Montag, 20. April 2026

Schiggy unterwegs... Hairspray in Darmstadt

 


1. Eckdaten zur Vorstellung

Titel der Veranstaltung: Hairspray
Art der Veranstaltung: Musical
Ort: Staatstheater Darmstadt
Sprache: deutsch
Besuch: 17.04.2026
Beginn: 19:30 Uhr
Dauer: ca. 2,5 Stunden inkl. Pause
Reihe / Platz: Reihe 1 Platz 16
Vorlage: gleichnamiger Film von 1988
Wichtige Hinweise: Übernahme der Inszenierung aus Bonn

2. Besetzung der besuchten Vorstellung

Tracy Turnblad – Antonia Tröstl
Edna Turnblad – Enrico de Pieri
Wilbur Turnblad – Volker Metzger
Motormouth Maybelle – Monica Lewis-Schmidt
Seaweed J. Stubbs – Maickel Leijenhorst
Corny Collins/Mr. Pinky/Wärter/Sprecher – Tobias Brönner
Link Larkin – Daniel Johnson
Velma van Tussle – Maaike Schurrmans
Amber van Tussle – Sarah Steinemer
Penny Pingleton – Mirjam Wershofen
Prudy Pingleton/Wärterin/Sportlehrerin – Sonja Bühling
Mr. Spritzer – Frank Koch
Cindy Watkins/Ines – Aminata Ndaw
Peaches – Lara de Toscano
Pearl – Tina Ajala
Duane – Ngaka Keuni
Gilbert – Amadin Piatello
Stooie – Juan David Mendez
Shelly (Dance Captain) – Schirin Zarre
Tammy – Larissa Winkel
Lou Ann – Annika Netthorn
Sketch – Pascal Schürken
Brad – Achim Himmelbauer
Fender – Joshua Schmid
Brenda – Samantha Senn
IQ – Iman Khaleghi

außerdem:
Jugendchor und Statisterie des Staatstheaters Darmstadt

Es spielt das Staatsorchester Darmstadt (Band) unter der musikalischen Leitung von Luis Richter.



