Samstag, 31. Oktober 2026

Schiggy unterwegs... & Julia in Stuttgart (Backstageführung und Musicalbesuch)

 

Schiggy war wieder unterwegs, um herauszufinden, ob Julia auch ohne Romeo möglich ist.
Den Besuch von „& Julia“ hatte sich meine Schwester zum Geburtstag gewünscht. Sie kennt das Stück bereits aus Hamburg, hatte dort allerdings wegen einer Diskussion eine Szene verpasst: Ihre Sitznachbarin filmte, woraufhin eine Mitarbeiterin des Theaters sie aufforderte, dies zu unterlassen. Deshalb wollte meine Schwester sich das Musical noch einmal in Ruhe von Reihe 1 aus anschauen.
Ich bin kein Fan von Party-Musicals, bin aber trotzdem mit ihr hingegangen. Ob ich sie später für ihren Geburtstagswunsch verfluchen würde? Vielleicht würde die Backstageführung ja etwas an meiner Meinung ändern …




1. Eckdaten zur Vorstellung

 

Titel der Veranstaltung: & Julia

Art der Veranstaltung: Musical
Ort: Stage Palladium Theater Stuttgart

Sprache: Dialoge auf Deutsch, Songs größtenteils auf Englisch
Besuch: 25.10.2026
Beginn: 14:30 Uhr
Dauer: ca. 2,5 Stunden (inkl. Pause)
Reihe / Platz: Parkett rechts Reihe 1, Platz 2
Vorlage: „Romeo & Julia“ von William Shakespeare

Hinweise: /


2. Mein Eindruck von der Backstageführung
 

Ein paar Tage vor der Show hatte meine Schwester noch die Backstageführung gebucht. Wir hatten solche Führungen bereits bei anderen Musicals mitgemacht und fanden sie immer interessant.
Um 11:30 Uhr werden wir hereingelassen und erhalten unseren Backstagepass.
Der Mitarbeiter, der die Führung leitet, stellt sich als Andi vor. Er möchte geduzt werden und möchte wissen, ob das für uns ebenfalls in Ordnung ist, wenn er „Du“ sagt. Alle sind damit einverstanden.
Da sich das auch flüssiger lesen lässt, werde ich im weiteren Verlauf seinen Namen statt „der Mitarbeiter“ verwenden. Ich glaube, dass er damals auch die Backstageführung bei „Die Eiskönigin“ gemacht hat. Sein Gesicht kommt mir jedenfalls sehr bekannt vor.
Andi fragt nach, wer die Show bereits aus Hamburg kennt. Meine Schwester meldet sich gemeinsam mit einigen anderen Teilnehmern.
 
Er erklärt uns, dass wir weder Bühnenteile noch Techniker anfassen dürfen. Diese Ansage bringt die Gruppe zum Lachen.
Zunächst gehen wir direkt in den Saal. Dort sehe ich zum ersten Mal den neu eingerichteten Lounge-Bereich. Ursprünglich war eine Partyzone mit durchgehendem Getränkeausschank geplant gewesen. Allein bei der Vorstellung hatte es mich schon gegraust. Zwar sitzen wir weit genug davon entfernt, aber ich hatte trotzdem mit Unruhe durch angeheiterte Gäste gerechnet. Zum Glück wurde das Konzept entschärft. Getränke gibt es nur noch vor der Show sowie in der Pause.
Für die Statistiker unter uns nennt er die Anzahl der Plätze in diesem Theater. Es sind ca. 1.600.
 
Andi möchte wissen, wer von uns vorne sitzt, und meint, dort würde die Party abgehen. Oh nein, denke ich nur. Meine Schwester bemerkt meinen Blick und muss grinsen.
Anschließend geht es in den Backstagebereich. Dort bekommen wir die ersten Bühnenteile zu sehen. So gibt es etwa einen Kronleuchter, eine Rikscha, ein Bett und Miniaturen von Gebäuden.
Er erklärt uns, dass das Bühnenbild im Vergleich zur Hamburger Produktion reduziert wurde. Es handelt sich um die Tourproduktion. Als Grund dafür nennt Andi das Musical „Die Weihnachtsbäckerei“, welches demnächst für längere Zeit ebenfalls in diesem Theater gespielt wird. Deshalb ist nicht genügend Platz für die großen Bühnenteile vorhanden.
 
