Mittwoch, 4. November 2026

Ein paar Sätze zu... Vergiß die Toten nicht

 



Als die Journalistin und angehende Politikerin Nell MacDermott erfährt, dass ihr Mann, ein erfolgreicher Architekt, bei einer Explosion ums Leben kam, glaubt sie nicht an einen Unfall. Sie begibt sich auf eigene Faust auf die Suche nach der Wahrheit. Doch bei ihren Nachforschungen gerät sie schon bald in ein Netz gefährlicher Intrigen …



Die Thriller von Mary Higgins Clark habe ich immer gerne gelesen. Diesen kannte ich bisher noch nicht.
Die ganze Zeit hat mich der Gedanke nicht losgelassen, was wirklich nicht Adam passiert ist. Ich hatte eine Theorie und war auf die Auflösung gespannt. Tatsächlich ist es so gewesen. Das war mir dann doch etwas zu vorhersehbar.
Erst soll Adam Nells große Liebe sein, doch plötzlich merkt sie, dass es vielleicht doch nicht so ist. Und das kam mir etwas zu gewollt vor.
Den Handlungsstrang um Lisa und ihren toten Mann Jimmy fand ich interessanter als Nells Geschichte.
Insgesamt hat mir der Thriller gut gefallen. Er liest sich flüssig. Mich hat auch die alte Schreibweise nicht gestört. Allerdings habe ich schon bessere Bücher von ihr gelesen.





Schiggy unterwegs... Der kleine Horrorladen in Mönchengladbach

 


Schiggy war wieder unterwegs, um sich die seltsame Pflanze in Mr. Mushniks Blumenladen anzuschauen, von der ganz Skid Row spricht.
Der kleine Horrorladen in Mönchengladbach hat sogar an Halloween seine Türen geöffnet. Was für ein passendes Datum! Gleichzeitig aber auch ein wenig unheimlich. Würde ich wieder lebend zurückkehren oder am Ende selbst als Futter enden?

1. Eckdaten zur Vorstellung

Titel der Veranstaltung: Der kleine Horrorladen
Art der Veranstaltung: Musical
Ort: Theater Mönchengladbach
Sprache: Deutsch
Besuch: 31.10.2026
Beginn: 19:30 Uhr
Dauer: ca. 2 Stunden 10 Minuten (inkl. Pause)
Reihe / Platz: 1. Akt: Reihe 1, Platz 2; 2. Akt: Reihe 3, Platz 16
Vorlage: Gleichnamiger Film

2. Mein Eindruck von der Show

Dieses Musical habe ich bereits 2023 in Mainz gesehen. Damals fand ich es unterhaltsam, allerdings konnte es sich in dem starken Jahrgang nicht wirklich durchsetzen und landete nur auf einem der hinteren Plätze meines Jahres-Rankings.
Da ich den Musicaljahrgang 2026 bisher unerwartet stark finde, rechne ich auch für die Inszenierung in Mönchengladbach nicht mit einem Platz in meinen Top 10.
Doch zunächst muss natürlich die Anreise organisiert werden. Bei unseren bisherigen Besuchen hatten wir gerne am Bahnhof geparkt, da sich das Parkticket an der Theaterkasse umtauschen ließ und wir somit kostenlos parken konnten.
Diesmal gibt es allerdings eine Änderung: Das Parkhaus arbeitet inzwischen mit Kennzeichenerkennung. Bei meinen Recherchen stelle ich fest, dass die Vereinbarung mit dem Theater nicht mehr gilt. Ein Blick auf die Preise zeigt außerdem, dass wir im Parkhaus direkt am Theater sogar günstiger parken können. Also ändern wir kurzerhand unseren Plan. Ein weiterer Vorteil: Das Theater liegt direkt auf der anderen Straßenseite. Gerade wenn man nach der Vorstellung im Dunkeln unterwegs ist, finde ich das angenehmer.

Das Programmheft kostet 3,50 Euro. Darin befindet sich auch ein Zettel mit der Besetzung des Abends. Bei der Rolle der Crystal stehen gleich zwei Namen: einer für Schauspiel und Dialoge, der andere für den Gesang. Ich vermute, dass die eigentliche Darstellerin erkrankt ist.
Vor Beginn tritt ein Mann hinter dem roten Vorhang hervor und begrüßt uns zur Halloween-Vorstellung. Anschließend erklärt er uns auf humorvolle und sehr ausführliche Weise die notwendigen Änderungen. Tatsächlich ist die Crystal-Darstellerin erkrankt. Eine der beiden Ronnette-Darstellerinnen (die Rolle ist doppelt besetzt) übernimmt deshalb an diesem Abend die Schauspiel- und Dialogparts. Für den Gesang springt eine Gastdarstellerin ein, die bereits bei der Krefelder Inszenierung des Musicals mitgewirkt hat.
Eine solche Aufteilung habe ich zuvor bereits zweimal bei anderen Stücken erlebt. Ich finde das immer wieder spannend, gerade weil solche Situationen nicht zum gewöhnlichen Vorstellungsalltag gehören. Da die Crystal-Darstellerin außerdem bei den gemeinsamen Gesangsnummern mitsingt, haben wir an diesem Abend sozusagen sogar vier Soul Girls.

Der Vorhang öffnet sich, und wir können einen ersten Blick auf das Bühnenbild werfen: An den Seiten stehen Häuserfassaden, die ihre besten Jahre bereits hinter sich haben. Auf dem linken Haus steht „Fish & Chips“, auf dem rechten „Coca-Cola“. In der Mitte befindet sich der Blumenladen von Mr. Mushnik. Dieses Bühnenelement lässt sich von Hand drehen, sodass wir je nach Position die Außen- oder Innenansicht des Ladens sehen. An der Tür hängt ein Open/Closed-Schild. Das Schaufenster wirkt allerdings nicht gerade einladend: Die Blumen sehen vertrocknet und ungepflegt aus.
Mr. Mushnik sitzt auf einem Stuhl und liest Zeitung. Audrey erscheint erst am Nachmittag zur Arbeit und wünscht ihrem Chef einen guten Morgen. Dieser erinnert sie mürrisch daran, dass es bereits 14:00 Uhr ist.
Aus dem hinteren Bereich hört man ein Scheppern und Poltern. Der Ladenbesitzer wird wütend und keift herum. Nicht unbedingt das, was man einen angenehmen Zeitgenossen nennen würde.
Der Laden läuft schlecht, die Kunden bleiben aus. Das kann ich durchaus verstehen. Ich würde dort auch nicht einkaufen. Wenn Mr. Mushnik mit seinen Kunden genauso umgeht, hat sich das sicher längst herumgesprochen. Ich würde dem Chef also ein einladendes Schaufenster und etwas mehr Freundlichkeit empfehlen.

