Dienstag, 9. Juni 2026

Aktuell lese ich... 2x Ilias und Caspar und die Träne des Phönix

 Hallo,





... einen Klassiker und einen Reihenauftakt.

Mein aktuelles Lesefutter




Homers Epos Ilias erzählt in 24 Kapiteln (Gesängen) die zehnjährige Eroberungsgeschichte Trojas und beruht auf Mythen und Erzählungen um den Trojanischen Krieg. Die »Ilias« ist das älteste nahezu vollständig erhaltene Zeugnis der europäischen Literatur. Sie entstand im 8. Jahrhundert v. Chr. in Griechenland und schildert in 24 Gesängen die zehnjährige Eroberungsgeschichte Trojas. Die unübertroffene Erzählkunst Homers bescherte dieser Dichtung eine überwältigende Wirkung und macht die »Ilias« zu einem bis heute lebendigen Meisterwerk. »Singe den Zorn, o Göttin, des Peleiaden Achilleus«, lautet der berühmte erste Vers, hier eingebunden in feinem Cabra-Leder mit Goldprägung.


Die »Ilias« erzählt vom über zwanzig Jahre währenden Trojanischen Krieg. Der Kampf der Archäer gegen Troja, die Abenteuer des Achill und der Zorn der olympischen Götter gehören zu den Höhepunkten der Weltliteratur. Wie die »Odyssee« kann auch die gewaltige und schillernde »Ilias« in dieser modernen Prosafassung als das gelesen werden, was sie wirklich ist: ein fesselnder Roman.


Caspar hasst Abenteuer. Am liebsten sitzt er in der Schulbibliothek und liest. Doch als er sich eines Tages vor den beiden Klassenfieslingen in der alten Standuhr versteckt, geschieht das Unglaubliche: Er findet sich in einem hohlen Baum wieder und vor ihm steht ein Mädchen mit Sommersprossen, die wie Sterne aussehen. Sie heißt Wilda Undank und bringt ihn unverzüglich vor die Zauberer von Wolkenstern. Damit nicht genug. Caspar muss die Rätsel der Nieselhexen löse...

Lesefortschritt



Aktuell bin ich auf Seite 242 von 445. <Nestor vernahm das Geschrei, auch sitzend am Trunk nicht achtlos; Schnell zu Asklepios' Sohn die geflügelten Worte begann er: Denke doch, edler Machaon, wohin wende sich die Sache!.> (XIV. Gesang)



Aktuell bin ich auf Seite 120 von 520. <Nun wurde ohne Götter weitergekämpft.> (Sechster Gesang)



Aktuell bin ich auf Seite 227 von 330. <Arlo stieß sich vom Korbrand ab, schlüpfte durch die Gitter vor dem Höhleneingang und flatterte Wilda in die Arme.> (Kapitel 20)

Warum dieses Buch?



Aus der Vorwoche... Ich hatte mir ja eigentlich vorgenommen, auf die Prosaform umzusteigen. Im Geschäft war die nicht vorrätig und wurde bestellt. Deshalb wollte ich dann so lange hier weiterlesen. Nachdem ich dann aber die Hälfte geschafft habe (das Prosabuch kam erst gestern an), habe ich beschlossen, es jetzt durchzuziehen.

Das Buch habe ich gestern Abend erst in der Buchhandlung abgeholt. Nachdem ich jetzt so weit bei der Gedichtsform gekommen bin, hätte ich sie eigentlich doch nicht gebraucht. Aber dann dachte ich mir, dass ich sie jetzt nicht im Regal verstauben lasse, sondern direkt beginne. Der Vergleich zwischen beiden Ausgaben ist vielleicht ganz interessant.



Das 2. Buch aus der Vorwoche. 

Was gibt es sonst noch zu sagen?




Vielleicht sage ich hier mal zum Vergleich den 1. Satz im 6. Gesang in der Gedichtsform, der ja bei der Prosaform schlicht "Nun wurde ohne Götter weitergekämpft", lautet: Einsam war der Troer und Danaer schreckliche Feldschlacht. - Ein noch vergleichsweise kurzer Satz. :-D


Und hier dann noch das Gegenstück zum 14. Gesang in Prosaform: In Nestors Zelt ließen sich's der alte Herr und der verwundete Armeearzt Machaon wohlsein.



Es ist spannend, und Caspar ist ein netter Protagonist. Die Geschichte reißt mich aber nicht zu Euphoriestürmen auf. Gut, aber kein Highlight. Ein nettes Buch für zwischendurch.