Wir erfahren außerdem, dass Julia mit dem Kronleuchter auf rund zehn Meter Höhe gezogen wird. Dazu wird natürlich niemand gezwungen: Wenn sich eine Darstellerin an einem Tag nicht gut fühlt und es nicht machen möchte, springt eine Ersatz-Julia ein.
Schließlich dürfen wir selbst auf die Bühne und sogar ein Foto in Richtung Zuschauerraum machen.
Lustig finde ich, dass die Bühne vom Saal aus viel größer wirkt. Als wir selbst darauf stehen, kommt sie mir vergleichsweise klein vor.



 
Weiter geht es in Richtung Maske. Dort erfahren wir, dass auf den Nebenbühnen während der Show Schwarzlicht eingesetzt wird. Die weißen Streifen auf dem Boden dienen der Orientierung. Außerdem ist es wichtig, dass alles seinen festen Platz hat. So können die Darsteller die benötigten Dinge schnell finden und stolpern nicht über herumliegende Gegenstände.
 
Bei diesem Stück kommen nur zwanzig Perücken zum Einsatz. Fast alle Darsteller tragen ihre natürlichen Haare. Für die Perücken wird ausschließlich Echthaar verwendet. Ihre Herstellung nimmt rund 40 Arbeitsstunden in Anspruch. Bei Elsas Perücke für „Die Eiskönigin“ sind es sogar etwa 80 Stunden. Dort werden, wie Andi uns erzählt, auch deutlich mehr Perücken eingesetzt.
 
Bei der Beleuchtung wird inzwischen überwiegend LED-Technik verwendet. Dadurch heizt sich die Bühne nicht mehr so stark auf.
Ein Unterschied zum Apollo-Theater betrifft die Verfolgungsscheinwerfer. Während dort noch Mitarbeiter die Scheinwerfer von Hand bedienen, kommen im Palladium-Theater sogenannte Tracker zum Einsatz. Dadurch weiß der Scheinwerfer, wo sich der jeweilige Darsteller befindet, und kann ihn gezielt anstrahlen.
 
Mich würde interessieren, ob es einen Plan B gibt, falls einmal ein Tracker ausfällt. Ich traue mich allerdings nicht, danach zu fragen.
 
Dann möchte Andi von uns wissen, welches Kostüm wir für das schwerste halten. Da ich die Kostüme noch gar nicht kenne, halte ich mich lieber zurück. Eine Teilnehmerin vermutet, dass es Francois’ Brustpanzer sein könnte. Der besteht allerdings aus Kunststoff und ist deshalb eher leicht.
Tatsächlich ist Julias Brautkleid das schwerste Kostüm. Aber auch ihr pinkes Glitzerkleid am Ende der Show soll einiges wiegen.
 
Anschließend erklärt er uns, wie die Darsteller mit ihren Mikrofonen ausgestattet sind. Die Mikrofone sitzen seitlich am Kopf. Die Hauptrollen haben jeweils zwei davon, falls eines ausfällt. Da die meisten Darsteller ihre eigenen Haare tragen, lässt sich der Sender nicht einfach in einer Perücke verstecken. Deshalb tragen sie einen Gürtel am Bauch oder Oberschenkel, in dem der Sender befestigt wird.
 
In der Maske erfahren wir außerdem, dass sich die Darsteller selbst schminken müssen. Sie bekommen vorher eine genaue Anleitung, damit das Make-up am Ende so aussieht, wie es für die Show vorgesehen ist.
Da inzwischen bereits die ersten Darsteller im Theater eintreffen, nehmen wir für den Rückweg eine andere Route.
 
Dabei erklimmen wir die Wendeltreppe, die die Darsteller während einer Show rund 40-mal hinauf- und hinuntergehen. Das soll damals bei Tarzan mit den Affenkostümen nicht besonders angenehm gewesen sein. Ich würde wahrscheinlich nach zehn Runden freiwillig aufgeben.
 
Zum Abschluss möchte Andi wissen, ob uns die Führung gefallen hat. Falls wir noch weitere Fragen haben, können wir uns gerne an die E-Mail-Adresse wenden, die auf unserem Backstagepass steht.
Ich überlege, ob ich mich trauen soll, meine Frage zu den Trackern nachträglich per E-Mail zu stellen. Das würde mich wirklich interessieren.
Auch Lob dürfen wir gerne an diese Adresse schicken. Falls uns die Führung allerdings nicht gefallen haben sollte, sollen wir schreiben, der Mitarbeiter würde Thomas heißen.
Wir bedanken und verabschieden uns und verlassen das Theater, wo bereits einige Menschen anstehen.
Etwas früh, denke ich mir. Der Einlass ist erst in einer Stunde.

