Schiggy war wieder unterwegs … und das nur wegen eines Instagram-Videos, das nicht einmal eine Minute lang war.
Bei unserem Besuch von Robin Hood in Fulda am 2. August 2025 waren wir etwas zu früh dran. Meine Schwester zeigte mir spontan ein Video, das kurz zuvor in ihrem Instagram-Feed aufgetaucht war. Zu sehen war die Brass Band Hessen bei ihrem Auftritt in der Wasserburg Bad Vilbel. Trotz eines heftigen Unwetters spielten die Musiker unbeirrt weiter. Der Dirigent, inzwischen komplett durchnässt, warf irgendwann sogar sein klatschnasses Jackett auf den Bühnenboden.
Dieser Einsatz hat mich damals so nachhaltig beeindruckt, dass für mich feststand: Beim nächsten Mal muss ich selbst dabei sein!
Und ich habe es nicht nur gesagt – ich habe es tatsächlich wahr gemacht. Und das, obwohl ich damals noch gar nicht wusste, was eine Brass Band eigentlich genau ist …
1. Eckdaten
Titel: Brass Band - Tour 2026
Art: Konzert
Ort: Wasserburg Bad Vilbel
Sprache: -Art: Konzert
Ort: Wasserburg Bad Vilbel
Datum: 02.08.2026
Beginn: 12:00 Uhr
Reihe / Platz: Reihe 10, Platz 15
Dauer (inkl. Pause): ca. 2,5 Stunden
Vorlage: -
Hinweise: Sämtliche aufgeführten Kompositionen wurden an diesem Tag erstmals für eine Brass Band arrangiert und aufgeführt. Es handelte sich also ausschließlich um Weltpremieren.
2. Mein Eindruck
Wir kamen besser durch den Verkehr als gedacht und erreichten die Wasserburg Bad Vilbel deshalb früher als geplant.
Wir setzten uns noch eine Weile auf eine Bank in der Nähe und hörten von dort aus der Band beim Einspielen zu. Das klang bereits sehr vielversprechend und ließ meine Vorfreude weiter steigen.
Eine halbe Stunde vor Konzertbeginn durften wir unsere Plätze einnehmen. Obwohl sie überdacht waren, brannte die Sonne erbarmungslos darauf. Ein älteres Ehepaar stand kurz darauf auf und meinte, sie würden sich lieber in den Schatten setzen. So kamen wir ins Gespräch. Sie erzählten mir, dass sie normalerweise weiter hinten sitzen würden, diesmal aber erst spät Karten gekauft hätten und nur noch Plätze bekommen hätten, weil jemand seine Tickets zurückgegeben hatte. Außerdem empfahlen sie uns das Konzert des Jugendorchesters, das zwei Wochen später ebenfalls in der Wasserburg stattfindet. Leider passt dieser Termin für mich nicht. Für das nächste Jahr habe ich mir den Besuch aber bereits fest vorgenommen.
Besonders schön fand ich, dass sie uns später noch einmal zunickten, als sie auf ihre Plätze zurückkehren konnten. Inzwischen war die Sonne weitergewandert und dort lag nun endlich Schatten. Auch nach der Pause lächelten sie uns wieder freundlich zu. An diese nette Begegnung werde ich mich gerne erinnern.
Leider sorgten nicht alle Besucher für so angenehme Begegnungen. Darauf möchte ich später noch eingehen. Zunächst möchte ich aber das Positive hervorheben: Das Konzert hat mich so begeistert, dass ich im nächsten Jahr unbedingt wiederkommen möchte.
Arsenal von Jan van der Roost ist der traditionelle Eröffnungsmarsch der Band. Für mich als Erstbesucher war das Stück natürlich vollkommen neu. Umso gespannter bin ich, ob ich es im nächsten Jahr wiedererkenne.
Nach diesem Auftakt erzählte der Moderator, der sich später als Simon Dillmann vorstellte, etwas über das erste Konzertstück: Fate of the Gods von Steven Reineke. Als dabei das Wort „Edda“ fiel, musste ich kurz grinsen, weil ich dieses Werk erst vor gar nicht allzu langer Zeit gelesen hatte, um mich näher mit der nordischen Mythologie zu beschäftigen.
Ich fand die kurzen Anmoderationen sehr hilfreich, weil ich mit Brass Bands und sinfonischer Blasmusik überhaupt nicht vertraut bin. Deshalb fand ich auch die Informationen über den musikalischen Hintergrund der Komponisten – etwa, dass Steven Reineke selbst Trompeter ist – besonders interessant.
