Montag, 26. Juni 2023

Mein Erlebnis-Bericht von... Backstageführung und Show von Tina - Das Tina Turner Musical

© Stage Entertainment


Veranstaltung: Tina - Das Tina Turner Musical
Art der Veranstaltung: Musical
Ort: Stage Apollo Theater Stuttgart
Datum: 25. Juni 2023
Beginn: 14:00 Uhr
Einlass: 13:00 Uhr


Beginnen möchte ich meinen Bericht über die Backstageführung, die ich vor der Show um 11:30 Uhr gemacht habe.






Auf dem Ticket steht zwar, dass man an der Theaterkasse warten soll, aber man muss durch die Tür gehen, um zum eigentlichen Treffpunkt zu kommen. Das wusste ich noch von der Backstageführung bei Aladdin 2019. Weil ich schon mal eine in diesem Apollo Theater mitgemacht habe, wusste ich erst nicht, ob es sich lohnt, nochmal an einer im selben Theater teilzunehmen. Weil wir aber sowieso ab 12 Uhr aus dem Hotelzimmer mussten, die Show aber erst um 14:00 Uhr begann, habe ich mich zur Überbrückung für die Führung entschieden.
Wir waren keine große Gruppe, was ich sehr angenehm fand. Die Backstageführung wurde von der selben Frau, die letzten August auch die Führung bei Tanz der Vampire im Palladium Theater geleitet hat, durchgeführt. 


