Schiggy war wieder unterwegs und
versuchte, das Geheimnis um den mysteriösen Grafen von Monte Christo zu lösen.
Nachdem die Buchvorlage zu meinen
Highlights des Jahres 2025 gehörte, war ich gespannt, ob mich auch die
Musical-Adaption von „Der Graf von Monte Christo“ im Parktheater Plauen
überzeugen würde.
1. Eckdaten zur Vorstellung
Titel: Der Graf von Monte Christo
Art: Musical
Ort: Parktheater Plauen
Sprache: Deutsch
Datum: 19. und 21. Juni 2026
Beginn: jeweils 20:00 Uhr
Reihe / Platz: 19. Juni: Reihe 5 Platz 39; 21.
Juni: Reihe 1 Platz 37
Dauer (inkl. Pause): ca. 2 Stunden 45 Minuten
Vorlage: gleichnamiges Buch
Hinweise: Open Air
2. Mein Eindruck von der Show
Bereits anderthalb Stunden vor
Beginn öffnen sich die Pforten des Parktheaters. Neben der Versorgung des
leiblichen Wohls wird durch ein Vorprogramm auf den Abend eingestimmt.
Aufgrund der hohen Temperaturen
sind wir in diesem Jahr allerdings erst später angekommen und direkt zu unseren
Plätzen gegangen. Deshalb habe ich erst bei meinem zweiten Besuch am Sonntag
entdeckt, dass es einen Fotobereich gibt. Dort steht ein Boot vor einer
Kulisse, in das man sich für Erinnerungsfotos setzen kann. Diese Gelegenheit
haben wir natürlich genutzt.
Schon vor Beginn der Vorstellung
zog das Bühnenbild meine Aufmerksamkeit auf sich. In der Mitte der Bühne
befindet sich der Bug eines Schiffes, dahinter erhebt sich ein Berg. Rechts und
links sind Häuserfassaden zu sehen, deren geöffnete Bereiche Einblicke in die
Innenräume ermöglichen. Bereits zu diesem Zeitpunkt war ich neugierig, wie sich
das Bühnenbild im Verlauf des Abends noch verändern würde.
Edmond Dantès und Mercédès stehen
kurz vor ihrer Hochzeit. Bereits an den liebevollen Blicken, die sie sich
zuwerfen, wird deutlich, wie sehr sie einander lieben. Im Duett „Ein Leben
lang“ besingen sie ihre Gefühle und gemeinsamen Zukunftspläne.
Gemeinsam mit Freunden und Familie
feiern sie ausgelassen ihre bevorstehende Hochzeit („Hebt das Glas“), doch die
Freude hält nicht lange an: Edmond wird verhaftet und in das berüchtigte
Château d’If gebracht.
Zu Beginn seiner Gefangenschaft
hält er noch an der Hoffnung fest, bald wieder mit Mercédès vereint zu sein.
Doch die Jahre vergehen, und seine Hoffnung ist ebenso zerrissen wie seine
Gefängniskleidung. Besonders eindrucksvoll wird dies im Lied „Jeden Tag ein
kleiner Tod“ dargestellt. Die lange Zeit in Isolation und Dunkelheit hat
sichtbare Spuren hinterlassen. Sein Haar hängt ungepflegt ins Gesicht, seine
Augen sind vor Angst weit aufgerissen, und jede Lebensfreude scheint aus ihm
gewichen zu sein.
Erst die Begegnung mit dem
Gefangenen Abbé Faria bringt wieder etwas Licht in sein Leben. Faria hat
jahrelang an einem Fluchttunnel gearbeitet, allerdings in die falsche Richtung.
Zwischen den beiden entwickelt sich eine Freundschaft, und Edmond lernt von ihm
Sprachen, Wissenschaften und vieles über die Welt („Unterricht“). Gemeinsam
planen sie die Flucht, doch Faria erlebt deren Umsetzung nicht mehr. Vor seinem
Tod vertraut er Edmond jedoch ein Geheimnis an („Könige“).
Durch einen Trick gelingt Edmond
schließlich die Flucht. Piraten bringen ihn zur Insel Monte Christo, wo er
einen gewaltigen Schatz findet. Von diesem Moment an muss er sich um Geld keine
Sorgen mehr machen. Stattdessen beginnt sein Rachefeldzug gegen jene, die ihn
einst verraten haben („Hölle auf Erden“).