Schon während dieses ersten Stücks entstanden vor meinem inneren Auge lebendige Bilder. Ich hörte nicht einfach die einzelnen Instrumente – ich hörte Thors Donnerschläge und sah die nordischen Götter förmlich vor mir. Gegen Ende hatte ich sogar das Gefühl, als würde gerade einer dieser Götter sterben. Die Musik klang so dramatisch, dass sie auf mich wie ein letzter, verzweifelter Todeskampf wirkte.
Beim nächsten Stück bin ich mir beim Titel leider nicht ganz sicher. Ich glaube, es war Pirates Revenge von Adrian B. Sims, hundertprozentig sicher bin ich mir allerdings nicht. Ich habe mir die Titel nämlich erst in der Pause beziehungsweise auf dem Nachhauseweg notiert.
Lustig fand ich die Moderation, in der Simon Dillmann versuchte, den Bogen von der Hölle zum Thema Wasser zu schlagen. Schließlich erzählte er einfach, dass die Band am Vortag in der Nähe eines Weihers gewesen sei und dort spontan schwimmen gegangen wäre.
Ob es nun tatsächlich dieses Stück oder doch ein anderes mit „Revenge“ im Titel war – beim Hören hatte ich sofort Piraten vor Augen. Zunächst schien das Schiff noch durch ruhige Gewässer zu fahren, doch schon bald peitschte die Gischt gegen den Rumpf und die See wurde immer stürmischer. Ich sah die Piraten mit erhobenen Säbeln vor mir, bereit, jedes Schiff zu entern, das ihren Weg kreuzte. Die Musik klang für mich nach entschlossenen, furchtlosen Seeräubern, während ihre schwarze Flagge im Wind flatterte.
Das dritte Stück beginnt im Original mit einem Klarinettensolo. Da dieses Instrument in einer Brass Band nicht vertreten ist, hatte Hans-Reiner Schmidt diesen Part für das Euphonium umgeschrieben. Als der Moderator das erwähnte, jubelten einige Besucher. Daraufhin sagte er augenzwinkernd: „Dass es Glück ist, dass niemand bei uns Klarinette spielt, spiegelt nicht unbedingt die Meinung eines Bandmitglieds wider. Was Sie daraus schließen, ist Ihre Sache. Klarinettenspieler sind auch Menschen.“
Interessant fand ich, dass es zwischen klassischem Orchester und Brass Band offenbar eine kleine, humorvolle Rivalität gibt. Als ich einer Bekannten, die Klarinette und Oboe spielt, von meinem geplanten Konzertbesuch erzählt hatte, schnaubte sie ebenfalls nur verächtlich. Mein Standpunkt dazu ist allerdings ganz einfach: Ich bin wie die Schweiz – neutral. Ich höre beides sehr gerne.
Hier konnte ich zum ersten Mal ein Euphonium als Soloinstrument erleben. Vor diesem Konzert kannte ich das Instrument überhaupt nicht. Bei meiner anschließenden Recherche erfuhr ich, dass die Bezeichnung aus dem Griechischen stammt und „wohlklingend“ bedeutet. Einen passenderen Namen könnte ich mir kaum vorstellen, denn genau so habe ich seinen Klang empfunden.
Der nächste Block bestand aus vier zusammenhängenden Teilen und nahm das Publikum mit auf eine musikalische Reise nach Irland. Die Klänge zogen mich so sehr in ihren Bann, dass ich nach dem ersten Teil bereits dachte, das Stück sei zu Ende. Ich klatschte sogar kurz – allerdings nur gemeinsam mit zwei oder drei anderen Besuchern. Niemand sonst? Ach ja, das war ja erst der erste Teil! Ich hatte völlig vergessen, dass noch drei weitere folgen würden. Auch nach den nächsten Abschnitten musste ich mich immer wieder beherrschen, nicht erneut zu applaudieren. Vereinzelt passierte genau das auch anderen Zuhörern. Nach dem Finale drehte sich Hans-Reiner Schmidt grinsend zum Publikum um und zeigte mit vier ausgestreckten Fingern nach oben – eine humorvolle Erinnerung daran, dass das Werk aus vier Teilen bestanden hatte.
Als Zugabe vor der Pause kam schließlich echtes Riverdance-Feeling auf. Dieses Stück kannte ich sofort und verband es unmittelbar mit der berühmten Tanzshow. Nach und nach rückte jede Instrumentengruppe mit einem eigenen musikalischen Part in den Mittelpunkt. Dabei erhoben sich die jeweiligen Musiker von ihren Plätzen, bis schließlich die gesamte Band gemeinsam mit voller Kraft spielte. Da brauchte es keine Stepptanzgruppe mehr, um sich nach Irland versetzt zu fühlen.