Wir sind ihr zuerst direkt auf die Bühne gefolgt, wo sie einige interessante Informationen weitergegeben hat. So wurde der Orchestergraben für dieses Musical komplett überbaut, wodurch die Bühne weiter ins Publikum reicht. Die Band spielt nämlich AUF der Bühne, zunächst hinter einem schwarzen Vorhang verborgen. Beim Finale ist dieser Vorhang dann auf.
Der Dirigent ist ebenfalls auf der Bühne, allerdings so seitlich, dass er vom Publikum nicht gesehen wird. Damit sich die Musiker nicht den Hals verrenken müssen, haben sie vor sich kleine Bildschirme, um den Dirigenten frontal zu sehen.
Wir erfahren, dass vor dem Finale nur der Schlagzeuger, der zu sehen ist, wirklich spielt und ein Mitglied des Orchesters ist. Die Musicaldarsteller tun nur so, als würden sie spielen. In Wirklichkeit spielt die Band hinter dem Vorhang.
Auch der Boden wurde komplett erneuert und der orangene Boden von Aladdin ersetzt. Es ist jetzt ein Holzboden in Parkettoptik. Es gibt den sogenannten Donut, ein rundes Bodenelement, das sich im Kreis drehen kann und so z. B. die Großmutter im Schaukelstuhl nach vorne fährt, um sie in bestimmten Szenen in den Vordergrund zu setzen.
Die Projektionswand  (Kosten laut der Frau im sechsstelligen Bereich) wiegt mehrere Tonnen, ist dabei aber überraschend flach. Auf ihr können hochauflösende Bilder projiziert werden, um ein stimmungsvolles Gesamtbild der Szenen zu erzeugen.
Im vorderen Bereich der Bühne ist eine Reihe Löcher im Boden, aus der bei Bedarf Rauchschwaden hervorkommen. Weitere Löcher, die in mehreren Rechtecken angeordnet sind, sind für die Lautsprecher, damit die Darsteller die Musik gut hören können. Verschiedene Markierung auf dem Boden dienen außerdem der Orientierung.
Auf der Seitenbühne wird uns erklärt, dass bei der Aufführung alles dunkel ist, damit kein störendes Licht auf die Bühne fällt. Deshalb müssen etwa die Requisiten immer an ihrem festem Platz stehen. Weißes Klebeband, das beim UV-Licht fluoresziert, sorgt für etwas Orientierung.
Wir bekommen auch ein paar Bühnenbilder zu Gesicht.
Die Kleidung auf den Stangen ist größtenteils nur Deko und stammt nicht aus dem Fundus. Nur die Sachen, die die Darsteller dann nehmen, gehören dazu. Der Rest dient einfach nur dazu, dass es authentisch wie eine Umkleide aussieht, in dem es eben eine Auswahl gibt.
Anschließend dürfen wir einen Blick in die Blackbox der Herren werfen, diese allerdings nicht betreten.
Auch die Technik dürfen wir uns nur von außen anschauen. Dafür dürfen wir einmal durch die Perückenabteilung laufen.
Im Gegensatz zu anderen Produktionen sind die Perücken beim Tina-Musical nicht mit Unmengen an Haarnadeln befestigt, weil die Perücken so oft während der Show gewechselt werden.
Die Männer pudern sich nur ab, damit die Haut nicht glänzt. Die Frauen schminken sich selbst. Es ist ein übliches Tages-Makeup. Nur die Tina-Darstellerin wird geschminkt, weil sie bis auf ein paar Minuten zu Beginn der Show permanent auf der Bühne steht. In dieser 20 Minuten Schminksession kann sie dann wenigstens etwas zur Ruhe kommen.
Im 2. Stock dürfen wir Kostüme in die Hand nehmen, wie etwa Tinas Kittelkleid, ein Jackett, eine Hose im 70er-Jahre Stil samt passendem Oberteil, ein Kleid mit Perlen und Pailletten, das deutlich mehr wiegt, als es aussieht, sowie Tanzschuhe. Diese Schuhe haben Absatzschoner aus Kunststoff. Normalerweise dienen sie dazu, die Absätze vor Kratzern zu schützen. Für dieses Stück sind sie aber dafür da, dass die Darstellerinnen damit nicht in den Schienengräben für die Bühnenbilder stecken bleiben und sich möglicherweise noch verletzen. Die Absatzschoner sind breiter als die Gräben.
Zuletzt betreten wir noch den Saal, nehmen kurz Platz und die Frau will uns eigentlich mehr über die Technik erzählen. Allerdings werden die Mikrofone gerade getestet. Also werden wir nach für etwa 10 Minuten nach draußen geschickt. 
Dort erzählt sie uns dann, dass nun jedes Mikrofon einzeln getestet wird. Es wird deshalb so früh getestet, um rechtzeitig auf Störungen reagieren zu können und den Beginn der Show nicht zu verzögern. Neben den Lichtern auf der Bühne hängen noch 4 Discokugeln im Zuschauerbereich.
Die 10 Minuten sind vorbei, doch in den Saal dürfen wir trotzdem nicht mehr, weil es aktuell technische Schwierigkeiten gibt, die natürlich vor der Show noch gelöst werden müssen. Daher werden wir dann verabschiedet.
Ich kann abschließend sagen: Es hat sich gelohnt, an der Bühnenführung teilzunehmen. Es war hochinteressant, einen Blick hinter die Kulissen zu werfen und Einiges an Insiderwissen mitzunehmen.


Es ist 12:40 Uhr. Wir gehen nochmals ans Auto, damit ich die Turnschuhe gegen Ballerinas eintauschen kann. 

Als wir zurückkommen, dauert es nur noch ein paar Minuten, bis das Theater öffnet. Weil wir noch nichts gegessen haben, bestellen wir zweimal Pizza Pesto-Tomate. Sie ist gerade groß genug, um satt zu werden, aber nicht zu groß, um überfüllt zu sein. 5 Euro pro Stück finde ich in Ordnung. Die Pizza außerhalb des Theaters war nicht mal halb so groß und hätte genauso viel gekostet.
Um 13:45 Uhr dürfen wir schließlich in den Saal.



Wir sitzen in der 3. Reihe. So nah habe ich bisher noch nie an der Bühne im Apollo Theater gesessen (bisher immer 9. Reihe), was durch das Überbauen des Orchestergrabens noch verstärkt wird.

Meine Sicht von meinem Platz aus... Der Vorhang ist noch zu...



Die Besetzung...