Auch äußerlich vollzieht er eine
beeindruckende Wandlung. Als Graf von Monte Christo erscheint er in eleganter
schwarzer Kleidung, mit gepflegtem Haar und selbstbewusstem Auftreten. Sein
Gang wirkt aufrecht und entschlossen, sein Blick beinahe überheblich. Niemand
scheint den einstigen Seemann in ihm wiederzuerkennen.
Im Vergleich zur Romanvorlage wirkt
Edmond im Musical jedoch deutlich menschlicher. Während ihn im Buch seine
Rachegelüste zeitweise regelrecht beherrschen, bleiben hier seine Zweifel und
seine verletzliche Seite stärker sichtbar.
Auch Mercédès durchläuft im Laufe
der Handlung eine Entwicklung. Zu Beginn begegnet man einer lebensfrohen jungen
Frau, die scheinbar nicht aufhören kann zu strahlen. Als sie jedoch vom
angeblichen Tod Edmonds erfährt, verschwindet diese Lebensfreude schlagartig.
Ihr sonst offen getragenes Haar
trägt sie nun hochgesteckt, was sie deutlich ernster und verschlossener wirken
lässt. Ihr Blick wirkt kalt, ihre Gestik zurückhaltend. Worte braucht es kaum,
um zu erkennen, dass ihre Ehe mit Mondego alles andere als glücklich verläuft.
Besonders gelungen finde ich dabei
eine Kleinigkeit an ihrem Kostüm. Ein enganliegendes,
farblich auf das Kleid abgestimmtes Samtband wirkt in ihrer Situation fast wie ein Halsband mit einer unsichtbaren Leine. Es erscheint wie ein Symbol ihrer Unfreiheit und ihrer emotionalen
Gefangenheit. Als sie sich schließlich von Mondego löst, verschwindet dieses
Band, und ihr Haar fällt zumindest teilweise wieder offen über die Schultern. Es
ist ein wunderbar subtiles Detail des Kostümbilds, das zeigt: Hier legt eine
Frau langsam ihre Fesseln ab und findet den Weg zurück zu sich selbst.
Fernand Mondego, Mercédès’ Cousin,
ist selbst in sie verliebt. Gemeinsam mit Gérard de Villefort und Baron
Danglars trägt er die Verantwortung für Edmonds Verhaftung („Geschichte“).
Auf den ersten Blick wirkt Mondego nicht
unbedingt wie ein Verräter. Er versteht es hervorragend, seine wahren Gefühle
zu verbergen und nach außen die Fassade eines anständigen Mannes
aufrechtzuerhalten. Sobald er sich jedoch unbeobachtet fühlt, zeigt sich sein
wahres Gesicht. Ein gehässiges Grinsen genügt, um deutlich zu machen, welche
Absichten sich hinter seiner Maske verbergen.
Sein Geld verspielt er, seine
unerfüllte Liebe zu Mercédès versucht er durch Affären zu kompensieren. Seine
Einstellung bringt er selbst treffend auf den Punkt: „Wenn du nicht die
kriegst, die du liebst, dann lieb‘ halt die, die du kriegst.“ Auch Alkohol
scheint für ihn ein Mittel zu sein, um mit seinen Problemen umzugehen. Nach
seiner Rückkehr greift er regelmäßig als Erstes zur Flasche.
Mondego wird als kaltblütiger und
hinterlistiger Mensch dargestellt. Seine Lügen sind dabei nur ein Teil seines
Charakters. Besonders deutlich wird dies, als er nach einem Fechtduell zunächst
den Rückzug antritt, nur um kurz darauf hinterrücks anzugreifen.
Für humorvolle Momente in dem
insgesamt eher ernsten Musical sorgen vor allem Abbé Faria und Luisa Vampa.
Bereits Farias Entsetzen darüber, acht Jahre lang in die falsche Richtung
gegraben zu haben, bringt das Publikum zum Lachen.
Noch stärker übernimmt diese Rolle
jedoch Luisa Vampa. Während Vampa in der Romanvorlage als Luigi Vampa ein
männlicher Anführer einer Schmugglerbande ist, wurde die Figur für das Musical
zur Piratenkapitänin Luisa Vampa. Die Änderung funktioniert überraschend gut.
Luisa ist schlagfertig, selbstbewusst und lässt sich von niemandem den Wind aus
den Segeln nehmen („Piraten – Wahrheit oder Wagnis“).