 

3. Unser Eindruck von der Show



 
Wir gehen zurück zum Auto, wo ich meine Turnschuhe gegen die Glücksschuhe austausche.
Nach dem Einlass gehen wir zum Merchandising-Stand. Dort nehmen wir uns die Besetzungsliste. Den Souvenirbecher hat mir meine Schwester bereits damals aus Hamburg mitgebracht. Deshalb kaufe ich heute nichts am Stand.
Als Fotoecke dient der Balkon, was wir direkt in Anspruch nehmen. Zu diesem Zeitpunkt ist dort noch niemand, sodass wir in Ruhe ein paar Fotos machen können.
Auf dem Weg zu unseren Plätzen fällt mir schon von Weitem der herablassende Blick meiner Sitznachbarin auf. Er trifft mich, und ich merke sofort, wie unangenehm mir die Situation ist. Ich lasse mir nichts anmerken und grüße sie trotzdem beim Hinsetzen. Doch statt etwas zu erwidern, verzieht sie das Gesicht, als müsste sie würgen.
Du meine Güte, was ist denn ihr Problem?, denke ich nur.
Und schon geht das Aufzählen los, wo sie und ihre Begleitung bereits überall gewesen sind. Das kann ja heiter werden. Ich habe die leise Vorahnung, dass die beiden auch während der Vorstellung nicht ruhig sein werden.
Und tatsächlich: Der Mann kommentiert ständig, was gerade auf der Bühne passiert, und die Frau stimmt ihm zu.
Das macht es mir nicht gerade leichter, mich auf die Show einzulassen.
 
Dabei ist schon kurz vor dem offiziellen Beginn einiges los. Das Ensemble betritt nacheinander winkend unter dem Applaus der Zuschauer die Bühne und interagiert mit dem Publikum. Eine Frau erzählt, dass sie sich Tee gemacht hat. Ein Mann fragt nach, ob er den Buchstaben richtig aufgehängt hat.
William Shakespeare hat sein neuestes Werk „Romeo & Julia“ fertiggestellt und möchte es aufführen lassen. Seiner Frau Anne Hathaway erzählt er vom dramatischen Ende, doch die ist davon nicht begeistert und hat eine andere Idee: „Was wäre denn, wenn Julia sich nicht umbringen würde?“ Für sie wäre das ein guter Anfang des Stücks.
Gesagt, getan. Wir erleben live, wie sich Shakespeares Stück verändert: Julia sitzt mit Kopfhörern in der Gruft. Später hält sie den Dolch in der Hand, stößt ihn sich aber nicht ins Herz.
Bei Romeos Beerdigung muss sie erfahren, dass sie wohl doch nicht seine einzig wahre Liebe war. Einige andere Mädchen brechen heulend an seinem Sarg zusammen und beteuern, wie sehr sie ihn lieben.
Für Julia ist das ein Schock.
Dass Anne findet, Julia brauche in dieser Situation Freunde, ist verständlich. Etwas gezwungen wirkt auf mich allerdings, wie sie die nichtbinäre Person May in das Stück einführt. Sie betont dabei ausdrücklich, wie wichtig es ist, diese Personengruppe zu repräsentieren. Das wirkt auf mich ein wenig wie eine Rechtfertigung, statt die Figur einfach ganz selbstverständlich Teil der Geschichte sein zu lassen.
Dabei finde ich die Freundschaft zwischen Julia und May durchaus schön dargestellt. Sie begegnen sich auf Augenhöhe, und gerade das funktioniert für mich gut. Ich hätte es deshalb schöner gefunden, wenn May vor allem aus dem Gedanken heraus entstanden wäre, Julia eine Freundin zur Seite zu stellen, ohne die Bedeutung ihrer Identität so stark hervorzuheben.
Anne hat sich mit April außerdem eine weitere Freundin ins Stück geschrieben. Scherzend meint sie, jetzt gebe es April, May und Juli-a. Überhaupt scheint sie einen Clown gefrühstückt zu haben. Sie ist ständig am Lachen und Witze reißen.
May ist eher ein ruhiger Mensch und lässt die Szenen mit Julia ernster wirken, als wäre nicht alles nur lustig. Das finde ich angenehmer. Bei Anne beziehungsweise April habe ich dagegen das Gefühl, dass sie vor allem für die Komik sorgen soll. Und die ist mir stellenweise zu gewollt.