3. Mein Eindruck von der Show

Schiggy war wieder unterwegs – dieses Mal reisten wir in die Swinging Sixties und schauten uns Hairspray in Darmstadt an. Ich habe den Film von 1988 gesehen und außerdem die gleiche Inszenierung bereits vor zwei Jahren in Bonn.
Ich mag die gute Laune, die das Stück durch seine schwungvolle Musik verbreitet. Gleichzeitig regt es durch die Darstellung der damaligen Rassentrennung zum Nachdenken an.
Im Theater wird darauf hingewiesen, dass im Stück rassistische Bezeichnungen fallen, die zur Zeit der Handlung üblich waren, und dass sich das Theater ausdrücklich davon distanziert. Ich finde diesen Umgang oft sinnvoller als eine nachträgliche Anpassung an heutige Sprache – nicht, weil ich diese Begriffe gutheiße, sondern weil die unveränderte Darstellung deutlich macht, wie offen und selbstverständlich Diskriminierung damals war – und wie verletzend sie ist.
Genau das wurde auch in den Szenen spürbar: Es war unangenehm mitanzusehen, wie Amber und ihre Mutter über die schwarzen Tänzer sprechen. Als Seaweeds Schwester vortanzen will und nur ein „Du schon mal gar nicht“ zu hören bekommt, wird sofort klar, dass es nicht um ihr Können geht – sie bekommt nicht einmal die Chance, es zu zeigen. Als Zuschauer merkt man, wie falsch sich das anfühlt, und genau dadurch beginnt man, darüber nachzudenken.
Da ich die Inszenierung schon kannte, rechnete ich nicht mit Überraschungen – aber die gab es dennoch: Einige Darsteller liefen durch das Publikum. Meine Begleitung saß am Gang, und einer der Darsteller sprang die Treppen herunter und landete mit einem Wumms neben ihr. Das sorgte für einen kurzen, aber lustigen Schreckmoment.
Das Bühnenbild, ebenfalls aus Bonn übernommen, ist sehr wandelbar. Drehbare Elemente verwandeln die Bühne schnell in verschiedene Schauplätze wie die Wäscherei, einen Friseursalon, ein Burgerladen, Mr. Pinkys Laden, Maybelles Musikladen, das Studio der Corny Collins Show oder den Nachsitzraum. Ein Highlight ist die überdimensionale Spraydose, die eine besondere Überraschung bereithält.
Der Orchestergraben ist überbaut, sodass die Musiker im hinteren Bühnenbereich sitzen und – je nach Szene – sichtbar sind.
Einige Darsteller aus der Bonner Produktion waren auch in Darmstadt dabei. Alle wirkten sehr glaubwürdig in ihren Rollen.
Tracy ist eine unbekümmerte Schülerin, die von einem Auftritt in der Corny Collins Show träumt. Sie erkennt Ungerechtigkeit und nimmt sie nicht einfach hin, sondern setzt sich aktiv dagegen ein – trotz Spott und Ablehnung. Als Velma ihr beim Vortanzen entgegnet: „Nicht zu spät … zu dick“, merkt man, wie sehr sie das trifft. Dennoch lässt sie sich nicht entmutigen.
Edna, ihre Mutter, möchte sie zunächst schützen, da sie Angst hat, dass Tracy verspottet wird. Sie selbst hat kaum Selbstbewusstsein, entwickelt dieses aber im Laufe der Handlung. Die Rolle wird traditionell von einem Mann gespielt – hier angenehm ruhig und ohne Überzeichnung.
Wilbur, Tracys Vater, ist lebensfroh und unterstützt seine Tochter von Anfang an. Das Duett „Du bist zeitlos für mich“ war gleichzeitig witzig und berührend – ein echtes Highlight.
Link Larkin wirkt anfangs sehr auf sein Image bedacht, entwickelt sich aber im Laufe des Stücks weiter und zeigt schließlich Haltung.
Penny und Seaweed sind ein besonders sympathisches Paar. Ihre Beziehung zeigt, wie selbstverständlich Offenheit und gegenseitige Zuneigung sein können.
Motormouth Maybelle beeindruckt durch ihre starke Präsenz. Während sie im ersten Akt Selbstbewusstsein mit ihrem Solo "Breit, blond und blendend" ausstrahlt, zeigt sie im zweiten Akt mit „Ich weiß, wo ich war“ eine sehr emotionale und verletzliche Seite.
Amber und Velma sind bewusst unsympathisch angelegt und werden entsprechend überzeugend gespielt. Ihre überheblichen und verletzenden Aussagen lassen einen als Zuschauer nur den Kopf schütteln.
Auch das Ensemble insgesamt überzeugte sowohl schauspielerisch als auch stimmlich.
Die Live-Band spielte schwungvoll, ohne den Gesang zu überdecken. Beim Schlussapplaus zählte ich 16 Musiker – eine positive Überraschung.
Die Tonabmischung war durchweg gelungen, alles war gut verständlich.
Die Kostüme passten hervorragend zur Zeit der 1960er-Jahre, besonders die farbenfrohen Outfits in der Corny Collins Show. Ednas Entwicklung wird auch optisch sichtbar – von gedeckten Farben hin zu einem glitzernden blauen Kleid.
Das Publikum war angenehm ruhig, ohne störende Gespräche. Besonders positiv fiel mir auf, dass es keinen lauten Pfeifjubel gab – nur Applaus und Begeisterung.
Beim Finale ließ sich das Publikum mitreißen – „Niemand stoppt den Beat“ und verdiente Standing Ovations.
Die Inszenierung hat mir insgesamt sehr gut gefallen. Sie verbindet mitreißende Musik mit einer wichtigen, nachdenklich stimmenden Botschaft. Man lacht viel, wird aber auch immer wieder zum Nachdenken angeregt.


4. Persönliche Highlights

Lieblingsszene: „Glocken klingen sehr“ (das „Quietschie-Lied“) und das Duett von Tracys Eltern
Bestes Solo: „Ich weiß, wo ich war“ (Motormouth Maybelle)
Bestes Duett: „Du bist zeitlos für mich“ (Edna & Wilbur)
Ohrwurm des Tages: „Niemand stoppt den Beat“
Überraschung des Tages: Darsteller laufen durchs Publikum, Effekt beim Gefängnisschloss (funktioniert in der besuchten Vorstellung in Bonn nicht)
Beste Ensemblenummer: „Niemand stoppt den Beat“
Emotionalster Moment: Tracy ist kurz vorm Aufgeben, Maybelle ermutigt sie

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