Was ist sonst noch passiert?



Beim Test hatte ich ein paar Fehler. Ich wiederhole deshalb gerade wieder die Lektionen 10 bis 12. 











Eine Kollegin hatte sich den Power-Sprachkurs Französisch 1 gekauft und beendet, allerdings die Aufgaben nicht im Buch ausgefüllt. Sie hat mir das Buch dann geschenkt. Ich hatte ja den Power-Sprachkurs für Englisch gemacht. Damit kam ich gut zurecht. Aus Neugier habe ich dann mit diesem Französisch-Buch begonnen. Ein interessanter Vergleich zum Langenscheidt-Kurs, weil hier ganz anders vorgegangen wird. Ich denke, es schadet ja nicht, wenn ich davon 1 bis 2x die Woche eine Lektion mache.

Liebe Grüße
Tinette

Montag, 8. Juni 2026

Schiggy unterwegs... Der Schimmelreiter in Fulda

 

1. Eckdaten zur Vorstellung
Titel der Veranstaltung: Der Schimmelreiter
Art der Veranstaltung: Musical
Ort: Schlosstheater Fulda
Sprache: Deutsch
Besuch: 07.06.2026
Beginn: 14:00 Uhr
Dauer: ca. 2,5 Stunden (inkl. Pause)
Reihe / Platz: Parkett, Reihe 3, Platz 55
Vorlage: Gleichnamige Novelle von Theodor Storm




2. Besetzung der besuchten Vorstellung
Hauke Haien / Reisender: Sascha Kurth
Elke Volkerts: Pamina Lenn
Ole Peters: Dennis Henschel
Vollina Harders: Anja Backus
Schulmeister / Tede Haien: Tobias Korinth
Trin Jans: Kaatje Dierks
Deichgraf / Arzt: Volker Metzger


Ensemble
Schimmel
Kopf: Christopher Dederichs
Herz: Antonello Papagno
Hinten (Hind): Robin Scheel

Magd Ann Grete: Alida Will
Magd Geschke: Emma Sophie Adelmann
Magd Wiebke: Sophie Bauer
Leiterin Else: Jenny Schlensker
Dienstmagd / Lene: Maja Dickmann
Dienstmagd / Mareike: Irene Eggerstorfer
Witwe Wohlers: Raphaela Pekovsek
Iven Johns: Samuel Jonathan Bertz
Jeve Manners / Unbekannter: Nico Schweers
Lütten: Lars Wanders
Carsten: Niklas Schurz
Wirt Friedrich: Steven Seale
Pastor Jansen: André Haedicke
Wiens: Torsten Paul
Junger Hauke: Rosa
Wienke: Tilda




