Mittwoch, 30. September 2026

Tibi liest: Never leave the Path

   Allgemeine Infos:



Originaltitel: Never leave the Path
Originalsprache: Deutsch
Geschrieben von: Antonia Michaelis
Übersetzt von: ///
Verlag: Oetinger
Einzelband/Teil einer Reihe: Einzelband
Reihe: ///
Teil: ///
Genre: Jugendbuch
Erscheinungsjahr: 2026
Seiten: 380
Preis: 18,00 € (Taschenbuch)
ISBN:  978-3-7512-0703-4







Klappentext:
Natürlich gibt es den Hexer vom Berg nicht, da ist sich der 17-jährige Jesper sicher. Doch wer streift dann nachts um die abgelegene Hütte, in der er und seine Mutter Abstand vom Großstadtleben suchen? Was hat es mit den beklemmenden Bildern auf sich, die Jesper zusammen mit vergilbten Zeitungsartikeln über einen Mord in den Schubladen findet? Und wer ist das seltsame Mädchen, das im Wald lebt und über Regen und Wind zu gebieten scheint? Wohin geht sie, wenn sie verschwindet, und weshalb kann Jesper nicht aufhören, an sie zu denken? Als ein plötzlicher Wintereinbruch es unmöglich macht, den Berg zu verlassen, und Jespers Mutter krank wird, weiß er nicht mehr, wem er trauen kann ... Doch diese Frage entscheidet über Leben und Tod.

Meine Schnüffelstatistik:

Zugangsart: Neu gekauft
Zugangsjahr: 2026
Status: Gelesen
Lesesprache: Deutsch
Format: Taschenbuch
Begonnen: 13.08.2026
Beendet: 28.08.2026
Gebraucht: 16 Tage

Lob und Tadel 

~*~Erwartung~*~

Antonia Michaelis schreibt poetisch, und ich weiß bei ihren Geschichten oft nie, was nun Realität und was Fantasie ist. Das erwarte ich auch bei diesem Buch.

~*~Gestaltung~*~

Das Cover ist sehr dunkel gehalten. Man sieht verschiedene Blätter sowie ein Geweih, die ein grün-blaues Auge umrunden. Im Hintergrund sind Schattenbilder von Tannen zu erkennen. Von einem Blatt läuft Blut.
Das Buch ist in zwei Teile mit Prolog und 15 Kapitel aufgeteilt. Die Schriftgröße finde ich angenehm. Sie lässt sich gut lesen.

~*~Charaktere~*~

Jesper: Er ist 17 Jahre alt und soll bald sein Abitur machen. Er wirkt sehr melancholisch und macht sich viele Gedanken über das Leben – gerade zu Beginn der Handlung philosophiert er oft über Einsamkeit. Als seine Mutter zur Erholung in die Berge fahren will, besteht er darauf, sie zu begleiten, obwohl er sich eigentlich auf die Schule konzentrieren müsste.
Lisa: Sie ist Jespers Mutter und wird als Schönheit beschrieben. Sie lebt vor allem für ihre Arbeit, was stark auf ihren Gesundheitszustand und ihr Gemüt schlägt – man hat das Gefühl, sie steht kurz vor einem Burnout. Zu ihrem Sohn hat sie jedoch ein sehr gutes Verhältnis, was mir beim Lesen gut gefallen hat.
Erle: Bei ihr war ich mir zu Beginn absolut nicht sicher, ob sie überhaupt existiert oder nur Jespers Fantasie entspricht. Sie taucht wie aus dem Nichts auf, verschwindet plötzlich wieder und hinterlässt keine Fußspuren. Außerdem scheint sie kein richtiges Zuhause zu haben.
Kai: Ihm gehört die Holzhütte in den Bergen. Er schäkert mit Lisa und gibt sich stets sympathisch. Dennoch habe ich ihm von Anfang an nicht getraut, ohne genau sagen zu können, warum. Er wirkte auf mich einfach nicht wie ein durchweg ehrlicher Mensch.
Joon: Er ist Erles Vater und lebt mit ihr im Wald. Er verhält sich oft merkwürdig, doch im Nachhinein scheint es meist vernünftige Erklärungen dafür zu geben. Dennoch ist er kein Mensch, den man leicht durchschauen kann.
Ich fand alle Charaktere sehr interessant. Sie sind vielschichtig, haben ihre ganz eigenen Eigenarten und bringen eine geheimnisvolle Note in die Geschichte ein.