Tina Turner - Charlotte Looman (alternierende Besetzung)
Charlotte Looman überzeugt mich mit einer sehr authentischen Vorstellung. Ihr Wandel von der misshandelten zur starken, unabhängigen Frau, oder besser gesagt die Rolle der Tina Turner, nehme ich ihr komplett ab. Hinzu kommt eine unglaubliche Stimme, die die schwierigen Songs mühelos meistert und einen großen Stimmumfang zeigt. 
Sie ist permanent auf der Bühne, hat keine richtige Zeit zum Verschnaufen. Sie muss schwungvoll tanzen und kraftvoll singen. Ich habe absoluten Respekt vor dieser Leistung.

Ike Turner - Carlos de Vries (Erstbesetzung)
Carlos de Vries hat als Ike natürlich die unsympathischste Rolle des Musicals. Er spielt sie sehr gut und glaubwürdig.

Zelma Bullock - Kim Sanders (Erstbesetzung)
Tinas Mutter lässt sie ständig spüren, dass sie eigentlich nur ein Kind wollte. Kim Sanders bringt diese harte Seite überzeugend rüber.

Alline Bullock/Ikette - Jahlisa Norton (Erstbesetzung)
Jahlisa Norton spielt Tinas Schwester mit Schwung und guter Laune und weiß auch als Ikette zu überzeugen. 

Raymond Hill - Prince Orji (Erstbesetzung)
Es ist nur eine kleine Rolle. Ansonsten spielt Prince Orji im Ensemble, z. B. als Background-Tänzer und Sänger bei Tinas Auftritten. Vor allem das Duett mit Charlotte Looman ist mir in seiner Rolle als Raymond in Erinnerung geblieben. Er hat eine schöne Stimme. 

Rhonda Graam - Martina Lechner (Erstbesetzung)
Tinas Managerin ist ebenfalls eine kleine Rolle. Martina Lechner spielt diese authentisch. Die freundschaftlichen Szenen zwischen Rhonda und Tina sind schön. Stimmlich kann sie mich mit dem Song Mit offenen Armen überzeugen.

Erwin Bach - Florian Sigmund (Erstbesetzung)
Florian Sigmund spielt Tinas (späteren) Ehemann sehr sympathisch. Mit seinem rheinischen Dialekt wirkt er sehr authentisch. 

Gran Geogeoanna - Anastasia Bain (Erstbesetzung)
Toll fand ich Anastasia Bain in der Rolle von Tinas Großmutter. Sie ist so liebevoll zu ihrer Enkelin. Es war schön, sie immer mal wieder auf der Bühne zu sehen. Auch gesanglich finde ich sie überzeugend.

Phil Spector - Dani Spampinato (Erstbesetzung)
John Carpenter - Nico Baumgartner (Erstbesetzung)
Richard Bullock - Perci Moeketsi (Zweitbesetzung)
Roger Davies - Stuart Pattenden (Cover)
Auch diese kleinen Rollen werden überzeugend dargestellt.

Anna Mae als Kind - Sophie D.
Sophie trifft als junge Tina vielleicht nicht alle Töne, aber sie spielt so süß und ist mit einer solchen Freude dabei, dass es einfach Spaß macht, sie auf der Bühne zu sehen.

Alline als Kind- Liya
Die junge Alline ist eine Minirolle, die nur kurz am Anfang auftritt. Erwähnen möchte ich sie trotzdem.

Auch das restliche Ensemble zeigt tänzerisch und gesanglich großes Potential. Besonders herausgestochen sind hierbei die Rollen von Graham und Terry, die humorvoll angelegt sind und für so einige Lacher sorgen.

Zur Show...