 
Gemeinsam mit ihren Freunden und ihrer Amme macht sich Julia auf den Weg ins entfernte Paris. Dabei kommen die Miniaturen des Eiffelturms sowie weiterer Sehenswürdigkeiten und Gebäude zum Einsatz. Diese konnten wir während der Backstageführung ja ganz aus der Nähe betrachten.
Für die Amme gibt es eine Begegnung aus ihrer Vergangenheit, die sie eigentlich verdrängt hat. Lance scheint dabei mehr als eine flüchtige Bekanntschaft zu sein, wenn ich die Blicke und Reaktionen der beiden richtig deute.
Julia, May und April wollen auf die Party der de Bois, doch der Türsteher lässt sie nicht vorbei. April erklärt, dass sie bereits über 18 ist, und lässt sich das von Julia bestätigen. Der Türsteher hebt eine Augenbraue und meint: „Ach wirklich?“
Julia dagegen verkündet, ohne nachzudenken: „Ich werde bald 14.“
Die deutlich ältere Anne unterbricht die Szene und entscheidet: „Wir sind jetzt alle Mitte 20.“
Shakespeare macht sich darüber lustig: „Du etwa auch?“
Doch Anne lässt sich von dieser Stichelei nicht verunsichern und bleibt dabei. Sie schnipst mit dem Finger. Und weiter geht es mit dem Stück.
Mit dem Alter hat es allerdings gar nichts zu tun. Die drei stehen einfach nicht auf der Gästeliste. Julia hat einen ganz pragmatischen Vorschlag: Der Türsteher soll ihre Namen einfach darauf schreiben.
Da auch das nichts nützt, schleichen sie sich kurzerhand heimlich auf die Party.
 
Die Feier ist für Lances Sohn François. Dieser ist extrem schüchtern und scheut sich davor, im Mittelpunkt zu stehen. Augenkontakt kann er kaum halten. Seine Blicke wandern oftmals eher zu Boden. Er spielt Keyboard, wenn er sich unbeobachtet fühlt, kann sich allerdings nicht vorstellen, vor anderen zu zeigen, was er kann. Als ihm Julia begegnet, weiß er nicht so recht, wie er mit ihr umgehen soll.
Anne verfolgt den Plan, dass Julia und François ein Paar werden. Das finde ich etwas widersprüchlich zu ihren früheren Aussagen, in denen sie den feministischen Ansatz betont hat. Warum will sie dann unbedingt eine neue Liebesgeschichte für Julia einbauen?
Shakespeare versucht, die Kontrolle über sein Stück zurückzuerlangen, und bringt eine neue Idee ein.
May und François begegnen sich und entwickeln Gefühle füreinander. Diesen Handlungsstrang finde ich sehr interessant. Mir gefällt, wie behutsam die Liebesgeschichte umgesetzt wird. Die Annäherung lässt sich Zeit, und nichts wird überstürzt.
François ist sehr verunsichert und verwirrt, vor allem nach dem Kuss mit May. Er hat Angst vor der Reaktion seines Vaters und traut sich nicht, offen zu seinen Gefühlen zu stehen. Stattdessen willigt er in die Verlobung mit Julia ein.
 
Anne ist entsetzt, als sie von den Änderungen ihres Mannes erfährt. Für sie gibt es nur die Option Julia × François. Als Grund nennt sie, dass sie möchte, dass Julia glücklich ist. Aber kann sie das nicht auch als Single sein? Gerade weil Anne sich zu Beginn so stark dafür eingesetzt hat, dass das Stück zeitgemäß werden soll, verstehe ich ihr Problem nicht ganz.
Shakespeare hat eine weitere Idee, um noch mehr Dramatik einzubauen: Romeo hat doch kein Gift zu sich genommen. Es war nur ein Schlaftrunk! Also wird Romeo plötzlich von oben auf einer Art Schaukel herabgelassen, wobei über ihm sein Name als riesige Leuchtreklame steht. Anne versucht, ihn wegzuscheuchen. Irgendwann bemerkt Julia ihn trotzdem, was ihre Gefühlswelt so richtig durcheinanderbringt.
Neben Julia und François haben auch die anderen ihre Liebessorgen. Die Amme ist sich nicht sicher, ob eine Beziehung zu Lance eine gute Idee ist. Und auch bei Shakespeare und Anne hängt der Haussegen schief. Anne fühlt sich mit den Kindern alleingelassen.
 