3. Mein Eindruck von der Show
Schiggy war wieder unterwegs und hat sich auf die Spur eines geheimnisvollen weißen Pferdes begeben.
Die Buchvorlage habe ich letztes Jahr gelesen. Meine Rezension dazu findet ihr hier. Die Handlung war mir allerdings nicht mehr besonders präsent. Da wäre ein kurzes Auffrischen vielleicht besser werden. Dass es doch nicht notwendig war, zeigte sich im Laufe der Vorstellung.
Bevor der Vorhang überhaupt hochging, gab es leider ein paar Dämpfer. Im Foyer wollten wir zur Erinnerung ein paar Fotos vor der Fotowand machen. Zu der Zeit waren wir die Einzigen. Doch kaum stand ich bereit, rief ein älterer Mann: „Lass uns doch ein Foto machen“, und drängte sich einfach neben mich. Meine Bitte, kurz zu warten, ignorierte er komplett. Um keine Diskussion anzuzetteln, haben wir schließlich auf Bilder verzichtet.
Im Saal ging das Chaos weiter: Trotz bester Ausschilderung gab es ringsherum die üblichen Platzdiskussionen („Nein, der Rang ist nicht unten. Hier ist das Parkett.“) Auch ich musste das einem Besucher erklären. 
Kaum fing das Stück an, die nächste Störung: Schräg vor mir leuchtete ein Handydisplay auf. Auf die Bitte einer Zuschauerin, das Handy auszuschalten, kam nur ein pampiges: „Ich filme ja nicht. Das ist WhatsApp.“ Dass das helle Licht extrem ablenkt, war der Dame egal. So ergab sich eine Diskussion, bis das Handy endlich weggepackt wurde.
Genau wegen dieser Ablenkung habe ich leider den kompletten Anfang der Show verpasst. Das fing ja gut an! Zum Glück blieb es die einzige Störung, sodass ich den Rest des Nachmittags ungestört genießen konnte.
Die Erinnerungen an die Novelle kamen während der Vorstellung schnell zurück, beispielsweise bei der Szene, in der Hauke Trins Katze erschlägt. Die Handlung hält sich wirklich sehr eng an die literarische Vorlage.
Vier Szenen sind mir dabei besonders in Erinnerung geblieben.
Zum einen Trin Jans' Solo „Die Sündenflut“ im ersten Akt. Es gab einen Moment, in dem ich tatsächlich das Gefühl hatte, die Bühne würde sich immer weiter anheben. Dabei handelte es sich lediglich um eine optische Täuschung. Meine Schwester erzählte später, dass ihr davon sogar leicht schwindelig geworden sei, als würde sie sich auf einem schwankenden Schiff befinden.
Zusammen mit dem düsteren Licht, dem Nebel und den maskierten Geister- bzw. Dämonengestalten im Hintergrund entstand eine wirklich unheimliche Atmosphäre.
Sehr emotional fand ich außerdem Szene 12 „Kindbettfieber“ im zweiten Akt. Elke liegt schwer krank im Wochenbett, und ihre Situation wirkt aussichtslos. Obwohl Hauke nicht an Gott glaubt, fleht er ihn an: „Lass sie leben.“ Er kniet auf dem Boden, faltet die Hände zum Gebet, und in seinen Augen glitzern Tränen. Man spürt förmlich, wie groß seine Liebe zu Elke ist und wie sehr er um ihr Leben bangt.
Auch Szene 15 „Wienke“ prägte sich bei mir ein. Während die Bühne sonst meist in kühlen Blau- und Grautönen gehalten ist, dominieren hier warme Herbstfarben. Hauke und Elke sitzen gemeinsam auf einer Bank, daneben steht ein großer Baum, der seine Blätter verliert. Ihre Tochter Wienke spielt im herabfallenden Laub. Auf den ersten Blick wirkt alles friedlich und harmonisch, doch unter der Oberfläche schwingen Elkes Sorgen um die Zukunft ihrer stillen Tochter mit.
Die Szene, in der Hauke mit dem Schimmel in den Deich stürzt, weckte bei mir starke Erinnerungen an den Beginn von Disneys Tarzan. Hauke, Elke und Wienke werden an Seilen befestigt von der Decke herabgelassen. Besonders Elkes Bewegungen wirkten auf mich nahezu identisch zu denen von Tarzans Eltern beim Schiffbruch. Meine Schwester bemerkte später sogar, dass die Geräusche des Wassers sie ebenfalls daran erinnert hätten.
Ihr gefiel außerdem die Darstellung des Eisboselns sehr gut. Teile des Wettkampfs werden in Zeitlupe gezeigt, was einen interessanten Effekt erzeugt.
