schwester gefiel es, dass wir bei Duetten beide Darsteller gleichzeitig im Blick hatten, ohne ständig den Kopf hin und her drehen zu müssen.

Bei diesem dritten Besuch fielen mir übrigens wieder einige neue Details auf:
So erkannte ich erstmals, dass Trins Katze tatsächlich ein Gesicht hat. Das war mir bei den beiden vorherigen Vorstellungen überhaupt nicht aufgefallen, obwohl ich im Programmheft bereits entdeckt hatte, dass sie Augen hat.
Nachdem Trin dem Vater von Hauke entsetzt zeigt, dass Hauke ihre Katze erschlagen hat, und den blutigen Sack loslässt, ist zu sehen, dass ihre Hand rot ist. Tede Haien spricht seinen Sohn darauf an und zieht dessen Ärmel hoch. Die Kratzspuren sind dabei ganz deutlich zu erkennen.
Als Trin einmal direkt vor uns stand und ihren durchdringenden Blick über die Reihen schweifen ließ, hatte ich für einen kurzen Augenblick die Illusion, dass sie mich direkt ansieht. Unweigerlich bin ich im Stuhl zurückgewichen.
Der unbekannte, vermummte Mann stand bei Trins Todesszene im Hintergrund. Das unterstützt die Theorie meiner Schwester, dass es sich dabei um den Tod handeln könnte. Aufgefallen ist uns, dass er eine tiefe Sprechstimme hat.
Elkes Solo „Für wen?“ fand ich bereits letzte Woche sehr emotional. In dieser Vorstellung kämpfte allerdings nicht nur Elke mit den Tränen. Auch Haukes Augen wirkten verdächtig wässrig und gerötet. Darauf war ich überhaupt nicht vorbereitet.
Meiner Schwester fiel außerdem auf, dass Hauke über Elkes Babybauch streichelte und das Kind in seinen Armen schaukelte. Sie meinte dazu, daran würde man merken, dass der Darsteller selbst Vater sei.

Einige Dinge waren mir bereits letzte Woche aufgefallen, nur hatte ich vergessen, sie zu erwähnen. Nachdem ich sie nun auch bei der Dernière wieder bemerkt habe, möchte ich sie an dieser Stelle noch ergänzen.
Wenn der Schimmel seitwärts mit dem Kopf nach links stand, erschien mir das Auge durchscheinend, als wäre das Mondlicht darin gefangen. Dadurch entstand ein unheimlicher und mysteriöser Eindruck. In diesen Momenten hätte nur noch Nebel gefehlt, und man hätte tatsächlich anfangen können, an seinem Verstand zu zweifeln und sich zu fragen, ob dieses Pferd überhaupt ein gewöhnliches Tier sei
Die Darstellung des Schimmels mit den Kopfbewegungen, dem Wiehern und dem Prusten gefiel meiner Schwester diesmal deutlich besser als letzte Woche. Es wirkte auf sie natürlicher.
Außerdem muss ich meinen Bericht zur zweiten Vorstellung korrigieren: Ich war danach ja überzeugt gewesen, dass das Pferd aus drei Einzelteilen besteht. So sah der Effekt zumindest zu Beginn für mich aus – übrigens auch in dieser letzten Vorstellung wieder.
Meine Schwester ist allerdings sicher, dass der Schimmel aus einem Stück besteht. Sie sah, wie dieser in der Anfangsszene auf Rollen weggezogen wurde. Sie vermutet lediglich einen zusätzlichen Kopf.
Die Stimme von Haukes Vater beziehungsweise dem Oberdeichgrafen (Doppelrolle) finde ich angenehm tief. Das war mir damals schon bei „Robin Hood“ aufgefallen, als der Darsteller Robins Vater sowie John Little spielte. Diese Doppelrolle habe ich insgesamt 16 Mal gesehen. Besonders der Gesang gefällt mir in dieser Stimmlage sehr gut. Ich mag einfach tiefe Stimmen.

Auf eine Szene habe ich dieses Mal besonders geachtet: Meine Schwester hatte bei der zweiten Vorstellung das Gefühl, dass die Bühne noch stärker schwankt als bei der ersten Show, während ich davon überhaupt nichts bemerkte. Sie hatte allerdings auf Trin geachtet, während ich die Tänzer im Hintergrund beobachtete.
Deshalb wollte ich ein kleines Experiment starten und habe bewusst Trin fixiert. Und tatsächlich: Für einen Moment glaubte ich ebenfalls, dass sich die Bühne hebt, wenn auch nicht so stark wie damals bei unserem ersten Besuch. Meine Schwester nahm es ebenfalls nicht lange wahr.

In zwei Szenen sind mir Handlungen aufgefallen, bei denen ich mir unsicher bin, ob sie bereits in den vorherigen Vorstellungen so gespielt wurden oder ob es sich vielleicht sogar um Dernierenscherze handelte.
Nach der Verkündung von Elkes und Haukes Verlobung schnappt sich Vollina ein volles Tablett und stampft damit von der Bühne. Das sorgt für einige Lacher im Publikum.
Bei der Feier zum Bau des neuen Deiches erschien Ole wie immer betrunken. Außerdem fiel er um und blieb ausgestreckt auf dem Boden liegen. Da habe ich mich gefragt, ob er das bei den vorherigen Vorstellungen auch schon so gemacht hat. Meine Schwester konnte sich ebenfalls nicht mit Gewissheit daran erinnern, da sie darauf nicht besonders geachtet hatte.
In dieser Szene ist allerdings auch wirklich viel los auf der Bühne: Der Oberdeichgraf erscheint und erhält von Wienke einen Blumenstrauß, während die Dorfbewohner ausgelassen feiern und tanzen.