Shakespeare schreibt sich als angeblicher Sohn von Lance nun auch selbst ins Stück, um das Schicksal von Romeo und Julia zu besiegeln. Dabei gibt er auch Romeo als vermeintlichen Sohn aus. Dieser spricht mit französischem Akzent, doch Shakespeare zischt ihm zu: „Kein Akzent!“
Daraufhin beschwert sich Lance, warum das nicht auch für ihn gilt. Er spricht nämlich mit Akzent, was vor allem bei den englischen Gesangspassagen stark hervortritt.
Shakespeare und Romeo sollen die Band verstärken, doch Lance meint, sie müssten zu fünft sein. Das fünfte Mitglied ist allerdings längst gefunden und sorgt für noch mehr Unsicherheit bei François: Es ist May.
Die Situation eskaliert allerdings nicht. Stattdessen beschließen sie, auf der Hochzeit gemeinsam aufzutreten.
Den Auftritt der „de Bois Band“ kann meine Schwester dieses Mal in Ruhe anschauen. Sie ist komplett begeistert davon. Für sie ist diese Szene das Highlight der Show.



 
Als Julia im Hochzeitskleid die Bühne betritt, rufe ich mir in Erinnerung, dass es eines der schwersten Kostüme ist. Mir gefällt es richtig gut. Auf dem weißen Stoff des Rockteils befinden sich rosa Blüten, wodurch das Kleid verspielt wirkt, ohne kitschig zu sein.
Das Ende möchte ich an dieser Stelle nicht verraten. Vielleicht nur so viel: Julia entscheidet sich dafür, dass „Julia & Romeo“ als Stücktitel besser klingt … und schwupps fährt das „& Julia“ nach oben, sodass es über Romeo steht.
Auch ansonsten sind die Kostüme sehr modern, wobei man durchaus Anspielungen auf die Epoche des 16. Jahrhunderts erkennt: Shakespeares Hemd mit Wams darüber, Annes Kleid mit Mieder und Mühlsteinkrause sowie Lances Codpiece. Auch die Amme trägt ein Kleid, das an diese Zeit erinnert. François’ Shirt hat Schnallen aufgedruckt.
Die Darsteller tragen aber auch Jeans, Turnschuhe, Jumpsuits, Latzhosen, Sonnenbrillen und Käppis.
 
Das Bühnenbild aus Hamburg kenne ich nicht. Ich finde allerdings nicht, dass die Bühne leer wirkt. Auch meine Schwester, die das größere Bühnenbild kennt, hat nicht das Gefühl, dass irgendetwas gefehlt hat.
Es gibt beispielsweise:
•          den Kronleuchter, mit dem Julia in luftige Höhen schwebt,
•          die Rikscha, die die Freunde und die Amme nach Paris bringt,
•          den Mond, mit dem Romeo und Julia ebenfalls nach oben fahren,
•          den Balkon
•          Backsteinwände,
•          ein Waschbecken,
•          eine Jukebox,
•          Regale mit Farbdosen oder Büchern,
•          ein Bett,
•          Romeos Sarg,
•          die Miniaturgebäude,
•          Romeos Schaukel,
•          die Bar.
Ansonsten wird vieles auf die Leinwand projiziert, sodass beispielsweise ein Jahrmarkt, Häuserfassaden oder der Nachthimmel entstehen.
 
Die Musik wurde nicht extra für das Musical geschrieben. Sie besteht ausschließlich aus Hits der 90er- und 2000er-Jahre. Meine Schwester ist mit diesen Songs aufgewachsen und begeistert davon, dass sie ihren Weg ins Stück gefunden haben.
Ich bin vom Konzept etwas verwirrt. Oft wird auf Deutsch begonnen – manchmal nur mit einer Zeile, manchmal mit einer ganzen Strophe –, bevor ins Englische gewechselt wird. Ich vermute, dass die Stellen, die für das Verständnis wichtig sind, übersetzt wurden. Trotzdem hätte ich mir eine konsequente Entscheidung gewünscht: entweder alles auf Englisch oder alles auf Deutsch.
Beim Tina-Musical fand ich das gut gelöst: Songs, die für die Handlung wichtig waren, wurden komplett auf Deutsch gesungen, während die Konzertsongs auf Englisch blieben.
 