Ihm fällt Audreys blaues Auge auf, und er fragt nach, was passiert ist. Oh, hat er also doch ein Herz?
Doch dann erscheint Seymour aus dem Hinterzimmer, stolpert über seine eigenen Füße und wird von Mr. Mushnik dafür gerügt.
Seymour bemerkt das Veilchen ebenfalls. Allerdings erkundigt er sich, ob das ihr neues Augen-Make-up ist. Er wirkt so nervös und unsicher, dass er kaum Blickkontakt halten kann.
Die drei sitzen die Zeit bis zum Feierabend ab. Mr. Mushnik teilt seinen beiden Angestellten mit, dass sie am nächsten Tag nicht mehr kommen müssen. Er möchte den Laden aufgeben.
Audrey hat eine Idee und spricht Seymour auf seine neue Pflanze an. Dieser zeigt sie seinem Chef sofort und erzählt, wie er zu ihr gekommen ist. Die Pflanze, die mich ein wenig an eine Venusfliegenfalle erinnert, hat sogar einen Namen: Audrey II, genannt Zwo-i. Seymour stellt sie ins Schaufenster, in der Hoffnung, damit Kunden anzulocken.
Mr. Mushnik hält davon allerdings nichts. Als ob jemand wegen einer seltsamen Pflanze hierherkommen würde!

In diesem Augenblick betritt ein Mann den Blumenladen und sagt: „Was für eine seltsame Pflanze!“ Und wenn er schon einmal da ist, möchte er auch gleich Rosen für 50 Dollar kaufen. Da Mr. Mushnik den 100-Dollar-Schein nicht wechseln kann, kauft der Mann kurzerhand die doppelte Menge.
Lustig finde ich, dass Audrey die Rosen mit weißen Blumen, vermutlich Margeriten, statt mit weiteren Rosen ergänzt. Den Kunden scheint das nicht zu stören. Liegt es vielleicht an dieser seltsamen Pflanze?
Mr. Mushnik möchte seine Angestellten zur Feier des Tages zum Essen einladen. Audrey lehnt jedoch ab, weil sie sich mit ihrem Freund treffen wird.
Seymour dagegen freut sich schon auf das Abendessen. Da ist es natürlich gerade besonders ungünstig, dass die Pflanze plötzlich ihre Blätter hängen lässt. Mr. Mushnik fordert Seymour auf, im Laden zu bleiben und sich um Audrey II zu kümmern, damit sie sich wieder erholt.
Warum nur habe ich das Gefühl, dass es ihm dabei nicht wirklich um das Wohlergehen der Pflanze geht? Vielleicht liegt es ja daran, dass er beim Verlassen des Ladens den Geldschein küsst und strahlend davonzieht.

Seymour versteht nicht, warum Audrey II so kränklich aussieht. Schließlich hat er sich immer gut um sie gekümmert, wie er in seinem Solo verrät. Als er eine Rose aufhebt, sticht er sich in den Finger. Was ist denn plötzlich mit der Pflanze los? Man könnte fast meinen, sie würde das Blut riechen. Sie streckt sich Seymour entgegen und reißt ihr Maul auf.
Seymour ist verwirrt und macht mehrfach einen Test: Hält er den blutigen Finger in ihre Nähe, öffnet sich das Maul der Pflanze. Entfernt er ihn wieder oder hält ihr einen unverletzten Finger hin, schließt es sich.
Macht er es wirklich? Er macht es tatsächlich. Seymour lässt ein paar Tropfen Blut in das Maul der Pflanze tropfen. Und siehe da: Sie wirkt plötzlich wieder putzmunter.
Das Blut scheint ihr gutzutun. Sie wächst und gedeiht – und mit ihr der Blumenladen. Dieser wird sogar ordentlich auf Vordermann gebracht: Statt vertrockneter Pflanzen stehen nun prächtige Exemplare im Schaufenster, und auch die Wände werden gestrichen.

Die Telefone – ja, sie haben tatsächlich mehrere davon – stehen nicht mehr still. Jeder möchte die Pflanze sehen. Jeder möchte bei Mr. Mushnik einkaufen.
Dabei ahnt niemand, warum sich Audrey II so prächtig entwickelt.
Seymour dagegen leidet unter dem zunehmenden Blutverlust. Seine Finger sind inzwischen mit so vielen Pflastern übersät, dass sie eher aussehen, als würde er als ungeschickter Koch in einem Restaurant arbeiten. Einmal bricht er sogar beinahe zusammen, kann sich allerdings noch am Tresen festklammern. Und das scheint noch lange nicht das Ende zu sein, denn Audrey II will immer mehr …

Seymour ist wirklich ein sehr schüchterner und tollpatschiger junger Mann, der nicht besonders geübt im Umgang mit anderen Menschen ist. Mit Jeans, Turnschuhen, Hemd, Pullunder und Brille wirkt er wie der typische Klischee-Streber. Häufig zuckt er zurück und entschuldigt sich mit brüchiger Stimme.
Seymour scheint Audrey sehr zu mögen, sagt es ihr aber nicht. Als sie von ihrem Freund Orin verbal angegriffen wird, hilft er ihr nicht. Das deute ich bei ihm allerdings nicht als Gleichgültigkeit. Er scheint einfach kein Selbstbewusstsein zu haben. Selbst wenn er beleidigt wird, nimmt er es hin. Im Lied „Downtown (Skid Row)“ singt er: „… sagt mir, ich wär’ ein Idiot und hat recht.“
Wie unglücklich er ist, wird nicht nur deutlich, als er den Besenstiel zerbricht, mit dem er den Laden fegt. Er spricht es auch in diesem Lied an: „Und ich hoff’, irgendwer holt mich hier mal raus, denn ich merk’ mehr und mehr, ich halt’s nicht mehr aus. […] Mein Gott, lass mich nicht hier, ich krepier’ sonst.“
Es scheint, als würde er es aus eigener Kraft nicht schaffen. Sonst hätte er den Stadtteil doch schon längst verlassen können.
Audrey schlägt vor, mit ihm einkaufen zu gehen, damit er in der Öffentlichkeit einen besseren Eindruck macht. Fortan trägt er einen rosa Cordanzug. Ich bin mir allerdings nicht sicher, ob er das wirklich möchte oder ob er sich einfach nicht traut, etwas dagegen zu sagen.
Als er durch Audrey II zunehmend Aufmerksamkeit erhält, merkt man, dass er das überhaupt nicht gewohnt ist. Beim Radiointerview wirkt seine Stimme wackelig. Auf dem Zeitungsfoto lacht er wie ein Schuljunge.
Mit einer schwarzen Lederjacke versucht er später, cool zu wirken. Doch irgendwie sieht er darin eher verkleidet aus.
Trotz seines Erfolges bleibt Seymour ein unsicherer Mensch, der zunehmend unter den Einfluss der Pflanze gerät. Statt sich von Mr. Mushnik bevormunden zu lassen, lässt er sich nun von Audrey II zu Handlungen verleiten, die er eigentlich gar nicht möchte.