Beim Duett „Sternenmeer“ machten wir dann wie verabredet unsere Mini-Lichter an. Elke und Hauke waren zunächst ganz auf sich konzentriert, bis sie sich schließlich in Richtung Publikum drehten. Elke war sichtlich überrascht, was man deutlich an ihrem Gesichtsausdruck erkennen konnte. Das brachte die Zuschauer in dieser eigentlich besinnlichen Szene zum Lachen.
Ich drehte mich zwar kurz um, konnte das Lichtermeer von meinem Platz aus aber nicht wirklich gut erkennen. Später zeigte mir meine Schwester ein Foto von Instagram, das jemand aus dem Hintergrund der Bühne aufgenommen hatte. Das sah wirklich toll aus. Da kann ich mir gut vorstellen, wie schön dieser Anblick live für die beiden Darsteller gewesen sein muss. Es passte jedenfalls perfekt zum Titel des Liedes.
Nach dem Showdown sollte das Licht erneut erstrahlen. Das fand ich allerdings nicht mehr ganz so wirkungsvoll. Es war einfach zu kurz vor dem Ende. Da suchte so mancher Zuschauer vermutlich schon nach dem Handy, um pünktlich den Schlussapplaus filmen zu können.

Leider war das Publikum bei dieser Vorstellung nicht so angenehm wie letzte Woche. Teilweise gab es mal wieder dieses Gerede über die besten Plätze oder die eigenen Leistungen. Es wurde auch damit geprahlt, wen man von den Darstellern alles persönlich kennt. So etwas nervt mich immer, selbst wenn es vor oder nach der Show oder in der Pause stattfindet.
Auch „Quietschies“, wie ich die Hyper-Fans eines bestimmten Darstellers gerne nenne, waren wieder da. Das fällt mir immer besonders auf: Bei ihrem „Star“ wird laut gejubelt, die Hände werden hochgerissen und gerne auch „Herzchen“ geformt, während andere Darsteller nur mit einem müden, fast schon gelangweilten Applaus bedacht werden.
Meiner Schwester klingelten jedenfalls die Ohren, weil ihre Sitznachbarin ständig so laut schrie und pfiff. Meine Sitznachbarin war zum Glück nicht ganz so laut. Ihre „Wuhhh“-Rufe klangen allerdings immer eher nach „Buh“.
Außerdem packte sie während der Pause ständig im Wechsel ihr Handy aus der Hosentasche und steckte es wieder zurück. Dabei fuhr sie jedes Mal ihren Ellbogen aus und war so nah an meinem Gesicht, dass ich in Deckung gehen musste, um nicht noch ein Veilchen zu kassieren.
Dass sie damit nicht die einzige Rücksichtslose im Saal war, musste meine Schwester anschließend schmerzhaft erfahren. Eine Frau stapfte hinter uns vorbei und traf meine Schwester dabei ziemlich hart am Kopf. Sie fasste sich danach an den Hinterkopf, worauf die Frau nur gackernd meinte: „Die Frisur sitzt noch.“
Nach der Show drängelten sich dann Personen nach vorne, nur um anschließend mitten im Weg stehen zu bleiben. Das sind mir immer die Liebsten.
Oder jemand schubste mich mit der Begründung „Muss zur Stagedoor!“ zur Seite. Ach ja, die Quietschies… Sie wären eigentlich auch ein gutes Thema für ein Musical.

Die Show selbst war wirklich gut. Allerdings hat uns die Vorstellung letzte Woche besser gefallen, was vor allem am Publikum lag. Das Lichtermeer bei „Sternenmeer“ war eine wunderschöne Idee, konnte das Verhalten einiger Zuschauer aber leider nicht wettmachen.
Das Musical verliert deshalb insgesamt einige Punkte in meinem Ranking – bedingt durch die Atmosphäre – und kommt nun nur noch auf 173 Punkte. Damit landet es auf Platz 10.


3. Persönliche Highlights
Highlight des Tages:
Trin Jans' Solo „Die Sündenflut“
Bestes Solo:
„Für wen?“ (Elke)
Bestes Duett:
„Glaubst du noch an mich?“
Ohrwurm des Tages:
Keiner. Die Lieder gefielen mir insgesamt, aber keines blieb dauerhaft hängen.
Beste Ensemblenummer:
„Für die Marsch, für die Geest“
Lustigster Moment:
Die Szene mit dem Deichgrafen und dem Oberdeichgrafen.
Emotionalster Moment:
„Für wen?“

 

4. Besetzung der besuchten Vorstellung

Schiggy saß im Publikum – aber wer stand eigentlich auf der Bühne?

Hauke Haien / Reisender: Sascha Kurth
Elke Volkerts: Pamina Lenn
Ole Peters: Dennis Henschel
Vollina Harders: Anja Backus
Schulmeister / Tede Haien: Thorsten Tinney
Trin Jans: Kaatje Dierks
Deichgraf / Arzt: Volker Metzger

Ensemble
Schimmel
Kopf: Christopher Dederichs
Herz: Antonello Papagno
Hinten (Hind): Robin Scheel

Magd Ann Grete: Maja Dickmann
Magd Geschke: Emma Sophie Adelmann
Magd Wiebke: Sophie Bauer
Leiterin Else: Jenny Schlensker
Dienstmagd / Lene: Jo Rackham
Dienstmagd / Mareike: Irene Eggerstorfer
Witwe Wohlers: Tina Haas
Iven Johns: Samuel Jonathan Bertz
Jeve Manners / Unbekannter: Nico Schweers
Lütten: Tobias Korinth
Carsten: Niklas Schurz
Wirt Friedrich: Steven Seale
Pastor Jansen: André Haedicke
Wiens: Torsten Paul
Junger Hauke: Rosa
Wienke: Nora

 

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