~*~Handlungsort und -zeit~*~

Es gibt keine expliziten Angaben darüber, wann und wo genau die Handlung spielt. Da jedoch Smartphones vorkommen, lässt sich die Geschichte gut in der heutigen Zeit verorten. Aufgrund der erwähnten Bergkulisse und der Sprache vermute ich, dass das Geschehen im ländlichen bzw. alpinen Raum Deutschlands angesiedelt ist. Diese fehlende konkrete Verortung unterstreicht die abgelegene, fast schon isolierte Atmosphäre der Berghütte nur noch mehr.

~*~Idee und Umsetzung, Einstieg, Handlung~*~


Der Klappentext hat mich direkt neugierig gemacht, denn die Idee rund um den Aberglauben und den mysteriösen Hexer vom Berg klang sehr spannend. Schon der blutige Prolog hat mich kurz schlucken lassen. Gleichzeitig wollte ich aber unbedingt wissen, was es mit diesem rätselhaften Mädchen auf sich hat.
Bereits sehr früh spielt die Autorin geschickt mit der Verflechtung von Realität und Fantasie. Jesper glaubt zum Beispiel, das Profil eines Mädchens auf einem Blatt zu erkennen, doch im nächsten Moment ist es verschwunden und das Blatt sieht wieder ganz gewöhnlich aus. Dieses Motiv zieht sich durch die gesamte Handlung. Irgendwann wusste ich selbst nicht mehr: Passiert das jetzt wirklich oder bildet Jesper sich das nur ein?
Die Ungewissheit hat mich enorm angetrieben, ich wollte unbedingt die Wahrheit herausfinden. Die Mechanik hinter dem Aberglauben der Dorfbewohner – wie Menschen Theorien aufstellen, um Unerklärliches greifbar zu machen – hat mich stark an Storms Schimmelreiter erinnert.
Bei der Auflösung habe ich zwar eigene Vermutungen angestellt, war mir durch die gestreuten Spuren der Autorin aber bis zum Schluss nie ganz sicher. Auch das Ende hat mir sehr gut gefallen, da es Raum für eigene Spekulationen lässt.

 

~*~Schreibstil und Stilmittel~*~

Das Buch ist im Präteritum aus der Sicht eines personalen Erzählers geschrieben. Hauptsächlich begleiten wir Jesper und erhalten tiefen Einblick in seine Gedankenwelt, was ihn als Charakter sehr nahbar und greifbar macht. Phasenweise folgen wir aber auch Erle und erleben das Geschehen aus ihren Augen.
Der Schreibstil wirkt vordergründig einfach. Oft nutzt die Autorin kurze Sätze oder setzt sogar prägnante Einzelwörter ein. Doch genau das verleiht dem Text eine große Eindringlichkeit. Wie von Antonia Michaelis gewohnt, ist die Sprache zugleich sehr poetisch und bildhaft. Durch die anschaulichen Beschreibungen entstanden die Szenen sofort vor meinem inneren Auge. So sah ich auch das, was Jesper sah – ob es nun real war oder nicht.

~*~Zitate, die im Kopf geblieben sind~*~

///

~*~Abschlussgedanken~*~

Mein erster Gedanke, nachdem ich das Buch beendet habe: Die Rezension wird schwierig...

Fazit: Eine poetische, fantasievolle Geschichte um Aberglauben und was dieser anrichten kann.

Bewertung: 



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