Das Musical bleibt durchgehend ernst. Humorvolle Momente gibt es nur wenige. Gerade deshalb fallen die Szenen rund um Elkes Vater besonders auf. Mit seinem norddeutschen Schlag und seiner Vorliebe fürs Essen sorgt er für die meisten Lacher. Als Hauke sich als Kleinknecht bewirbt, interessiert ihn zunächst vor allem, wann die nächste Mahlzeit serviert wird. Haukes Anstellung erfolgt beinahe nebenbei. Besonders komisch wird es, als der Oberdeichgraf auftaucht und beide statt eines echten Gesprächs lediglich mit „Jo, jo, jo“ reagieren. Die beiden verbindet offensichtlich die Liebe zu einem gut gefüllten Magen. Das war die einzige Stelle, an der ich wirklich herzhaft lachen musste.
Auch die Szene, in der Elke den ahnungslosen Hauke mit ihrer Verlobung überrascht, sorgt für einen gelungenen humorvollen Moment. Solche Szenen lockern die Handlung auf, ohne aufgesetzt oder albern zu wirken.
Am Ende wird Hauke wieder zum Reisenden. Meine Schwester erklärte mir später, dass dies bereits zu Beginn der Vorstellung so gewesen sei und die Geschichte daraus hervorging. Da ich den Anfang nicht vollständig mitbekommen hatte, war mir das entgangen. Mir gefällt jedoch, dass sich dadurch der Kreis schließt und die Handlung wieder an ihren Ausgangspunkt zurückkehrt.
Am Ende bleibt dieselbe Frage, die auch der Reisende stellt: Ist alles wirklich so geschehen oder handelt es sich lediglich um eine Legende?
Etwas gestört hat mich allerdings, dass der Reisende beziehungsweise Hauke am Schluss den Sinn der Geschichte recht deutlich erklärt. Meiner Meinung nach sollte jeder Zuschauer die Möglichkeit haben, seine eigene Interpretation zu entwickeln. Dadurch fühlte ich mich ein wenig bevormundet.
Darstellerisch und gesanglich konnten mich alle Beteiligten überzeugen. Auf jede einzelne Rolle einzugehen, würde den ohnehin schon umfangreichen Bericht noch weiter verlängern. Deshalb möchte ich nur einige Figuren hervorheben.
Hauke ist ehrgeizig und verfolgt beharrlich sein Ziel, einen neuen Deich zu errichten, um die Menschen zu schützen. Besonders deutlich wird dies im Lied „Weiter als zuvor“, in dem er von seinen Visionen singt. Dabei verliert er jedoch seine hochschwangere Frau zunehmend aus dem Blick. Selbst als Elke zu ihm kommt, bleibt sein Fokus auf seinen Plänen und Berechnungen. Wie sehr beide unter dieser Situation leiden, zeigt das Duett „Glaubst du noch an mich?“ sehr eindrucksvoll. Die Stimmen harmonieren wunderbar miteinander, und man spürt die Liebe ebenso wie die Belastung, die zwischen ihnen steht.
Ole Peters fungiert als Haukes Gegenspieler. Nicht nur beim Eisboseln, als er Hauke verspottet, nachdem dieser durch die Sonne geblendet wurde und den Ball fallen lässt, zeigt sich sein unangenehmer Charakter. Sein arrogantes Auftreten lässt ihn nicht sympathisch wirken. Auch später stachelt er die Menschen gegen Hauke auf und versucht, dessen Stellung zu untergraben. Besonders in seinem Solo „Deichgraf seines Weibes wegen heraus“ entsteht der Eindruck, dass er selbst gerne an Haukes Stelle stehen würde.
Vollina passt hervorragend zu ihm. Sie ist ebenso berechnend und fördert gezielt den Aberglauben der Dorfbewohner, insbesondere im Lied „Das Teufelspferd“.
Der Oberdeichgraf hatte offenbar an einer Stelle einen kleinen Texthänger, den er souverän abfing. Er stockte kurz und sprach dann weiter, als wäre nichts gewesen.  
Erwähnen möchte ich außerdem Trin Jans. Ihr durchdringender Blick sorgte immer wieder für echtes Unbehagen und machte die Figur besonders eindrucksvoll.
Die Musik kommt vom Band. Das ist in Fulda üblich und stört mich grundsätzlich nicht, auch wenn ich Live-Musik immer bevorzuge.
Leider lief technisch nicht alles perfekt. In der Szene am herbstlichen Baum fiel kurzzeitig Haukes Mikrofon aus.
Auch beim Duett von Ole und Vollina hatte ich den Eindruck, dass etwas mit dem Ton nicht stimmte. Die ansonsten klare und kraftvolle Stimme der Darstellerin klang in „Wir müssen nur geduldig sein“ stellenweise merkwürdig und undeutlich. Dadurch wirkte das Duett für einen Moment unausgewogen. Da das Problem nur kurz auftrat, gehe ich von einem technischen Fehler aus.