Sowohl gesanglich als auch
schauspielerisch konnten mich alle Darsteller überzeugen. Die Stimmen klangen
klar und sicher, ohne hörbare Unsicherheiten oder Wackler. Auch längere
Schlusstöne wurden sauber gehalten und ausgesungen.
Das Zusammenspiel zwischen Edmond
und Mercédès ist harmonisch. Auch ihre Gesangsstimmen passen sehr gut zusammen.
Das klang in meinen Ohren sehr angenehm.
Im Duett „Niemals allein“ zeigt
sich das besonders. Edmond ist bereits im Gefängnis. Mercédès steht darüber.
Beide hoffen, wieder zueinander zu finden. Sie kniet, hält sich am Geländer
fest. Edmond steht auf, greift nach oben und berührt ihre Hand. Da spürt man
ihre Verbundenheit, auch wenn sie eigentlich räumlich weit entfernt sind (sie
in Marseille, er in einem Verlies auf einer Insel). Später singt Edmond dieses
Lied allein, und schließlich schließt sich mit einer Duett-Reprise am Ende des
Stücks der Kreis.
Ebenfalls gelungen fand ich das
Terzett „Geschichte“ der drei Antagonisten. Die tiefen Stimmen harmonierten
sehr gut miteinander und verdeutlichten gleichzeitig die Beweggründe der
Figuren. Man spürt förmlich, wie sicher sich die drei ihres Erfolges sind.
Ein ähnlicher Effekt gelingt auch
im zweiten Akt mit „Zu viel ist nie genug“. Voller Gier feiern die drei ihren
vermeintlichen Triumph, ohne zu bemerken, dass sie längst auf Edmonds Falle
zusteuern. Dabei wird jeweils der gerade singende Darsteller angestrahlt, was
die einzelnen Strophen wirkungsvoll hervorhebt. Von meinem Platz in der fünften
Reihe fiel dieser Effekt sofort auf. In der ersten Reihe musste ich dagegen
teilweise genauer hinschauen, um den jeweiligen Sänger zu erkennen.
Das Finale des ersten Aktes bildet
„Hölle auf Erden“, in dem Edmond seine Rachepläne offenbart. Voller Abscheu
tritt er seinen Widersachern entgegen und packt sie am Kinn. Sein Auftreten
strotzt vor Selbstvertrauen, denn er ist sich seiner neu gewonnenen Macht
bewusst. Zunächst kniet das Ensemble vor ihm nieder. Im Verlauf des Liedes
bringt er schließlich auch seine größten Feinde dazu, sich symbolisch seinem
Willen zu beugen – allein durch eine Handbewegung.
Dadurch wird eindrucksvoll
sichtbar, wie sehr sich die Machtverhältnisse inzwischen verschoben haben.
Auch zwei Soli aus dem zweiten Akt
sind mir besonders in Erinnerung geblieben. In „All die Zeit“ verarbeitet
Mercédès ihre Verzweiflung darüber, dass ihr durch die Lügen ihres Ehemannes
viele gemeinsame Jahre mit Edmond genommen wurden. Gleichzeitig ringt sie mit
der Tatsache, dass dieser plötzlich wieder vor ihr steht.
„Der Mann, der ich einst war“ zeigt
dagegen einen nachdenklichen Edmond. Er erkennt, wie sehr ihn sein Rachedurst
verändert hat, und beginnt zu hinterfragen, ob er nicht längst zu weit gegangen
ist. Beide Lieder enden mit einem lang gehaltenen Schlusston, der ihre
emotionale Wirkung zusätzlich verstärkt. Die Soli werden mit brandendem Applaus
und Jubelrufen honoriert.

Neben den ernsten Momenten gibt es
jedoch auch einige humorvolle Szenen, die für viel Gelächter im Publikum
sorgen. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir eine Begegnung zwischen Luisa
Vampa und Albert. Nach dem Karneval gibt sich Luisa plötzlich hilflos und
kokettiert mit dem jungen Mann. Sie lässt demonstrativ ihr Taschentuch fallen
und kommentiert dies mit einem übertrieben überraschten „Oh“, wobei sie darauf
zeigt. Albert hebt es bereitwillig auf. Als Luisa sich vorbeugt, damit er es
ihr in den Ausschnitt steckt, nutzt Jacopo den Moment und schlägt ihn von
hinten nieder. Luisas genervter Blick und ihr Augenrollen vermitteln dabei den
Eindruck, als könne sie kaum glauben, wie leichtgläubig Albert ist.