Audrey trägt meist Kleider im Stil der 1950er- und 1960er-Jahre, häufig mit Blumenmustern, die sie mädchenhaft wirken lassen.
Orins Misshandlungen versucht sie vor anderen als harmlos darzustellen. Sie tut, was er sagt, und widerspricht ihm nicht. Als sie gefragt wird, warum sie sich das gefallen lässt, antwortet sie sinngemäß: „Er tut mir das an, obwohl er mich liebt. Was macht er dann erst, wenn er mich nicht mehr mag?“
Das zeigt für mich, wie gefangen sie in dieser Beziehung ist. Offenbar befürchtet sie, dass Orin ihr noch Schlimmeres antun könnte als ein blaues Auge oder einen verletzten Arm.
Ihr Traum von einem Leben im Grünen ist erstaunlich bescheiden. Sie träumt weder von Reichtum noch von einer Villa. Sie möchte einfach nur ein schönes Zuhause und ein sicheres Leben ohne Gewalt.
Sie und Seymour führen ein freundschaftliches und respektvolles Verhältnis. Sie erkennt, dass er ein guter Mensch ist. Als sie sich einmal allein fühlt, versichert er ihr, dass er für sie da ist.

Mr. Mushnik gibt im Anzug den Geschäftsmann. Er ist streng und schnell aufbrausend. Audreys Verletzungen bemerkt er und spricht sie auch darauf an, wirkliche Hilfe bietet er ihr allerdings nicht an.
Seymour spricht er grundsätzlich nur mit dessen Nachnamen an, ohne ein „Mr.“ davor. Das klingt für mich nicht gerade respektvoll.
Von Audrey II ist er zunächst wenig begeistert, erkennt aber schnell die wirtschaftlichen Möglichkeiten, die sich ihm dadurch bieten.
Als er ein Gespräch zwischen Seymour und Orin belauscht, bekommt er Angst, dass Seymour mit der Pflanze verschwinden könnte. Also entscheidet sich Mr. Mushnik kurzerhand, ihn zu adoptieren.
Für mich ist klar, dass er das nicht aus echter Fürsorge tut. Er möchte vor allem verhindern, dass mit Seymour auch seine neue Einnahmequelle verschwindet.
Im Duett „Mushnik & Sohn“ führt er beim gemeinsamen Tanz. Das sehe ich als Zeichen dafür, dass er gerne die Kontrolle behält – ganz gleich, um welche Beziehung es gerade geht.

Audreys Freund Orin ist Zahnarzt, was er gerne hervorhebt. Er tritt selbstsicher und zielstrebig auf. Beim Sprechen fixiert er seine Mitmenschen regelrecht mit seinem Blick.
Er trägt enge Hosen, ein schwarzes Shirt und eine schwarze Lederjacke. Im Gegensatz zu Seymour, der mit seiner Lederjacke eher verkleidet wirkt, passt dieses Outfit zu Orin.
In seinem Lied „Zahnarzt“ erzählt er, wie viel Freude ihm das Quälen anderer bereitet.
Er inhaliert regelmäßig Lachgas, selbst kurz vor einer Behandlung. Sein Lachen direkt danach wirkt verstörend. Wie er den riesigen, altmodischen Bohrer hält und dabei grinst, lässt bei mir keinen Zweifel: Zu diesem Zahnarzt würde ich unter keinen Umständen gehen!
Seine Stimme klingt aggressiv, und auch seine Körpersprache wirkt bedrohlich. Ich möchte ihm weder allein im Dunkeln begegnen noch ihn zum Feind haben. Da bin ich doch froh, dass wir direkt gegenüber vom Theater parken!
Orin ist eine stark überzeichnete Figur, die gleichzeitig komisch und bedrohlich wirkt.

Die Soul Girls treten grundsätzlich als Trio auf – oder in dieser Vorstellung als Quartett. Dabei hält sich die Sängerin der Crystal eher im Hintergrund am linken Bühnenrand. Mit ihrer komplett schwarzen Kleidung fällt sie auch nicht besonders auf.
Die Schauspiel-Crystal, Ronnette und Chiffon tragen stets die gleichen Kostüme: Jeans und Hemd, grüne Kleider, weiße Kleider mit lila Blumen oder Arztkittel. Zwar tragen sie manchmal unterschiedliche Perücken, trotzdem wirken sie auf mich nicht wie drei individuelle Persönlichkeiten.
Deshalb kann ich auch nicht sagen, wer von ihnen den Lachgashelm manipuliert und frech grinsend das entsprechende Teil davon hochhält.

Audrey II, auch Zwo-i genannt, ist die mysteriöse Pflanze, die Seymour bei einem Händler kauft. Anfangs ist sie noch eine kleine Pflanze im Blumentopf. Mit zunehmendem Wachstum wird sie immer beeindruckender. Im zweiten Akt ist sie riesig und nimmt einen Großteil des Blumenladens ein. Vor allem in diesem Stadium wirkt sie bedrohlich realistisch.
Rote Adern ziehen sich über ihre Lippen. In ihrem Maul befinden sich nicht nur eine lange Zunge, sondern auch Zähne. Der Kopf mit seinen Blättern lässt sie besonders lebendig wirken. Die riesigen Blätter und Wurzeln verstärken diesen Eindruck zusätzlich.
Kein Wunder also, dass jemand hinter mir bemerkt, dass es keine gute Idee ist, dieser Pflanze zu nahe zu kommen.
Im Programmheft gibt es Skizzen zu den verschiedenen Wachstumsstadien von Audrey II. Bei der jungen Pflanze wird der Kopf von einem Darsteller bewegt, der seinen Arm im Inneren der Pflanze hat, wenn sie auf dem Tresen steht.
Wenn Seymour sie trägt, erkennt man bei genauem Hinsehen, dass die Hand, die den Topf umklammert, nicht echt ist. Der eigentliche Arm steckt in der Pflanze und ermöglicht die Kopfbewegungen.
Im zweiten Stadium sitzt der Puppenspieler halb in der Pflanze. Nur seine Beine in der grünen Hose schauen heraus. Im letzten Stadium steht er dann vollständig in Audrey II.
Besonders die riesige Pflanze im zweiten Akt gefällt mir mit all ihren Details, weil sie dadurch so realistisch wirkt.
Auf dem Rückweg erzähle ich meiner Schwester, dass der Erbauer sein Handwerk wirklich versteht. Dafür gibt es von mir ein ganz großes Lob!
Und ich sehe meine Venusfliegenfalle jetzt mit ganz anderen Augen. Bisher begnügt sie sich noch mit den Fliegen, die sie fängt. Ich hoffe, es bleibt dabei.

Die Bühne ist häufig in grünes Licht getaucht, insbesondere in den Szenen mit Audrey II. Dieses Grün wirkt allerdings nicht natürlich oder hoffnungsvoll, sondern eher giftig und unheimlich.
Daneben kommt auch gelbliches Licht zum Einsatz, das eine deutlich wärmere Atmosphäre vermittelt.
Beim Zahnarzt habe ich jedoch den Eindruck, dass kaltes, weißes Licht eingesetzt wird. Das würde sowohl zu einer Zahnarztpraxis passen, die ich irgendwie mit sterilem Weiß verbinde, als auch zum eiskalten Orin. Ob ich in dieser Szene allerdings wegen Halloween schon Gespenster sehe oder ob das Licht tatsächlich so eingesetzt wird, kann ich nicht einmal genau sagen.
Ich traue Audrey II aber durchaus zu, mich zu manipulieren und mir mittels Telekinese falsche Erinnerungen einzureden. Schließlich ist sie keine gewöhnliche Pflanze.