Vollkommen überzeugen konnte mich hingegen das Bühnenbild. Während Robin Hood eher spartanisch ausgestattet war, wurde hier deutlich größer aufgefahren. Die Projektionen auf der Videowand sind abwechslungsreich und stimmungsvoll. Meist sieht man das Meer – mal ruhig, mal leicht bewegt. Während des Sturms peitscht die Gischt dramatisch empor. Die Farbgestaltung bewegt sich überwiegend in kühlen Blau- und Grautönen, während Gefahrensituationen in kräftigem Rot dargestellt werden. Die Herbstszene hebt sich mit ihren warmen Farben besonders ab.
Auch das Lichtkonzept ist auf die einzelnen Szenen abgestimmt und ergänzt die Videoprojektionen wirkungsvoll.
Nebel kommt vor allem in den düsteren Szenen zum Einsatz und verstärkt die unheimliche Stimmung zusätzlich.
Besonders interessant fand ich die beiden unterschiedlichen Wände, die von oben herabgelassen werden: eine Konstruktion, die mich an eine Pergola mit Laternen erinnerte, sowie eine Wand mit Uhren, die das Haus der Volkerts darstellt.
Ein kleines Detail, das mir besonders gefiel, war der grüne Kaminofen. Einen Kamin verbinde ich automatisch mit Behaglichkeit und Geborgenheit. Dadurch wirkte das Haus sofort gemütlich, selbst wenn draußen schlechtes Wetter herrschte.
Hinzu kommen zahlreiche weitere Requisiten wie Tische, Bänke, Schreibtische, Laternen, Speisen oder die Katze mit ihrem beweglichen Schwanz.
Auch den Deich kann man durch die angedeuteten Mauern erkennen.
All diese Elemente sorgen dafür, dass die Bühne nie leer wirkt, gleichzeitig aber nie überladen erscheint. Für mich ergibt sich daraus ein sehr stimmiges Gesamtkonzept aus Bühnenbild, Licht und Videowand.
Die Szenenwechsel verliefen schnell und reibungslos und lenkten nie von der folgenden Szene ab.
Auch die Kostüme haben mir gut gefallen. Im Gegensatz zu Robin Hood, wo sie teilweise recht modern wirkten, passen sie hier wirklich zur dargestellten Epoche.
Besonders in Erinnerung geblieben sind mir die Regenmäntel. Sie sind so gestaltet, dass sie aussehen, als wären sie vom Regen durchnässt. Vor allem in Kombination mit den Regeneffekten auf dem Vorhang entstand so ein sehr realistischer Eindruck.
Ob dieser Effekt auch aus nächster Nähe überzeugt, werde ich Ende August erfahren, wenn ich in Reihe A sitzen werde.
Auf einige Lieder bin ich bereits eingegangen. Deshalb hier noch ein paar kurze Anmerkungen zu weiteren Musiknummern.
„Wer nicht deichen will, muss weichen“ ist eine schwungvolle Nummer mit einer Choreografie, die mich stellenweise an irischen Tanz erinnerte. Eine Besucherin war davon offenbar so begeistert, dass sie spontan mitklatschte.
In „Für die Marsch, für die Geest“ geht es um die beiden konkurrierenden Mannschaften beim Eisboseln.
„Deichgraf sein ist eine Bürde“ zeigt humorvoll das angeblich schwere Leben eines Deichgrafen, der allerdings ein gutes Essen der Arbeit vorzieht und diese andere erledigen lässt.
„Sternenmeer“ ist eine schöne Ballade, in der sich die Liebe zwischen Hauke und Elke entwickelt.
„Sturm, komm auf“ ist Haukes kraftvolles Solo über seine Überzeugung, dass die alten Deiche künftigen Stürmen nicht mehr standhalten werden.
Insgesamt sind die Lieder abwechslungsreich und passend zur Handlung. Einen echten Ohrwurm konnte ich allerdings nicht mitnehmen. „Das Teufelspferd“ erinnerte mich stellenweise stark an „Mörder, Mörder“ aus Jekyll & Hyde. Meine Schwester bestätigte diesen Eindruck später. Sie meinte sogar scherzhaft, dem Komponisten scheine dieses Musical besonders gut zu gefallen, da bereits bei Robin Hood das Lied „Das Dinner“ deutliche Erinnerungen an „Fassade“ geweckt habe.
Insgesamt hat mir das Musical gut gefallen. Es handelt sich um eine gelungene Umsetzung der Novelle. Für die Spitzenplätze meines Jahresrankings wird es allerdings nicht reichen, da mich andere Produktionen stärker überrascht haben und Ohrwürmer boten. Dennoch freue ich mich bereits auf meinen zweiten Besuch und bin gespannt, welche Eindrücke ich dann gewinnen werde.
Positiv hervorheben möchte ich außerdem das hochwertige Programmheft für zwölf Euro, das neben Informationen zu Cast und Kreativteam auch zahlreiche Szenenfotos enthält.