Die Show beginnt. Tina meditiert vor ihrem großen Auftritt. Sie sitzt mit dem Rücken zum Publikum auf der Bühne. Kurz darauf reisen wir in ihre Kindheit zurück, als sie noch als Anna Mae bekannt war.
Wir erfahren, dass Anna Maes Mutter eigentlich nur ein Kind wollte. Von ihrem Mann wird sie geschlagen. Irgendwann geht sie, nimmt allerdings nur Alline mit. Anna Mae kommt zu ihrer Großmutter.
Sie lernt Ike kennen, der sie als Sängerin in seiner Band engagiert. Er gibt ihr den Künstlernamen Tina Turner.
Der 1. Akt zeigt einige heftige Szenen. Die Kinder werden geschlagen, auch mal mit einem Gürtel. Ike schlägt Tina öfter ins Gesicht. Besonders heftig ist die Szene, in der er sie verprügelt. Auch wenn zu sehen ist, dass die Schläge und Tritte natürlich daneben gehen, so schockiert es trotzdem. Nach ihrer Flucht liegt sie erst am Boden, steht irgendwann auf, und wir erkennen, dass ihr Blut aus der Nase geflossen ist. Ein weiterer Moment, der mich schlucken lässt.
In einer Szene unternimmt Tina dann auch einen Suizid-Versuch. Es ist kein Musical für Kinder.
Doch bei all dieser Heftigkeit weiß ich schon früh, dass ich dieses Musical noch einmal sehen möchte und buche in der Pause einen weiteren Besuch im September, da ich dann sowieso wegen Tanz der Vampire wieder in Stuttgart bin.
Der 2. Akt zeigt Tinas Leben nach ihrer Trennung von Ike. Wegen Regressansprüchen für die abgesagten Auftritte der Ike & Tina Turner Revue ist sie bankrott. Hinzu kommt, dass der Erfolg als Solokünstlerin ausbleibt, was die Schuldentilgung nicht gerade einfach macht. Doch sie gibt nicht auf und kämpft für ihren Traum, Sängerin zu werden.
Am Ende des Stückes hat sie es geschafft. Sie steht kurz vor ihrem größten Auftritt in Rio de Janeiro vor über 180.000 Zuschauern. Sie beginnt zu meditieren, wodurch wir wieder am Anfang des Musicals Stück sind. Eine schöne Verbindung.
Das Finale hält dann niemanden mehr auf den Sitzen, kaum, dass die ersten Takte von Simply the best angestimmt sind. Das Publikum jubelt, klatscht und feiert begeistert mit. Es ist, als wären wir beim richtigen Konzert live dabei.
Danach wird lautstark eine Zugabe gefordert, die es dann auch gibt.
Wow, ich muss sagen: So begeistert hat mich noch nie ein Musical. Es war emotional. Es gab auch lustige Szenen, ohne, dass der Humor schmierig wurde. Im Gegenteil, die lockeren Szenen taten gut, um sich von den heftigen zu erholen, die wirklich mitgenommen haben. Wir haben mitgelitten. Wir haben mitgefiebert. Wir haben mitgefeiert. Es war einfach nur grandios.
Die Songs sind sehr gut eingebaut. Lieder, die zur Handlung passen, wurden auf Deutsch umgeschrieben, um dem Verständnis beizutragen. Die anderen Songs auf Englisch gehörten dann zu den Auftritten oder Proben. Diese Mischung hat mir sehr gut gefallen. 
Das Bühnenbild hat mich positiv überrascht. Ich hatte im Vorfeld gehört, dass es praktisch kein Bühnenbild gibt. Das kann ich nun wirklich nicht bestätigen.
Neben der Projektionswand gibt es einiges an Bühnenteilen, die die verschiedenen Orte darstellen. So entstehen durch Türen, Fenster und Möbel (Stühle, Tische, Sessel, Bett...) die Wohnungen. Ein Krankenzimmer wird samt Wand dargestellt. Daneben gibt es ein Krankenbett. Auch das Tonstudio und die Umkleide werden dargestellt.
Die Kostüme entsprechen mit ihrem Stil der jeweiligen Zeit, in dem die Szenen spielen, und tragen zum stimmungsvollen Gesamtbild bei. Sie decken den Zeitraum der 1950er bis 1990er ab.
Mein Fazit: Absolut empfehlenswert!!!

Für etwa 20 Euro konnte man in der Private Dancer Lounge so viel trinken, wie man wollte. Das Angebot haben wir nicht genutzt. Ich trinke immer nur höchstens ein Wasser vor Veranstaltungen. Das hätte sich bei mir also wirklich nicht gelohnt.





Statt Aladdins Wunderlampe steht nun ein Mikrofon samt Minibühne für Fotos zur Verfügung. 

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