Auf das Mitklatschen des Publikums hätte ich zwar gut verzichten können – davon bin ich grundsätzlich kein großer Fan –, aber ich kann verstehen, dass sich viele von der Musik mitreißen ließen. So sorgte das Stück für einen schwungvollen und fröhlichen Abschluss des ersten Konzertteils.
Zu Beginn des zweiten Konzertteils glaubte ich schließlich, endlich ein Instrument zu erkennen: ein Akkordeon, das der Musiker Wassily auf seinem Weg vom linken Eingang zur Bühne spielte. Spoiler: Ich lag daneben. Wie er später erklärte, handelte es sich nicht um ein Akkordeon, sondern um ein Bajan. Ich bin eben kein Experte.
Das Stück erkannte ich sofort wieder, weil wir es bereits draußen während des Einspielens gehört hatten. Schon zu diesem Zeitpunkt hatte mich die Melodie an einen Tango erinnert, dieser Eindruck verstärkte sich nun noch. Das Schaben über das Güiro ließ mich dagegen an quakende Frösche denken. Vor meinem inneren Auge entstand deshalb das Bild von zwei Menschen, die barfuß über eine Wiese Tango tanzen, während sie an einem Teich voller Frösche vorbeiziehen.
Das Stück heißt übrigens Adiós Nonino von Astor Piazzolla, der es nach dem Tod seines Vaters komponierte. Mit diesem Wissen bekam die Musik für mich im Nachhinein noch eine ganz andere emotionale Tiefe.
Zur Einstimmung hatte der Moderator zuvor wieder eine kleine Anekdote erzählt, die für einige Lacher sorgte: Es gebe zwei Länder, in denen der Tango als Nationaltanz gelte – Argentinien und … Finnland. Tatsächlich erfreut sich der Tango dort großer Beliebtheit. Seit 1985 findet in Finnland sogar ein eigenes Tango-Festival statt.
Wer sich über Zugverspätungen ärgert, sollte sich vielleicht Rail Riffs von Brian Balmages anhören. Vielleicht vergisst man bei dieser Melodie seinen Frust für einen Moment.
Mich erinnerte das Stück an eine Fahrt mit einer alten Dampflok. Ich sah förmlich den Rauch in den Himmel aufsteigen, hörte das Zischen des Dampfes und das rhythmische Rattern der Räder über die Schienen. Selbst die Kuppelstangen schienen sich vor meinem inneren Auge zu bewegen. Die Fahrt wirkte angenehm und gleichmäßig – nicht so schnell, dass man in einer Kurve Angst um eine Entgleisung haben müsste, aber auch nicht so langsam, dass man befürchten würde, nie am Ziel anzukommen. Mit dieser Dampflok würde ich jederzeit noch einmal mitfahren.
Der Moderator kündigte anschließend etwas fürs Herz an: eine Komposition, bei der wir uns zurücklehnen und entspannen sollten, denn für das darauffolgende Stück würden wir diese Ruhe dringend brauchen.
Appalachian Morning von Robert Sheldon nimmt uns mit auf einen Spaziergang durch die Wälder und Berge des Cumberland Gap. Vor meinem inneren Auge ritt ich auf einem Pferd durch die weite Landschaft, während die aufgehende Sonne die Umgebung in warmes Licht tauchte und ihre ersten Strahlen sanft die Nase kitzelten. Es war eine wunderbar ruhige Komposition, die eindrucksvoll zeigte, wie vielseitig eine Brass Band sein kann.
Vor meinem Besuch hatte mir jemand gesagt: „Eine Brass Band kann nur eins: laut sein.“ Nach diesem Stück kann ich nur sagen: Nein, eben nicht. Appalachian Morning ist für mich der beste Gegenbeweis.
Simon Dillmann meinte vor dem letzten Block, dass er uns in diesem Jahr wahrscheinlich zum letzten Mal durch ein Konzert begleiten würde. Daraufhin war aus dem Publikum ein bedauerndes „Ohhh“ zu hören. Er nickte lächelnd und sagte, dass er diese Reaktion sehr zu schätzen wisse.
Es folgte Time Machine – Meilensteine der Rockgeschichte, wie der „junge Mann“ Hans-Reiner Schmidt dieses Medley betitelt hatte. Kurz darauf nahm Simon Dillmann das „jung“ jedoch wieder zurück und sprach nur noch vom „Mann“. Der Dirigent deutete daraufhin scherzhaft an, dass ihm das Kreuz wehtue.
Da der Moderator noch weitersprechen wollte, wurde aus der Pommesgabel kurzerhand der Schweigefuchs. „Nur eine Mini-Änderung der Handposition, und schon wird aus Jubeln Ruhe“, kommentierte er augenzwinkernd.