ausgestelltes Modell der Bühne im Foyer



4. Persönliche Highlights
Besonders in Erinnerung geblieben:
Trin Jans' Solo „Die Sündenflut“, weil ich tatsächlich das Gefühl hatte, die Bühne würde sich erheben.
Bestes Solo:
„Für wen?“ (Elke) – Eine ruhige, melancholische Nummer mit einem Fünkchen Hoffnung
Bestes Duett:
„Glaubst du noch an mich?“ – Hauke verliert sich in seiner Arbeit, während Elke sich zunehmend vernachlässigt fühlt. Ein emotionales und sehr gelungenes Duett.
Ohrwurm des Tages:
Keiner. Die Lieder gefielen mir insgesamt, aber keines blieb dauerhaft hängen.
Beste Ensemblenummer:
„Für die Marsch, für die Geest“ – Die musikalische Umsetzung des Eisboselns zeigt schwungvoll die Konkurrenz zwischen den Bewohnern der Marsch und der Geest.
Lustigster Moment:
Die Szene mit Deichgrafen und Oberdeichgrafen. Dazu sage ich nur: „Jo, jo, jo.“
Emotionalster Moment:
„Lass sie leben“ – Der ungläubige Hauke betet um das Leben seiner schwer kranken Frau.

 

Freitag, 5. Juni 2026

Tawny spielt: Verräter an Bord



 
Allgemeine Infos
Spieltitel: Verräter an Bord
von: Jean-Xia Chou
Illustration/Design: Laura Bazzoni
Verlag: SAVANA
Vertrieb in Deutschland: Hutter Trade GmbH & Co. KG
EAN: 377017333190
Kategorie: Kartenspiel
Spielart: semi-kooperativ (geheime Teams)
Spielmechanismus: Social Deduction, Bluffen
Thema: abstrakt
Sprachneutral: Pirat
Einstufung: Party
Alter: ab 10 Jahren
Spieler: 3 – 8
Dauer: 20 Minuten
 
Beschreibung:
Verräter an Bord ist ein Partyspiel mit geheimen Identitäten, das Bluffen, Strategie, Allianzen und Verrat vereint. Es ist das perfekte Spiel für Verräter und/oder für Spieleabende mit Freunden oder der Familie!
Das Ziel ist einfach: Die guten Piraten müssen zusammenarbeiten, um eine Truhe mit Gold zu füllen, während die hinterlistigen Meuterer versuchen, ihre Bemühungen zu sabotieren, indem sie der Truhe ihren Wert entziehen – und das alles, ohne erwischt zu werden…
Kannst du die Truhe mit genug Gold füllen und die Meuterer entlarven, ohne dich gegen deine Teamkollegen zu wenden? Diskutiere, plane und setze deine Strategie um, um deinen Weg zum Sieg zu steuern!
 
Ziel des Spiels:
Piraten: alle Spieler des gegnerischen Teams eliminieren oder den geforderten Wert an Münzen sammeln
Meuterer: Anzahl Meuterer = Anzahl Piraten oder nicht genug Münzen in der Schatztruhe, wenn ein Pirat diese zählt
 
Unsere Hausregeln(n):
Ich habe eine Spielmatte mit Beutestapel, Nachziehstapel, Aktionskartenstapel, jeweils einen Stapel für abgeworfene Handkarten und entfernte Beutekarte gebastelt, damit man auf einen Blick erkennt, welche Karte wohin gehört. Am eigentlichen Spielprinzip ändert es nichts. Es lässt sich auch gut ohne Spielmatte spielen. Das haben wir die ersten Partien auch gemacht.

Verpackung und Spielmaterial:
Die Schachtel ist etwas größer als bei typischen Kartenspielen, bleibt aber kompakt und gut transportabel. Ein Einsatz in der Box verhindert, dass die Karten lose herumfliegen.
Die Karten selbst fühlen sich stabil und angenehm an. Die Illustrationen sind gelungen, weder zu kindlich noch zu ernst, und lassen sich gut unterscheiden. Besonders positiv: Auch Spieler, die kein Deutsch sprechen (wir haben es mit englischsprachigen Spielern getestet), konnten dank der klaren Symbole problemlos mitspielen, nachdem die Karteneffekte einmal erklärt waren.
Ein kleiner Kritikpunkt zeigt sich bei intensiver Nutzung: Die Karten nutzen sich relativ schnell an den Kanten ab. Wer das Spiel häufig spielt, sollte daher über Sleeves nachdenken, um die Lebensdauer zu erhöhen.

Anleitung:
Die Anleitung ist übersichtlich und gut strukturiert. Spielvorbereitung, Ablauf, Kartenfunktionen und Spielende werden verständlich erklärt.
Wichtig ist jedoch, die Regeln genau zu lesen: Uns ist beispielsweise entgangen, dass die Anzahl der Planken-Karten je nach Spielerzahl angepasst werden muss. Dadurch haben wir in den ersten Partien zu dritt mit einem falschen Kartenumfang gespielt, was den Spielverlauf spürbar beeinflusst.
 