Die Szenenwechsel verlaufen weitgehend fließend. Auch die Drehung der mittleren Kulisse geht zügig vonstatten. Ich habe nicht das Gefühl, dass dadurch Leerläufe entstehen.
Die rechte Häuserfassade lässt sich aufklappen. Dahinter befindet sich Orins Zahnarztpraxis. Zu sehen sind ein Zahnarztstuhl und drei Bilder mit kranken Zähnen an der Wand.
Wenn ich so darüber nachdenke, wirkt das doch eher abschreckend. Ich weiß nicht, ob sich Menschen mit Angst vor dem Zahnarzt dadurch beruhigen lassen würden. Natürlich habe ich auch in einer Zahnarztpraxis schon Poster mit verschiedenen Zahnkrankheiten gesehen. Aber schöne Landschafts- oder Blumenbilder vermitteln doch eher eine beruhigende Atmosphäre.
Andererseits: Zu Orin passt diese Dekoration bestens!

Die Musik klingt zu Beginn soulig und erinnert mich an die 1960er-Jahre. Insgesamt finde ich die Lieder abwechslungsreich. Es gibt schwungvolle Nummern, ruhige und gefühlvolle Lieder, bedrohliche und düstere Passagen sowie hoffnungsvolle Momente.
Sowohl in Reihe 1 als auch in Reihe 3 verstehe ich alles gut. Die fünfköpfige Band übertönt den Gesang nicht.
Das Schauspiel aller Darsteller finde ich überzeugend. Ich nehme ihnen ihre Rollen ab. Aber auch die Stimmen gefallen mir gut. Meine Schwester erinnert sich besonders an einen Moment, in dem Seymour einen Ton geradezu herausschmettert.

„Jetzt hast du Seymour“ ist das Duett zwischen Audrey und Seymour. Audrey hat das Gefühl, alleine dazustehen und niemanden zu haben. Doch Seymour versichert ihr, dass er für sie da sein wird und sie bei ihm Geborgenheit findet. Das ist etwas, das Audrey aus ihrer Beziehung mit Orin nicht kennt.
Audreys Solo „Im Grünen irgendwo“ zeigt ihre Sehnsucht nach einem sicheren Zuhause. Sie möchte ein gemeinsames Leben mit Seymour führen, weil sie weiß, dass er ihr nichts antun würde. Bei diesem Lied wirkt sie sehr zerbrechlich. Zu Beginn des Stücks erscheint sie eher naiv und auch oberflächlich. An dieser Stelle wird jedoch deutlich, dass das nur eine Fassade ist. Im Grunde ist ihr Luxus gar nicht wichtig.

Auch die Pflanze darf singen. Ich habe ja schon in anderen Berichten betont, dass ich tiefe Stimmen mag. Audrey II hat eine solche Stimme. Bei ihr denke ich allerdings nicht unbedingt: angenehm! Vielmehr wirkt sie bedrohlich und unheimlich. „Gib’s mir“ heißt ihr Solo. Es ist ihre Aufforderung nach Blut. Die Art, wie sie das vorträgt, lässt keinen Zweifel daran, dass sie keine Widerworte duldet.

Im Theater Mönchengladbach habe ich bisher immer angenehme Erfahrungen gemacht. Das Publikum war aufmerksam und redete nicht dazwischen. Außerdem hatte ich bisher immer eine sehr gute Sicht von der ersten Reihe aus.
Also wähle ich auch bei meinem fünften Besuch wieder diese Reihe.
Im Saal gibt es jedoch eine unschöne Überraschung. Der halbe Orchestergraben ist überbaut, wodurch die Bühne auf der rechten Seite rund 20 Zentimeter höher liegt. Hinzu kommen die Lautsprecherboxen, die dort stehen. Ich kann die Darsteller erst ab den Knien aufwärts sehen. Personen, die auf dem Boden sitzen oder liegen, bleiben hinter den Boxen verborgen.
Zwischen meiner Schwester und ihrer Sitznachbarin gibt es eine Lücke, durch die sie hindurchschauen kann. Diese Möglichkeit habe ich leider nicht.
So frage ich mich, wen Orin mit seiner Aufforderung „Komm her!“ meint. Er beugt leicht die Knie und legt die Hände darauf. Ich vermute, dass er einen Hund ruft. Erst als er sich bückt und etwas hochhebt, erkenne ich, dass es ein Motorrad ist.
Meine Schwester erzählt mir später, dass es sogar geleuchtet hat und über die Bühne gefahren ist. Davon habe ich überhaupt nichts gesehen.

In der Pause sprechen wir das Theaterpersonal an. Es sind noch viele Plätze frei, und wir fragen, ob wir uns umsetzen dürfen. Die Mitarbeiterin hat damit kein Problem und meint selbst, dass die erste Reihe bei diesem Stück unglücklich ist.
Natürlich warten wir, bis die anderen Zuschauer wieder auf ihren Plätzen sitzen. Anschließend wechseln wir in die dritte Reihe auf die Plätze 16 und 18. Auch die Sitznachbarin meiner Schwester und ihre Begleitung ziehen um. Sie setzen sich wieder neben uns und erzählen ebenfalls, dass sie kaum etwas gesehen haben.
Vor uns sitzt niemand. Ich habe nun eine sehr gute Sicht und kann endlich auch den Bühnenboden erkennen. Auf der Rückfahrt scherze ich: „Jetzt weiß ich auch endlich, welche Schuhe sie getragen haben!“
Da nur die rechte Hälfte des Orchestergrabens überbaut ist, wird im vorderen Bereich auf dieser Seite besonders viel gespielt.
Deshalb empfehle ich, bei dieser Inszenierung in Mönchengladbach die erste Reihe zu vermeiden. Die Sicht aus der dritten Reihe finde ich dagegen sehr gut. Auch den Klang empfinde ich dort sogar noch ein kleines bisschen besser.

Insgesamt hat mir diese Inszenierung sehr gut gefallen. Ich finde sie ausgesprochen kurzweilig. Das Stück dauert mit Pause ohnehin nur etwas über zwei Stunden, und diese Zeit vergeht für mich wie im Flug.
Gerade an Halloween finde ich das Musical besonders passend.
Das Bühnenbild hat mir sogar noch besser gefallen als das in Mainz. Vor allem die verschiedenen Audrey-II-Versionen beeindrucken mich mit einer solchen Detailliebe, die die Pflanze so lebendig wirken lässt.
Der schwarze Humor funktioniert sehr gut und hat mich oft zum Lachen gebracht. Die Musik mit ihrem 60er-Jahre-Flair gefällt mir, und auch die Kostüme finde ich für diese Zeit authentisch. Der Ton ist auf beiden Plätzen sehr gut verständlich. Bei „Sweeney Todd“ hatte ich damals leider richtig Schwierigkeiten, etwas zu verstehen. Das ist hier überhaupt nicht der Fall.
Schade ist natürlich, dass ich im ersten Akt eine so eingeschränkte Sicht habe. Dafür kann das Musical allerdings nichts.