Bevor das Medley begann, wurde das Publikum eingewiesen. Immer wenn der Dirigent eine geballte Faust zeigte, sollten wir laut „Thunder!“ rufen. Wer mit dem englischen „th“ Schwierigkeiten hätte, könne stattdessen einfach „Fanta!“ rufen – das würde in der Menge ohnehin niemand merken. Darüber musste ich innerlich lachen, weil wir in der fünften Klasse ständig „th, th, th, th, th“ üben mussten, um genau diesen Laut richtig auszusprechen. Daran sollte es also nicht scheitern. Allerdings sollte der Ruf möglichst tief und kräftig klingen – und da war ich mit meiner eher hohen Stimme dann doch etwas im Nachteil.
Neben Thunderstruck waren unter anderem auch Wind of Change, Smoke on the Water, Another One Bites the Dust, We Are the Champions, (I Can't Get No) Satisfaction, I Was Made for Lovin’ You und Highway to Hell als Brass-Band-Arrangements zu hören. Welche dieser Nummern letztlich die Zugabe war, weiß ich allerdings gar nicht mehr. Dafür waren die Eindrücke an diesem Nachmittag einfach zu vielfältig.
Etwas schade fand ich, dass nach nahezu jedem Solo applaudiert wurde. Dadurch gingen die unmittelbar anschließenden musikalischen Übergänge teilweise unter. Hinzu kam, dass hinter mir ein Mann und eine Frau immer wieder mitsangen – meinem Empfinden nach allerdings eher schief als schön. Die Frau nannte zudem bei fast jedem Titel den Namen des Liedes und erzählte ihrer Begleitung, dass sie es kenne. Mich hat das leider etwas aus dem Konzert gerissen. Ich wollte mich ganz auf die Musik der Brass Band konzentrieren, und solche Gespräche oder Gesangseinlagen lenkten davon ab.
Und damit komme ich zu der bereits angedeuteten weniger angenehmen Begegnung mit anderen Zuschauern. Diese beiden hatten bereits vor Beginn der Vorstellung sowie in der Pause lautstark erzählt, welche Veranstaltungen sie schon besucht hatten. Sie nannten dabei immer wieder den vierstelligen Preis pro Person und berichteten den Zuschauern um sie herum, welche Instrumente sie spielten und dass sie selbst Sänger seien. Titel aufgezählt – und losgesungen.
Das ließ mich zwar regelmäßig die Augen verdrehen, aber damit hätte ich noch leben können, wenn sie während des Konzerts ruhig geblieben wären. Leider war das nicht der Fall.
Der Mann erklärte dann noch, dass er beispielsweise Tenorhorn spiele, das wie ein Bariton klinge, nur eben tiefer. Ich dachte ja immer, dass ein Tenor höher als ein Bariton wäre. Aber gut – ich habe schließlich auch das Bajan zunächst für ein Akkordeon gehalten.
Das Konzert an sich hat mich wirklich begeistert. Wucht und Dynamik wechselten sich mit leisen, sanften Tönen ab. Insgesamt war es ein äußerst abwechslungsreiches Konzert. Auch meine Schwester fand es großartig und hatte nur die gleichen negativen Punkte, die ja ausschließlich das Publikum betrafen.
Wir wollen nächstes Jahr unbedingt wieder hin. Da die beiden Störenfriede verkündet haben, dass sie immer auf genau diesen Plätzen sitzen, können wir dieses Erlebnis zumindest verhindern, indem wir uns Sitze weit genug entfernt aussuchen. Das nette Pärchen vom Anfang erzählte, dass sie sonst immer bei der Technik hocken. Das wäre doch eine Überlegung wert.
Besonders schön fand ich, dass Hans-Reiner Schmidt jeden einzelnen Musiker umarmte, bevor diese die Bühne wieder über den linken Gang verließen. Ganz nebenbei hatte das noch einen angenehmen Nebeneffekt: Die Zuschauer, die sonst am liebsten schon vor dem letzten Applaus nach draußen stürmen, mussten dieses Mal warten. Ich finde dieses voreilige Verlassen einer Veranstaltung – ganz gleich welcher Art – den Künstlern gegenüber immer etwas unhöflich.
Beim Moderator hakte sich der Dirigent schließlich unter und fasste sich mit der freien Hand ans Kreuz. Mit sichtlichem Augenzwinkern spielte er den alten, klapprigen Herrn und sorgte damit noch einmal für Lacher.
Am Ausgang wartete Hans-Reiner Schmidt anschließend auf die Besucher und verabschiedete sich persönlich von allen, die ihm zum Abschied die Hand geben wollten. Ein sympathischer Abschluss eines rundum gelungenen Konzertnachmittags.
Ich freue mich schon auf das Konzert 2027!

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