Spielspaß:
Ich spiele gerne Social-Deduction-Spiele, allerdings sind viele davon erst ab größeren Gruppen wirklich gut spielbar. Verräter an Bord funktioniert dagegen überraschend gut schon ab drei Personen, und hat uns direkt überzeugt, auch wenn wir anfangs ja mit zu vielen Planke-Karten gespielt haben.
Das Spiel lebt stark von Kommunikation, Diskussion und Unsicherheit. Informationen dürfen geteilt, verdreht oder bewusst verschwiegen werden. Genau dadurch entsteht eine permanente Spannung: Wer sagt die Wahrheit, wer blufft?
Auch die Aktionskarten wie beispielsweise das Fernrohr, das Einblick in den Beutestapel erlaubt, sorgen für zusätzliche Dynamik. Da die Karten zuvor gemischt werden, bleibt trotzdem immer ein Unsicherheitsfaktor bestehen.
Besonders spannend ist, dass sich die Rollen ständig ändern. Mal spielt man für die Piraten, mal für die Meuterer. Jede Partie fühlt sich dadurch anders an. Selbst in kleinen Runden funktioniert das überraschend gut, auch wenn die Unsicherheit mit mehr Spielern noch deutlich steigt.
Ab sechs Spielern kommen sogar zwei Meuterer ins Spiel, die sich gegenseitig nicht kennen. Das führt zu interessanten Situationen, in denen man möglichweise unwissentlich gegen seine eigenen Verbündeten arbeitet.
Das Spiel sorgt regelmäßig für überraschende Wendungen, die oft zu Diskussionen führen – etwa, wenn ein verdächtig wirkender Spieler plötzlich doch auf der „guten Seite“ stand. Genau diese Momente tragen stark zum Spielspaß bei.
In unserer Runde ist es inzwischen ein regelmäßiger Kandidat geworden und wird auch von Spielern gerne gespielt, die sonst wenig Interesse an Brettspielen haben.

Wiederspielreiz:
Sehr hoch. Es ist tatsächlich ein Spiel, das ich einen ganzen Spieleabend spielen kann. Nach unzähligen Partien haben sich nur die Karten, nicht das Spielprinzip, abgenutzt. Durch die wechselnden Rollen spielt es sich immer wieder etwas anders. Das kommt immer wieder sehr gerne auf den Tisch.
 
Zu zweit spielbar?
Nein, es ist erst ab 3 Spielern.
 
Fazit:
Ein flottes, witziges Social Deduction-Spiel, das auch in kleiner Runde bestens funktioniert.
 
Bewertung: 

 

 

Tawny spielt: Durchmarsch


 

Allgemeine Infos
Spieltitel: Durchmarsch
von: Reinhard Staupe
Illustration/Design: Oliver Freudenreich
Verlag: KENDi GmbH
EAN: 4067941300008
Kategorie: Würfelspiel
Spielart: kompetitiv
Spielmechanismus: Zocken
Thema: abstrakt
Sprachneutral: Ja
Einstufung: Familie
Alter: ab 8 Jahren
Spieler: 2 – 4
Dauer: 15 Minuten
 
Beschreibung:
Bist du bereit für das ultimative Würfelerlebnis? Stell dir die Frage: Zocken oder aufhören? Risiko eingehen oder auf Nummer sicher gehen? In diesem Würfelspiel liegt die Entscheidung bei dir – und genau das macht es so spannend! Mit 8 Würfeln und einem simplen Spielblock erlebst du den puren Nervenkitzel. Ob du als mutiger Draufgänger alles riskierst oder als Taktiker in kleinen Schritten zum Sieg kommst, bleibt dir überlassen. 8 Versuche hast du, um das Spiel zu gewinnen – doch sei gewarnt: Deine Gegner schlafen nicht und könnten dir den Sieg streitig machen. Für die einen ist es ein simples Vergnügen, für die anderen die ultimative Herausforderung. Welcher Spieler bist du? Finde es heraus – immer und immer wieder! Einfach, schnell und unglaublich spannend. DURCHMARSCH sorgt für endlose Unterhaltung und lässt dich nicht mehr los. Bist du dabei?
 
Ziel des Spiels:
Wer als Erster alle Zahlen einer Reihe ankreuzt, gewinnt das Spiel.
 