Ein Musical, das mich mit einer Mischung aus schwarzem Humor, eingängigen Songs und einer beeindruckenden Bühnenpflanze bestens unterhält. Die eingeschränkte Sicht im ersten Akt trübt zwar den Beginn meines Theaterabends, ändert aber nichts an meinem positiven Gesamteindruck.
Eine wirklich positive Überraschung für mich: 183,5 Punkte und damit Platz 8 in meinem persönlichen Jahres-Ranking!

3. Persönliche Highlights

Highlight des Tages: Audrey II im letzten Stadium
Bestes Solo: „Im Grünen irgendwo"
Bestes Duett: „Jetzt hast du Seymour"
Ohrwurm des Tages: „Little Shop of Horrors
Lustigster Moment: Das Ende der langen Tour

4. Besetzung der besuchten Vorstellung

Schiggy saß im Publikum – aber wer stand eigentlich auf der Bühne?

Darsteller:
Seymour: Julian Culemann
Audrey: Liv Wagener
Mr. Mushnik: Michael Ophelders
Orin/Obdachloser/Fliegender Händler/Interviewer/Patrick Martin: Cornelius Gebert
Crystal – Spiel und Dialog: Gabriella Kuhn
Crystal – Gesang: Elena Otten
Ronnette: Esther Keil
Chiffon: Jannike Liebwerth
Die Pflanze (Stimme)/Obdachloser/Kunde/Bernstein/Mrs. Luce/Agent: Adrian Linke
Die Pflanze (Figurenspieler)/Obdachloser: Lukas Schneider

Band:
Klavier: Jochen Kilian
Keyboard: Petra Riesenweber
Gitarre: Markus Segschneider
Bass: Bernd Zinsius
Schlagzeug: Jan Rohlfing

Musikalische Leitung: Jochen Kilian


Schiggy unterwegs... Disney in concert - Die Jubiläumstournee in Köln

 

Schiggy war wieder unterwegs und hat sich die Jubiläumstournee von Disney in Concert angeschaut – das letzte Konzert in dieser Form. Für das kommende Jahr ist nämlich ein neues Konzept angekündigt: Künftig soll es nur noch eine Band statt der bisherigen Kombination aus Band und großem Orchester geben.
Gerade das große Orchester macht für mich aber einen wesentlichen Teil des Reizes aus. Es ist einfach etwas Besonderes, die vertrauten Disney-Lieder in dieser musikalischen Wucht zu erleben.
Deshalb steht für mich bereits fest, dass ich 2027 erst einmal pausieren werde. Ich möchte abwarten, welche Meinungen es zum neuen Format gibt und wie es genau umgesetzt wird. Vielleicht steige ich dann 2028 wieder ein.
Umso mehr wollte ich das diesjährige Konzert genießen. Schließlich war es für mich vorerst die letzte Gelegenheit, Disney in Concert in der gewohnten Form zu erleben. Würde mich die Jubiläumstournee noch einmal richtig begeistern können?


1. Eckdaten zur Vorstellung

 

Titel der Veranstaltung: Disney in Concert - Die Jubiläumstournee
Art der Veranstaltung: Konzert
Ort: LANXESS Arena Köln
Sprache: Deutsch, Englisch
Besuch: 29.10.2026
Beginn: 19:30 Uhr
Dauer: ca. 3 Stunden (inkl. Pause)
Reihe / Platz: Innenraum 102, Reihe 1, Platz 5


2. Mein Eindruck von der Show



Ich hatte meiner Schwester das Ticket bereits letztes Jahr zum Geburtstag geschenkt. Damit hat sie ihr diesjähriges Geschenk (& Julia am 25.10.) tatsächlich früher als das Geschenk zu ihrem Geburtstag 2025 erlebt.
Da wir möglichst weit vorne sitzen wollten, um nicht durch filmende Zuschauer gestört zu werden, blieb mir nur der Kauf von VIP-Tickets. Diese waren mit Plätzen in den ersten drei Reihen verbunden.
Am 29. Oktober machen wir uns auf den Weg nach Köln. Durch den Berufsverkehr brauchen wir deutlich länger als üblich. Zum Glück planen wir immer einen großzügigen Zeitpuffer ein.
Zum VIP-Ticket soll es einen exklusiven Merchandise-Artikel geben, der bereits auf dem Sitzplatz liegen soll. Wir gehen also zu unseren Plätzen. Dort liegt auf jedem Sitz eine kleine blaue Stofftasche.
Darin befinden sich neben dem VIP-Pass ein Notizbuch mit dem Aufdruck „VIP Guest Tour 2026“ und dem Logo der diesjährigen Tour.
Den Pass finde ich unnötig. Letztes Jahr haben wir ihn gebraucht, weil es ein Meet & Greet mit drei Solisten gab. Außerdem war Verpflegung enthalten. Um Zutritt zu erlangen, musste man den Pass vorzeigen. Dieses Jahr gibt es beides nicht. Vereinzelt sehe ich allerdings Zuschauer, die sich den Pass umgehängt haben. Meiner wird in meinem Erlebnisordner landen.
Meine Schwester ist vom „exklusiven Merchandise“ enttäuscht. Sie hätte sich zum Notizbuch wenigstens noch einen Kugelschreiber oder Bleistift gewünscht. Im Vergleich zum Vorjahr findet sie das Gebotene für den Preis doch etwas dürftig.

Ich bin enttäuscht, dass es überhaupt keine Programmhefte gibt – weder als Zusatz zum VIP-Ticket wie im vergangenen Jahr noch als Möglichkeit, eines käuflich zu erwerben. Gerade bei einer Jubiläumstournee hätte ich damit gerechnet.
Immerhin werden zwei verschiedene Becher angeboten. Für jeweils 2 Euro schlagen wir zu.

Im Programmheft stand bisher auch immer die Songliste, die ich für meine Berichte genutzt habe. Dieses Jahr ist das leider nicht möglich. Dafür wird das gesamte Konzert zu einer Überraschung für mich, denn ich weiß vorher nicht, welche Titel mich erwarten.
Auf dem Rückweg notiere ich mir die Songs aus dem Gedächtnis und hoffe, dass ich nichts vergessen habe. Die Reihenfolge stimmt deshalb nicht unbedingt.

Das Orchester betritt unter dem Applaus der Zuschauer die Bühne. Kurz darauf folgt der Dirigent Wilhelm Keitel, den wir bereits bei allen von uns besuchten Disney-in-Concert-Veranstaltungen erlebt haben.