Nicht weniger lustig ist die
anschließende Entführungsszene. Albert erwacht gefesselt und findet sich Edmond
gegenüber, der ebenfalls gefesselt scheint. Nach einem gemeinsamen Duett über
Frauen befreit sich Edmond und liefert sich einen Fechtkampf mit Luisa und
Jacopo. Nachdem er Albert zur Flucht überredet hat, atmen die Beteiligten
erleichtert auf. Doch kurz darauf kehrt Albert zurück, und die Drei müssen
ihren inszenierten Kampf hastig fortsetzen. Als er endgültig verschwindet,
können sie sich endlich ausruhen. Sie sind erschöpft und ringen nach Luft. Diese
Szene wurde vom Publikum mit Szenenapplaus belohnt.
Gelungen fand ich auch die Szene, in der Edmond die Flucht gelingt. Die sechs Balletttänzer schwenken blaue Tücher, die
an Wellen erinnern. Durch seine Bewegungen und das angedeutete Luftanhalten
vermittelt Edmond den Eindruck, sich an die Wasseroberfläche zu kämpfen. An
Bord des Piratenschiffes spuckt er sogar einen Schwall Wasser aus.
Direkt anschließend folgt das Lied
der Piraten, eine schwungvolle Ensemblenummer, die im Ohr bleibt. (Refrain:
„Segeln, segeln, wohin der Wind uns trägt und dein Stündchen schlägt. In der
Liebe und im Krieg kämpft mit allen Mitteln um den Sieg.“) Besonders passend
finde ich, dass die Melodie immer wieder kleine Richtungswechsel vollzieht und
dadurch beinahe den Eindruck vermittelt, selbst vom Wind getragen zu werden.
Am stärksten berührt hat mich
jedoch „Jeden Tag ein kleiner Tod“. Sowohl für Mercédès als auch für Edmond
scheint jede Hoffnung verloren. Mercédès hat gerade erfahren, dass Edmond
angeblich gestorben ist, und zerbricht innerlich daran. Jegliche Lebensfreude
ist aus ihrem Gesicht verschwunden. Gleichzeitig sitzt Edmond einsam in seinem
Verlies. Sein ungepflegtes Äußeres und die vor Angst weit aufgerissenen Augen
machen deutlich, welche Spuren die jahrelange Isolation in Dunkelheit
hinterlassen hat.
Während beide davon singen, dass
sie jeden Tag ein Stück mehr sterben, gibt sich Mondego gegenüber Mercédès
verständnisvoll und mitfühlend. Erst als er die Bühne verlässt, zeigt er sein
wahres Gesicht. Ein kurzer Blick ins Publikum und ein gehässiges, siegessicheres
Grinsen genügen, um deutlich zu machen, dass sein Plan aufgegangen ist.
Technisch verliefen die
Vorstellungen weitgehend problemlos. Vereinzelt kam es jedoch zu Tonausfällen,
oder die Mikrofone wurden etwas zu spät eingeschaltet. Da wir beide Male
relativ weit vorne saßen, konnte ich die Darsteller dennoch problemlos
verstehen. Wie sich diese Aussetzer in den hinteren Reihen ausgewirkt haben,
kann ich allerdings nicht beurteilen.
Für einen ungeplanten Schmunzler
sorgte in der ersten Vorstellung Abbé Farias Bart. Vermutlich hatte die Hitze
dem Hautkleber zugesetzt, sodass sich der Bart immer wieder löste. Der
Darsteller versuchte zunächst mehrfach, ihn unauffällig zu befestigen, gab dies
jedoch irgendwann auf. Beeindruckend fand ich dabei, wie professionell die
Situation überspielt wurde. Weder er selbst noch sein Bühnenpartner ließen sich
davon aus der Ruhe bringen und spielten ihre Szenen routiniert weiter.
Bereits vor Vorstellungsbeginn
hatte das Bühnenbild meine Aufmerksamkeit geweckt. Im Verlauf des Abends zeigte
sich dann, wie vielseitig die Konstruktion tatsächlich genutzt wird.