Unsere Hausregeln(n):
Wir haben DURCHMARSCH auch schon mit bis zu sechs Spielern gespielt.
Wie im Original scheidet ein Spieler aus, sobald alle vier Reihen durchgestrichen sind. Damit ausgeschiedene Spieler nicht untätig warten müssen, spielen sie bei uns außer Konkurrenz weiter. Sie würfeln und kreuzen weiterhin Felder an (in einer anderen Farbe), können jedoch nicht mehr gewinnen.
Außerdem habe ich die Spielblätter in Excel nachgebaut und um zwei Felder für Fehlwürfe sowie ein Feld für „Reihe nicht geschafft“ ergänzt. Diese werden mit Chips markiert. So lassen sich die Spielblätter immer wieder verwenden. 

Verpackung und Spielmaterial:
Die Schachtel ist handlich und eignet sich gut zum Mitnehmen. Enthalten sind acht Kunststoffwürfel in einem kräftigen Rot-Orange, vier kleine Bleistifte mit Radiergummi, ein Spielblock sowie die Spielanleitung.
Die weißen Augen der Würfel heben sich gut vom farbigen Hintergrund ab und sind problemlos zu erkennen. Die Qualität der Bleistifte ist ordentlich, auch wenn sie nur etwa halb so lang wie gewöhnliche Bleistifte sind.
Positiv fällt auf, dass die Spielblätter beidseitig bedruckt sind. Das spart Papier und erhöht die Nutzungsdauer des Blocks. Da man die Bögen dennoch irgendwann verbraucht, nutze ich inzwischen meine wiederverwendbaren Spielblätter aus den Hausregeln. 

Anleitung:
Die Anleitung ist übersichtlich aufgebaut. Wichtige Regeln sind fett hervorgehoben und mehrere Beispiele veranschaulichen den Spielablauf.
Nach dem ersten Lesen blieben bei uns keine Fragen offen, sodass wir direkt losspielen konnten.
 
Spielspaß:
Das Spielprinzip ist wirklich sehr einfach: Wir würfeln und hoffen, die geforderte Zahl zu erzielen – entweder als Summe zweier Würfel für die Zahlen 7 bis 10 oder als Einzelwürfel für die Zahlen 1 bis 6.
Nach jedem erfolgreichen Wurf steht die entscheidende Frage im Raum: Höre ich auf und sichere meinen Fortschritt oder würfle ich weiter? Wer weitermachen möchte, muss jeweils einen Würfel abgeben, kann allerdings nie unter fünf Würfel fallen.
Gerade dieses Risiko-Element gefällt mir sehr gut. Sichere ich meine bisherigen Erfolge oder versuche ich noch ein Feld mehr zu erreichen? Ein Fehlwurf kann schließlich dazu führen, dass man in der nächsten Reihe wieder von vorne beginnen muss.
Besonders gelungen finde ich, dass die Anleitung ausdrücklich dazu auffordert, Mitspieler zum Weiterwürfeln oder Aufhören zu überreden. Das sorgt regelmäßig für Gelächter und eine ordentliche Portion Schadenfreude, wenn die Ratschläge nach hinten losgehen.
Allerdings eignet sich DURCHMARSCH für mich nicht als Spiel für einen ganzen Abend. Als Einstieg oder Absacker funktioniert es sehr gut, mehrere Partien hintereinander werden jedoch schnell eintönig, da das Spiel kaum Abwechslung bietet.
In unserer Vielspielergruppe kam das Spiel daher eher mäßig an. Dort wurde es als zu simpel empfunden. In lockeren Runden mit Gelegenheitsspielern oder Menschen, die etwas Leichtes suchen, kam es deutlich besser an. Das Spiel ist schnell erklärt, sofort aufgebaut und ohne große Hürden spielbar.
Fraglich bleibt für mich, ob man das Spiel tatsächlich kaufen muss. Mit einem Preis von etwa 14 Euro wirkt das Gebotene vergleichsweise teuer. Das muss letztlich jeder für sich selbst entscheiden. 

Wiederspielreiz:
Der Wiederspielreiz hält sich für mich in Grenzen. Das Spielprinzip ist auf Dauer etwas zu eintönig. Dennoch spiele ich gerne gelegentlich ein oder zwei Partien, etwa als Abschluss eines langen Spieleabends.
 
Zu zweit spielbar?
Ja
 
Fazit:
Ein netter Absacker, aber kein Dauerbrenner auf unserem Spieltisch.
 
Bewertung:
 

Schon gelesen?

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