Den Auftakt macht eine Suite aus Peter Pan. Sehr schön! Die habe ich noch nie live gehört. Sie zeigt mir einmal mehr, dass mir auch ein rein instrumentales Disneykonzert richtig gut gefallen würde. Für mich ist das schon einmal ein sehr gelungener Einstieg.
Der Moderator erzählt, dass Disney mehrere Generationen verbindet und sich das auch im Publikum widerspiegelt: Großeltern, Eltern und Kinder. Er fordert zunächst alle unter 90 Jahren auf, zu applaudieren und zu jubeln. Anschließend sind die über 90-Jährigen an der Reihe. Statt der vielleicht zu erwartenden Stille bricht in einem Block Jubel aus. Der Moderator bemerkt den Scherz und meint: „Memo an mich: In Köln werde ich veräppelt.“
Mit „In New Orleans“ aus Küss den Frosch wird es jazzig. Das erinnert mich daran, dass ich den Film schon lange nicht mehr geschaut habe. Die Musik davon höre ich öfter.

„Ich bin bereit“ hören wir von der Gesangsstimme der Realverfilmungs-Vaiana. 
Die Realverfilmung habe ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht gesehen. Ich warte auf die Blu-ray, die übrigens am nächsten Tag in meinem Briefkasten liegt. Das nenne ich passendes Timing! Ich schaue den Film gemeinsam mit meiner Schwester, die an diesem Tag ebenfalls Urlaub hat. Sie meint scherzhaft: „Ich habe das Gefühl, die Stimme gestern schon gehört zu haben.“
Aladdin ist gleich dreimal vertreten: mit „Arabische Nächte“, „Nur'n kleiner Freundschaftsdienst“ und „In deiner Welt“. Besonders das Solo des Dschinnis gefällt mir. Ich mag das Lied auch in der Musical- und Filmversion. Hier hüpft der Sänger im Takt mit und zeigt genau im richtigen Moment auf die gerade aufsteigende Feuerwerksfontäne. Dazu zieht er Grimassen. Sehr lustig! Das Musical habe ich bereits 2019 und 2022 jeweils einmal in Stuttgart gesehen.

Mulan ist, wie ihr sicher wisst, mein Lieblings-Disneyfilm. Schon letztes Jahr hatte ich mich sehr gefreut, als ich im Programmheft las, dass „Sei ein Mann“ auf der Songliste stand. Leider wurde es damals aber nicht aufgeführt. Dafür bekommen wir das Lied in diesem Jahr zu hören! Den Film habe ich ja so oft geschaut, dass ich ihn Wort für Wort mitsprechen kann.

Der Moderator erzählt, dass Arielle bisher bei jeder Tournee vertreten war. Wie soll man das bei einer Jubiläumstournee noch toppen können? Ganz einfach: mit Ute Lemper, der Gesangsstimme von Arielle aus dem Film von 1989!
Bei „Ein Mensch zu sein“ singt sie außerdem den alten Text und nicht die neue Version. Ein Riesenpluspunkt! Der alte Text ist mir einfach viel vertrauter. Dazu trägt sie ein meergrünes Kleid. Zusammen mit ihren roten Haaren passt das wunderbar zu Arielle.
„Unter dem Meer“ – ebenfalls in der Version von 1989. Danke! Der Text gefällt mir deutlich besser als die neue Fassung. Und die Melodie macht einfach gute Laune.
Eben noch Arielle, jetzt die böse Ursula: „Arme Seelen in Not“. Hier zeigt Ute Lemper eine ganz andere Seite. Sie gibt sich divenhaft und verzieht passend dazu das Gesicht. Für uns ist das definitiv eines der Highlights des Abends! Meine Schwester findet ihre Stimme grandios. Die Sängerin schmettert die Töne nur so heraus. Diese Interpretation schlägt für mich sogar „Ein Mensch zu sein“.

Coco ist dieses Jahr ebenfalls dabei. Die Suite finde ich wunderschön. Sie ist traurig, aber gleichzeitig auch hoffnungsvoll. Dazu werden Filmszenen gezeigt: Miguel überquert die Brücke ins Totenreich und trifft dort auf seine verstorbenen Verwandten. Sehr emotional!
Ich mag diese rein instrumentalen Teile auch deshalb, weil ich mich dann ganz auf die Leinwand konzentrieren kann. Bei Gesang achte ich eher auf die Sänger. Hier kann ich mich zurücklehnen, die Musik genießen und gleichzeitig die Szenen aus den Disneyfilmen anschauen.
Danach wird es lustig. „Denk stets an mich“ hören wir in der Version von Ernesto de la Cruz, dem Antagonisten, der sich das Lied angeeignet hat und damit berühmt wurde.
Der Sänger schlüpft richtig in diese Rolle und gibt sich herrlich schmierig. Immer wieder wirft er sich in Pose. Den Gitarristen, der auf einem Hocker sitzt, scheint er als störend zu empfinden. Schließlich möchte er selbst im Mittelpunkt stehen. Er geht sogar zum Dirigenten und macht ihn mit theatralischer Gestik auf den vermeintlichen „Störenfried“ aufmerksam.

Wir erfahren auch, wer der Lieblingscharakter des Moderators ist: Pascal, das Chamäleon aus Rapunzel. Aus diesem Film hören wir „Wann fängt mein Leben an?“. Rapunzel ist seit Jahren im Turm eingesperrt. Jeden Tag erlebt sie mehr oder weniger das Gleiche, und genau diese Tätigkeiten zählt sie in ihrem Lied auf.
Außerdem gibt es das Duett „Endlich sehe ich das Licht“, welches Rapunzel und Flynn Rider gemeinsam singen. Dabei sorgen die eingeschalteten Handylichter im Publikum für eine stimmungsvolle Atmosphäre.

Der Moderator möchte wissen, wer Vaiana 2 gesehen hat. Da hebe ich direkt die Hand.
„Du hast die Wahl“ wird aus diesem Film gesungen. Das finde ich besonders lustig, weil wir das Lied bereits auf dem Hinweg gehört haben. Dabei lassen wir immer einen USB-Stick laufen, auf dem sich verschiedene Songs befinden – vor allem aus Musicals, aber auch viele Disney-Lieder.

Der Glöckner von Notre Dame ist gleich mit zwei wirklich schönen Liedern vertreten.
Die Sängerin, die Arielle 1989 ihre Gesangsstimme geliehen hat, war übrigens auch die Gesangsstimme von Esmeralda. „Gott, deine Kinder“ ist sehr emotional. Esmeralda wird verfolgt, weil sie von vielen Einwohnern von Paris als Plage angesehen wird. In der Kathedrale hat sie zunächst Zuflucht gefunden. Dabei beklagt sie nicht ihr eigenes Schicksal, sondern singt davon, dass es Menschen gibt, denen es noch viel schlechter geht als ihr: „Gib ihnen Mut, diese Welt zu versteh'n!“
Auch „Einmal“ ist sehr schön. Hier freut es mich wieder besonders, dass die alte Textfassung gesungen wird. Quasimodo möchte nur ein einziges Mal nach draußen gehen, unter anderen Menschen sein und dabei so akzeptiert werden, wie er ist. Er gibt seinen Traum nicht auf, bis er „weiß, es war einmal“.
Beide Figuren haben also etwas gemeinsam. Für mich ist das eine stimmige Auswahl, um den Film zu repräsentieren. Und ich freue mich schon sehr auf den Besuch der Tournee des Budapester Operettenhauses in Düsseldorf.