Der Schiffbug in der Bühnenmitte
bildet dabei das zentrale Element. In zwei Szenen werden zusätzlich Segel
aufgezogen, wodurch tatsächlich der Eindruck eines Segelschiffes in voller
Fahrt entsteht.
Besonders gelungen fand ich die
Verwandlungsfähigkeit des Bühnenbildes. Durch aufklappbare Elemente wird aus
dem Schiffsrumpf das Verlies des Château d’If. Einzelne Steinblöcke können
entfernt werden, später lösen sich sogar Felsstücke, die schließlich zu Abbé
Farias Tod führen. Während dieser in der Romanvorlage an den Folgen mehrerer
Schlaganfälle stirbt, hat man sich im Musical für eine deutlich visuellere
Lösung entschieden.
Später verwandelt sich dieselbe
Konstruktion in die Schatzkammer der Insel Monte Christo. Die riesigen
Münzberge vermitteln eindrucksvoll, welchen Reichtum Edmond dort erwartet.
Für den zweiten Akt werden
zusätzlich Säulen und ein Dach aufgebaut, die mich an einen antiken,
griechischen Tempel erinnerten. Auf ihnen prangen die Initialen „MC“.
Spätestens an diesem Punkt dürfte selbst der letzte Zweifler von Edmonds Macht
und Vermögen überzeugt sein.
Während sich das zentrale
Bühnenelement immer wieder verändert, bleiben die seitlichen Häuserfassaden
weitgehend bestehen. Dort werden unter anderem Szenen aus dem neuen Leben von
Mercédès und ihrer Familie gezeigt. Dadurch entsteht das Gefühl, dass mehrere
Handlungsorte gleichzeitig existieren.
Seine volle Wirkung entfaltet das
Bühnen- und Lichtdesign vor allem nach Einbruch der Dunkelheit. Erst dann
kommen die beleuchteten Fenster und die angestrahlte Schatzhöhle richtig zur
Geltung. Häufig wird die Bühne in warme Gelb- und Goldtöne getaucht. Für mich
wirkte dies wie eine Anspielung auf den gewaltigen Reichtum des Grafen.
Gleichzeitig bildet diese warme Farbgebung einen interessanten Kontrast zu den
düsteren Themen der Handlung und Edmonds Racheplänen.
Einen besonders eindrucksvollen
Effekt gibt es bei der ersten öffentlichen Erscheinung des Grafen von Monte
Christo. Mehrere Feuerfontänen schießen in die Höhe und unterstreichen seinen
spektakulären Auftritt. Deutlicher hätte man kaum zeigen können, dass hier
jemand großen Eindruck hinterlassen möchte.
Die Kostüme wirken größtenteils
authentisch und passend zur dargestellten Epoche. Bis auf wenige Ausnahmen, auf
die ich gleich noch eingehen werde, hatte ich durchgehend das Gefühl, Kleidung
aus der Mitte des 19. Jahrhunderts vor mir zu sehen.
Während viele Figuren eher gedeckte
und unauffällige Farben tragen, sticht Mercédès mit ihren kräftigen roten
Kleidern sofort hervor.
Besonders deutlich wird die
Entwicklung Edmonds durch seine Kostüme sichtbar. Zu Beginn tritt er als
einfacher Seemann mit schlichter Kleidung und Pferdeschwanz auf. Während seiner
Gefangenschaft im Château d’If trägt er eine Sträflingsuniform, sein Haar hängt
offen und ungepflegt ins Gesicht. Als Graf von Monte Christo erscheint er
schließlich in eleganter schwarzer Kleidung mit silberglitzernden Schuhen und
Weste. Dazu kommen kurz geschnittene, gepflegte Haare. Die Verwandlung ist so
überzeugend, dass er tatsächlich wie ein völlig anderer Mensch wirkt.
Eine auffällige Ausnahme bilden die
drei Tänzerinnen und drei Tänzer des Balletts. Mit ihren pastellfarbenen,
barockartigen Kostümen, den weißen Perücken der Männer und den modernen weißen
Turnschuhen fallen sie sofort ins Auge. Auch ihre Choreografien wirken bewusst
zeitlos und deutlich moderner als die eigentliche Handlung. Historisch passen
sie nicht in die dargestellte Epoche, und vermutlich sollen sie das auch gar
nicht.