Das Publikum fand ich, abgesehen von den Sitznachbarn zu meiner Linken, angenehm. Ja, teilweise wurde bei den Liedern mitgeklatscht. Aber ich hatte es mir viel schlimmer vorgestellt. Ansonsten waren die Zuschauer ruhig.
Die Sitznachbarn fand ich dagegen nicht nur wegen ihrer ständigen Unterhaltung während der Vorstellung respektlos.
In der Pause sorgte der Mann dann für die nächste unangenehme Überraschung. Er hockte sich einfach auf den Bühnenrand. Plötzlich sprang er herunter und eilte davon. Irgendwann setzte er sich wieder auf seinen Platz.
Kurz darauf kam eine Mitarbeiterin des Theaters und sprach ihn an. Sie hätte ihn bereits vor der Vorstellung gebeten, sich nicht auf die Bühne zu setzen, und ihn nun erneut dabei erwischt.
Der Mann war also schon einmal ermahnt worden und deshalb so schnell von der Bühne verschwunden!
Doch anstatt Einsicht zu zeigen, nahm er die Situation überhaupt nicht ernst. Feixend fragte er, wie oft er sich denn noch dort hinsetzen dürfe. Dreimal vielleicht?
Ihre Antwort war eindeutig: keinmal!
Doch selbst jetzt hatte er noch einen Spruch auf Lager und behauptete, dass er sich nachher am Schluss sehr wohl dort hinsetzen dürfe. (Wohlgemerkt, ein Mann um die 60!)
Die Mitarbeiterin ging kopfschüttelnd weg.
 
Das Stück hat mich nicht wirklich gepackt, was auch an den Sitznachbarn lag. Ich konnte mich nicht richtig auf das Bühnengeschehen konzentrieren. Vielleicht wäre das anders gewesen, wenn ich die Vorstellung ohne störende Gespräche hätte verfolgen können.
Meine Schwester war von der Vorstellung dagegen richtig begeistert und freut sich schon auf Februar, wenn sie das Musical erneut besucht. Für sie bedeutet das Stück einfach gute Laune.
Sie fand es bemerkenswert, wie sich die Darstellerin der Julia im Vergleich zu unserem Besuch bei „Aladdin“ gesteigert hat. Damals sahen wir sie als Jasmin und fanden ihre Stimme nicht so toll.
Auch die Darstellung des Lance gefiel ihr. Den Darsteller hatten wir damals als Ike Turner gesehen. Dieses Mal verkörpert er ja eine sympathischere Rolle.
Für mich wirkte der Humor stellenweise zu erzwungen, vor allem der von Anne. Ich hätte mir mehr ruhige Szenen gewünscht. Der erste Akt ist mir etwas zu hektisch. Für mich wäre weniger Party schöner gewesen, aber ich gehöre damit auch nicht zur Zielgruppe. Schließlich wird das Stück ausdrücklich als Party-Musical vermarktet.
Der zweite Akt lässt es etwas ruhiger angehen, nimmt sich mehr Zeit für die Entwicklung der Figuren und hat mir deshalb besser gefallen.
Insgesamt konnte das Musical 144 Punkte erreichen, was Platz 20 von 22 bedeutet.
Zum Vergleich die Punktzahl, die meine Schwester anhand meines Bewertungsmaßstabs vergeben würde: 167 Punkte!




4. Die Highlights meiner Schwester

Da sich meine Schwester den Besuch gewünscht hat, darf sie auch dieses Mal die Highlights bestimmen.
 
Highlight des Tages: der Auftritt der „de Bois Band“
Emotionalster Moment: I´m not a girl
Ohrwurm des Tages: Everybody
Ohrwurm des Tages: Everybody
Lustigster Moment: mehrere mit Anne, z. B. „April, May und Juli-a“, das mit ihrem Alter

4. Besetzung der besuchten Vorstellung

Schiggy saß im Publikum – aber wer stand eigentlich auf der Bühne?
Julia: Sebeya
Anne/April: Sabrina Weckerlin
Amme/Angelique: Jacqueline Braun
William Shakespeare: Maximilian Mann
Romeo: Jonathan Guth
François: Esmael Agostinho
May: Leon de Graaf
Lance: Carlos de Vries
 
Ensemble/ The Players
Lady Capulet: Rahel Fuhrimann
Lord Capulet: Nayim Temine
 
Linda Kikaj
Abbie Elmes
Jesslyn Lopes da Luz
Mia Tsang
Óscar Cochat
Daniel Délyon
Pablo Martinez-Garcia
Eloy Prophitius
 
Dirigent: Boris Ritter
Band des Stage Palladium Theaters

 


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