Merida wird mit einem Dating-Profil vorgestellt: eine rothaarige Prinzessin, die lieber mit Pfeil und Bogen durch die schottischen Highlands reitet. Sie ist die erste Disney-Prinzessin ohne Liebesgeschichte. „Touch the Sky“ passt da sehr gut zum Film. Die Melodie erinnert an Schottland und hat etwas Zielstrebiges und zugleich Unbeschwertes an sich. Eine Geigerin darf nach vorne treten und ein Solo spielen.

„Nur kein Wort über Bruno“ aus Encanto ist ein richtiger Ohrwurm, den ich immer wieder hören kann. Ich mag sowieso die Musik aus diesem Film und freue mich, dass zumindest ein Lied davon vorkommt. Es macht direkt gute Laune. Memo an mich: Film demnächst wieder anschauen!

Der Moderator bezeichnet den Soundtrack des nächsten Films als den wohl ikonischsten von Disney. Mit einer Geste möchte er einen Tipp geben. Gespielt entsetzt stellt er fest, dass scheinbar nicht alle wissen, um welchen Film es sich handelt, und klärt auf: Es soll natürlich Rafiki sein, der Baby-Simba hochhält. Außerdem schickt er Grüße nach Hamburg, wo das Musical Der König der Löwen seit inzwischen 25 Jahren ununterbrochen läuft.
Ich bin überrascht, dass dieser Block bereits zum Ende des ersten Akts eingeschoben wird. In den Vorjahren bildete er immer das Finale.
„Ewiger Kreis“, „Seid bereit“, „Can You Feel the Love Tonight“ sowie ein instrumentales Lied, dessen Titel ich leider nicht genau weiß. Es ist der Moment, in dem Simba seinen Vater in den Wolken sieht und schließlich beschließt, zurückzukehren und seinen Anspruch auf den Thron zu erheben. Ich habe recherchiert und dabei unterschiedliche Ergebnisse zum Titel gefunden. Deshalb verzichte ich an dieser Stelle lieber auf eine konkrete Angabe. Das Musical habe ich bereits 2008 und 2022 in Hamburg gesehen.

Mit den Muppets beginnt der zweite Akt rein instrumental. Sehr interessant! Auch diese Suite habe ich bisher noch nicht live gehört.

Der Moderator fragt sich, was der lustigste Disneyfilm ist, und entscheidet, dass es der mit dem besten Bösewicht sein muss. Moment, das kann für mich ja nur Hades sein. Also müsste jetzt Hercules an der Reihe sein. Er zitiert drei Stellen aus dem Film, und sofort wird mir klar: Ja, auch für den Moderator ist Hades der beste Bösewicht!
Ich gebe es zu: Hercules ist nicht mein Lieblings-Disneyfilm. Ich schaue ihn eigentlich nur wegen Hades und seiner Sprüche. Die Musik finde ich allerdings toll. Deshalb freue ich mich sehr, dass „Ich werd's noch beweisen“ gesungen wird. Es ist mein Lieblingslied aus diesem Film. Der Sänger hat im Musical in Hamburg den Hercules gespielt. Mir gefällt seine Version sehr gut. Ein weiteres Highlight!

Von Die Schöne und das Biest wird die Realverfilmung mit zwei Liedern angekündigt. Diese bleiben im englischen Original: „How Does a Moment Last Forever“ und „Evermore“. Ich habe den Film nur auf Deutsch gesehen.
Beim ersten Lied bin ich zunächst eine Sekunde lang verwirrt, weil Bilder aus Rapunzel gezeigt werden. Doch dann wird mir klar: Hier geht es um die vielen verschiedenen Disneyfilme und die Erinnerungen, die wir mit ihnen verbinden.

Bei „Verlassen im Wald“ aus Die Eiskönigin 2 komme ich aus dem Lachen nicht mehr heraus. Schon das Ankommen der Sänger ist lustig: Sie deuten an, dass man sie anrufen soll, und winken ins Publikum. Der Moderator erzählt, dass sie eine neue Boyband gegründet haben: „Snow Direction“.
Dabei gerät er auch in eine kleine Kabbelei mit dem Leadsänger und zieht sich anschließend nach hinten zurück. Er bleibt mit den zwei anderen im Background. Wir bekommen eine Kostprobe davon, was uns bei einer Tour der Band erwarten würde: Typische Boyband-Gesten werden herrlich übertrieben dargestellt und bringen die Zuschauer zum Lachen. Am Schluss gibt es noch Luftküsse und den Hinweis, dass der Tourbus hinten steht.

Ruhiger wird es dagegen beim „Lied der Taubenfrau“ aus Mary Poppins. Ich mag diese Ballade, die ich bei diesem Konzert nicht erwartet hätte. Eine schöne Überraschung! Live habe ich sie vorher noch nicht gehört.

Bei „Fremde wie ich“ aus Tarzan, gesungen vom Darsteller dieser Rolle in Hamburg, wird es dagegen wieder etwas flotter. Es bleibt allerdings das einzige Lied aus diesem Film beziehungsweise Musical, was mich etwas überrascht, da die Jane-Darstellerin aus Stuttgart mit dabei ist. Deshalb hätte ich mit einem Duett der beiden gerechnet. Die Jane-Darstellerin habe ich einmal gesehen. Insgesamt habe ich das Musical sechsmal in Stuttgart besucht.



Die Suite von Fluch der Karibik klingt durch das große Orchester besonders wuchtig. In den Vorjahren gab es dazu Feuerwerksfontänen. Diese bleiben dieses Jahr allerdings aus. Meine Schwester ist von der Suite richtig begeistert.
Für mich ist sie ein weiterer Beweis dafür, warum ich große Orchester so mag: Das ist musikalisch einfach eine andere Hausnummer als beispielsweise nur zehn Musiker. Gerade die Kombination aus Streichern, Blasinstrumenten, Gitarren, Keyboard und Harfe zeigt verschiedene Facetten und deckt ein deutlich breiteres Klangspektrum ab. Ich werde schauen, ob es vielleicht noch andere Disneykonzerte mit einem Symphonieorchester gibt. Ich möchte den vollen Sound und echte Instrumente hören, statt dass diese mit dem Keyboard „vorgetäuscht“ werden.

Es gibt noch eine weitere Überraschung, mit der ich nicht gerechnet habe. Der Moderator erzählt, dass bei Disney in Concert seit der ersten Veranstaltung bisher alles gesungen wurde – bis auf ein Lied. Dafür braucht es die richtige Person, und die ist seiner Meinung nach heute dabei. Ute Lemper gibt die „Cruella de Vil“ aus 101 Dalmatiner!
Das Lied mag ich eigentlich nicht besonders, weil ich mit Jazz und Swing nicht viel anfangen kann. Sie performt es aber so, dass ich das glatt vergesse. Schon ihr wütender Blick und das fiese Lachen wirken unheimlich, und dann dieses „Wuff wuff“! Ich muss so lachen. Völlig unerwartet ist das ein weiteres Highlight.