Da die sechs Figuren ständig
präsent sind, ohne dass die übrigen Charaktere sie wahrzunehmen scheinen, habe
ich sie weniger als reale Personen interpretiert. Für mich wirkten sie wie
Geister des Verrats, der Rache, der Vergangenheit oder der Zukunft, die die
Handlung begleiten und beeinflussen.
Diesen Eindruck verstärken mehrere
Szenen. Als die Tänzer Edmond die Gefängniskleidung vom Leib reißen und sein
Haarband lösen, erinnerten mich ihre weißen Perücken beinahe an Richter, die
ein Urteil vollstrecken. Später drückt eine Tänzerin dem Baron Danglars die
Pistole in die Hand, mit der er sich kurz darauf erschießt. Gérard de Villefort
wird sogar direkt von den Tänzern getötet, als sie ihm symbolisch das Genick
brechen.
Am Ende des Musicals, als Edmond
und Mercédès wieder zueinanderfinden, verlassen die sechs Tänzer langsam die
Bühne. Für mich wirkte dies wie ein Zeichen dafür, dass die Schatten der
Vergangenheit endlich überwunden sind. Die Geister des Verrats und der Rache
haben ihre Macht verloren und können nun verschwinden.
Einige Unterschiede zur
Romanvorlage habe ich bereits erwähnt. Manche Änderungen fallen dabei kaum ins
Gewicht. So wurde beispielsweise aus Luigi Vampa die Piratenkapitänin Luisa
Vampa, und Abbé Faria stirbt nicht an den Folgen mehrerer Schlaganfälle, sondern
nachdem er von herabstürzenden Felsbrocken getroffen wurde.
Im Roman ist Albert der Sohn von
Fernand Mondego. Im Musical wird dagegen angedeutet, dass Edmond Dantès sein
Vater sein könnte. Ausgesprochen wird dies zwar nie, doch Mercédès versucht
Edmond mit den Worten „Er ist ... alles, was mir noch geblieben ist“ davon
abzuhalten, das Duell gegen Albert auszutragen.
Auch das Schicksal Mondegos wurde
verändert. Während er im Roman Selbstmord begeht, stirbt er im Musical durch
Edmonds Hand, nachdem er diesen hinterrücks angegriffen hat.
Die größte Änderung betrifft jedoch
das Ende der Geschichte: Während Edmond und Mercédès im Buch nicht mehr
zueinanderfinden, weil die Ereignisse der Vergangenheit zu schwer wiegen, gönnt
das Musical den beiden ein Happy End.
Da ich die Romanvorlage sehr mag,
war ich zunächst etwas skeptisch gegenüber solchen Änderungen. Während der
Vorstellung haben sie mich jedoch kaum gestört. Viele davon funktionieren
innerhalb der Musicalhandlung nachvollziehbar und sorgen teilweise sogar für
stärkere emotionale Momente.
Die Reihen im Parktheater steigen
an. Ich hatte sowohl in Reihe 1 als auch Reihe 5 eine gute Sicht auf die Bühne,
wobei ich aber den Klang in der fünften Reihe etwas besser fand. In Reihe 1
hörte sich die Musik stellenweise etwas dumpf an.
Leider saßen in beiden
Vorstellungen störende Zuschauer hinter mir, die meinten, das Geschehen auf der
Bühne kommentieren zu müssen.
Wie bereits in den Vorjahren gab es
auch diesmal nach der Aufführung ein Meet & Greet mit den Darstellern.
Dabei bestand die Möglichkeit, kurz mit den Hauptdarstellern zu sprechen,
gemeinsame Fotos zu machen und Autogrammkarten zu erhalten. Auf Wunsch wurden
diese sogar mit einer persönlichen Widmung versehen. Diese Begegnungen bilden
einen schönen Abschluss des Theaterabends.
Da Plauen für uns nicht gerade um
die Ecke liegt, hatten wir ursprünglich geplant, uns das Musical an einem
Wochenende gleich zweimal anzuschauen. In der Hektik des Ticketkaufs ist mir
allerdings ein Fehler unterlaufen: Statt Karten für den 19. und 21. Juni hatte
ich versehentlich Tickets für den 19. und 28. Juni bestellt.
Da ein Umtausch nicht möglich war,
überlegten wir zunächst, die Karten für den 28. Juni wieder zu verkaufen.