Von Verwünscht hören wir „So nah“. Das Lied wird beim Kostümball gespielt, auf dem Giselle mit Robert tanzt. Dabei werden auch wieder Szenen aus verschiedenen Disneyfilmen gezeigt.

Am 13. September habe ich Die Eiskönigin in Stuttgart zum sechsten und letzten Mal besucht. Jetzt darf ich die tiefe Stimme der Elsa-Darstellerin erneut erleben. „Lass jetzt los“ hat bisher bei keinem von mir besuchten Disney in Concert gefehlt. Sehr schön gesungen! Auch das kristallfarbene Kleid gefällt mir ausgesprochen gut. Es erinnert an Eis, Schnee und Kälte.
Der Moderator kündigt das Lied als letztes des Abends an. „Es wird auf keinen Fall weitere Lieder geben. Ihr könnt danach gleich nach Hause gehen.“
Gespielt verwirrt fragt er, warum wir immer noch da sind. Dann möchte er wissen, ob wir bereit für eine Zugabe sind.

Einen kleinen Schockmoment gibt es, als der Dirigent auf der Bühne ausrutscht und nach hinten stürzt. Der Moderator eilt sofort zu ihm und hilft ihm auf. Der Dirigent versichert, dass alles in Ordnung ist. Daraufhin fordert der Moderator uns zu einem Extra-Applaus für den Dirigenten auf. Ich hoffe nur, dass es schlimmer aussah, als es war.
Wir dürfen noch einmal die Stimme der Arielle aus dem Film von 1989 erleben, dieses Mal mit der Reprise von „Ein Mensch zu sein“. Der Moderator nimmt die Sängerin an die Hand und begleitet sie zur Bühnenmitte. Vermutlich hat er Angst, dass sie ebenfalls stürzt. Auch beim Verlassen der Bühne achtet er darauf, dass alles gut geht.
Anschließend möchte er wissen, ob wir Lust auf eine weitere Zugabe haben. Natürlich! Dabei gilt: „Wer singen kann, singt. Wer nicht singen kann, singt noch lauter. Wer tanzen kann, tanzt. Wer nicht tanzen kann, tanzt erst recht.“
Wir sollen alle aufstehen. Der Moderator meint daraufhin: „Das war das lauteste Aufstehen. Habt ihr künstliche Hüften?“



Das wirklich letzte Lied des Abends ist „We're All in This Together“ aus High School Musical. Das gesamte Ensemble performt es in Jogginghosen und passenden Trainingsjacken. Der Text des Refrains wird eingeblendet. Ich höre um mich herum allerdings niemanden mitsingen. Ich traue mich selbst auch nicht. Ich wäre perfekt als Feueralarm. Wenn ich singen würde, wäre die Halle spätestens nach zehn Sekunden leer. Das wollen wir ja nicht. Also lasse ich es lieber.
Zum Abschluss wird noch buntes, großes Konfetti abgeschossen. Super! Beim Herausgehen sammle ich mir gleich ein paar Stücke für meinen Erlebnisordner ein.
Das Orchester übertönt die Sänger nicht. Von meinem Platz aus finde ich den Klang sehr gut.
Verglichen mit den Vorjahren gibt es bei dieser Show weniger Spektakel. Effekte werden nur sparsam eingesetzt: einmal die Feuerwerksfontäne und einmal das Konfetti.
Vielleicht ist es genau das, was dafür sorgt, dass dies für mich bisher das beste Disney in Concert ist: weniger Spektakel, mehr Fokus auf die Musik. Auch die Songauswahl ist dieses Jahr besonders gelungen. Sie ist sehr abwechslungsreich und enthält einige Lieder, mit denen ich nicht gerechnet habe. Es gibt Bekanntes und weniger Bekanntes. Ruhige Balladen und schwungvolle Nummern. Genau diese Mischung gefällt mir ausgesprochen gut.
Meine Schwester sieht das ähnlich. Auch ihr hat die Songauswahl sehr gut gefallen. Für sie war es ein tolles Geburtstagsgeschenk. 

Schade, dass dieses Konzept mit dem großen Orchester nicht weiterverfolgt wird! Gerade weil in den Disney-Musicals oft weniger als zehn Musiker im Orchestergraben sitzen, finde ich es schön, diese Lieder mit dieser Wucht und Instrumentenvielfalt zu hören. Ich mag ja sowieso schon die Disney-Lieder, und erst recht mit dem Sound eines großen Orchesters. Das wird mir fehlen. Aber zumindest die Erinnerung an den tollen Abend bleibt.

3. Auf der Bühne


Die Solistinnen in alphabetischer Reihenfolge:
Judith Caspari
Chiara Fuhrmann
Ute Lemper

Die Solisten in alphabetischer Reihenfolge:
Philipp Büttner
Riccardo Greco
Mark Seibert

Moderation: Daniel Boschmann

Dirigent: Wilhelm Keitel

Musik: Hollywood Sound Orchestra sowie Fab & The Sparrows (Band)

Dienstag, 3. November 2026

Aktuell lese ich... Der Sohn des Neptun

 Hallo,





... eine Reihenfortsetzung

Mein aktuelles Lesefutter



📖 Die Balance zwischen Leben und Tod ist aus dem Gleichgewicht gekommen: Egal, welchen Monstern sich die beiden römischen Halbgötter Hazel und Frank stellen und egal, wie oft sie sie erfolgreich töten – die Bestien stehen immer wieder auf, um erneut anzugreifen. Den beiden Freunden bleibt nur noch eines: Sie können die alte Norm nur wieder herstellen, wenn sie in die Eiswüste von Alaska reisen und Thanatos, den Totengott, aus seiner Gefangenschaft befreien. Auf ihrer gefährlichen Reise begleitet sie noch ein dritter Halbgott, der neu im römischen Camp ist und sein Gedächtnis verloren hat. Angeblich ist er ein Sohn des Neptun – auch wenn er ihn bei seinem griechischen Namen, Poseidon, nennt. Er heißt Percy Jackson.

Lesezeichen





🔖 Aktuell bin ich auf Seite 127 von 544. <Von der Beerdigung wusste Frank nicht mehr viel.> (Kapitel X - Frank)


Warum dieses Buch?







❓ Nachdem ich wieder ein Buch gelesen hatte, bei dem ich mit den Charakteren nicht zurechtkam, dachte ich mir, ich muss es mal mit einer Reihenfortsetzung versuchen, bei der mir Teil 1 sehr gut gefallen hat.



Was gibt es sonst noch zu sagen?





💬 Ich kann mich nicht mehr so genau an die Handlung von Teil 1 erinnern und kann nicht alle Charaktere zuordnen, ob sie auch im Vorgängerband vorkamen. Das ändert aber nichts daran, dass mir diese Fortsetzung bis jetzt sehr gut gefällt. Ich möchte wissen, wie es weitergeht. 


Was ist sonst noch passiert?


Die zwei Wochen Urlaub sind ja blitzschnell vorbeigewesen. Ich weiß noch, wie ich mich am 16.10. beim Feierabend gefreut habe: Endlich Urlaub! :-D

Liebe Grüße
Tinette

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