Letztlich entschieden wir uns jedoch dagegen, und ich bestellte zusätzlich noch
Tickets für den 21. Juni. Im Nachhinein sind wir über meinen Fehler sogar
ziemlich froh, denn inzwischen haben wir beide große Lust, uns das Musical ein
drittes Mal anzusehen.
Genau das zeigt wohl am besten, wie
gut uns die Inszenierung gefallen hat. Wie schon die Romanvorlage konnte mich
auch das Musical begeistern. Zu keinem Zeitpunkt kam Langeweile auf. Selbst bei
meinem zweiten Besuch ertappte ich mich nicht dabei, auf die Uhr zu schauen. Im
Gegenteil: Die knapp drei Stunden vergingen erstaunlich schnell.
Auch die Änderungen gegenüber der
Buchvorlage haben meinen Gesamteindruck nicht geschmälert. Die meisten
Anpassungen funktionieren innerhalb des Musicals sehr gut und tragen dazu bei,
die Geschichte für die Bühne zu verdichten. Und ganz ehrlich: Nach all dem
Leid, das Edmond und Mercédès durchstehen müssen, habe ich den beiden ihr
spätes Glück von Herzen gegönnt.

3. Schiggys persönliche Highlights
Lieblingsszene: Die beiden großartigen,
humorvollen „gesanglosen“ Szenen rund um Luisas Taschentuch-Falle und die
anschließende Schein-Fechtszene.
Bestes Solo: Unentschieden zwischen Mercédès’
verzweifeltem „All die Zeit“ und Edmonds nachdenklichem „Der Mann, der ich
einst war“.
Bestes Duett: Ganz klar „Niemals allein“.
Ohrwurm des Tages: „Piraten – Wahrheit oder Wagnis“,
dicht gefolgt von „Hölle auf Erden“.
Überraschung des Tages: Als sich das erste Kulissenteil
krachend aus der Gefängniswand löste.
Beste Ensemblenummer: „Piraten – Wahrheit oder Wagnis“
mit seiner schwungvollen und abwechslungsreichen Melodie.
Lustigster Moment: Die Schein-Fechtszene zwischen
Edmond, Luisa und Jacopo.
Emotionalster Moment: Das Paralleldrama in „Jeden Tag
ein kleiner Tod“, in dem sowohl Mercédès als auch Edmond jeden
Hoffnungsschimmer verlieren.
4. Die Besetzung
Schiggy saß im
Publikum. Aber wer stand auf der Bühne?
Edmond
Dantès / Graf von Monte Christo – Jannik Harneit
Mercédès – Christina Maria Gass
Fernand Mondego / Graf von Morcerf – André Gass
Gérard de Villefort – Nikolaus Nitzsche
Baron Danglars – Gabriel Wernick
Abbé Faria – Marian Hadraba
Albert von Morcerf – Tobias Gerisch
Valentine – Natalia Willot
Luisa Vampa – Karen Helbing
Morrel – Andrey Valiguras
Jacopo – Fabian Broermann
Sopran-Solo
– Qiuyaxu Jin / Natalia Willot
Louis Dantès – Taehyeon Kim / Michael Simmen
Kommissar – Michael Kieslich / Jaeho Lee
Mme. Villefort – Beata Panfil / Manja Ilgen
Isabella – Silke Jahn-Popov / Joanna Jaworowska
Sophie – Viktorija Narvidaité / Jacqueline Treydel
Gabriella – Beata Panfil
Ein Witzbold – Alcäus Papanagis
Paare
1–3:
Jacqueline Treydel, Young Chan Cho, Manja Ilgen / Viktorija Narvidaité,
Taehyeon Kim, Beata Panfil / Iwona Semla, Michael Simmen
Piraten
1–5:
Silke Jahn-Popov, Michael Kieslich, Alcäus Papanagis, Norman Sengewald, Michael
Simmen / Dong-Bum Kim, Taehyeon Kim, Jaeho Lee, Michael Simmen, Jacqueline
Treydel
Mann
1 - Norman Sengewald / Young Chan Cho
Mann 2 - Manja Ilgen / Viktorija Narvidaité / Dietmar Wölker
Mann 3 - Dong-Bum Kim
Frau
1 - Silke Jahn-Popov
Frau 2 - Viktorija Narvidaité
Frau 3 - Jacqueline Treydel
Frau 4 - Beata Panfil
Es spielten die Clara-Schumann-Philharmoniker
Plauen-Zwickau unter der musikalischen Leitung von Michael Nündel.