Mittwoch, 15. April 2026

Schiggy unterwegs... Grease in Dortmund

 


1. Eckdaten zur Vorstellung

Titel der Veranstaltung: Grease – Das Musical
Art der Veranstaltung: Musical
Ort: Opernhaus Dortmund
Sprache: Dialoge auf Deutsch, Songs auf Englisch
Besuch: 12.04.2026
Beginn: 14:30 Uhr
Dauer: ca. 2 Stunden 30 Minuten inkl. Pause
Reihe / Platz: Reihe 6, Platz 169
Vorlage: originäres Stück
Wichtige Hinweise: Sing-along-Show (zwei Songs wurden jeweils einmal regulär und einmal zum Mitsingen gespielt)

2. Die Besetzung der besuchten Vorstellung

Danny Zuko: Philipp Büttner
Sandy Dumbrowski: Antonia Kalinowski

Pink Ladies:
Betty Rizzo – Maria-Danaé Bansen
Frenchy – Friederike Zeidler
Marty Maraschino – Katalin Rohse
Jan – Anna Teodora Donosa-Danila

Burger Palace Boys:
Kenickie Murdock – Markus Schneider
Doody – Pedro Reichert
Roger – Julius Störmer
Dominic „Sonny“ LaTierri – Jonathan Guth

Weitere Rollen:
Patty Simcox – Kelly Parnier
Eugene Florczyk – Albert Gaßmann
Charlene „Cha-Cha“ DiGregorio – Giulia Vazzoler
Miss Lynch – Brigitte Schirlinger
Vince Fontaine – Mark Seibert

Ensemble:
Alina Adam, Sofia Elena Coretti, Carina Leopold, Marie Pioner, Lucia Prader-Pscheidl, Christina Verrieth, Andrew Chadwick, Jan-Marten Gerve, Christoph Gründinger, Timm Moritz Marquardt, Tamino Herzog, Ivan Keim

Grease-Band:
Keyboard / Musikalische Leitung – Stephan Kanyar
Gitarre I – Julien Castanie
Gitarre II – Bastian Ruppert
Bass – Malt Winter
Drums – Stefan Schott
Saxophon I – Wim Wollmer
Saxophon II – Nappo (Klaus) Bernatzky

3. Mein Eindruck von der Show

Schiggy war wieder unterwegs – dieses Mal unternahmen wir eine Zeitreise in die späten 1950er-Jahre. 
Das Musical habe ich bereits zweimal komplett auf Englisch gesehen, außerdem kenne ich die Filmadaption. Entsprechend war ich gespannt auf diese Inszenierung.
Als wir die Tickets gebucht hatten, war noch nichts von einer Sing-along-Show bekannt. Erst durch Zufall erfuhr ich davon, als ich ein Gespräch in einer anderen Vorstellung aufschnappte. Ehrlich gesagt hatte ich zunächst ein mulmiges Gefühl – ich befürchtete, dass das Publikum permanent laut mitsingen und man die Darsteller kaum noch hören würde.
Diese Sorge erwies sich zum Glück als unbegründet: Jeweils das letzte Lied vor der Pause und das Finale wurden zunächst regulär gespielt und anschließend noch einmal als Mitsing-Version wiederholt. Das empfand ich als sehr gelungene Lösung. Aus anderen Produktionen kenne ich es so, dass die Mitsing-Parts direkt in die Handlung integriert sind – diese Variante hier war deutlich angenehmer. Ein klarer Pluspunkt.
Beim Betreten des Saals war ich zunächst überrascht vom Bühnenbild – es wirkte fast wie eine Baustelle, sogar ein Betonmischer stand auf der Bühne. Ich überlegte kurz, ob ich mich an etwas Vergleichbares aus früheren Inszenierungen oder dem Film erinnere, konnte es aber nicht einordnen. Entsprechend gespannt war ich, welche Bedeutung dieses Setting haben würde.
Noch vor Beginn tritt der „Schulleiter“ auf und erklärt, dass das Schuljahr heute endet – passend dazu, dass wir die vorletzte Vorstellung besuchten. Außerdem erläuterte er das Konzept des Sing-alongs.
Die eigentliche Vorstellung beginnt dann mit einem ungewöhnlichen Bild: Vier sichtbar gebrechliche Senioren betreten mühsam die Bühne. Dieser Einstieg weckte sofort meine Neugier. Schnell entsteht der Eindruck, dass es sich um ehemalige Schüler handelt, die an ihre Schulzeit zurückdenken. Als eine der Frauen ein Radio einschaltet und plötzlich Figuren im Stil der 1950er-Jahre erscheinen, wird klar: Die Handlung springt zurück in die Vergangenheit. Ein origineller und sehr stimmungsvoller Beginn, der mir ausgesprochen gut gefallen hat. Vermutlich handelt es sich bei der älteren Frau um Sandy, die sich an ihre Jugend erinnert.

erinnert mich irgendwie an ein Roboter-Gesicht

Die Darsteller überzeugten mich nahezu durchweg und ich nahm ihnen ihre Rollen glaubhaft ab.
Sandy, die neu an die Rydell High kommt, wirkt sehr unschuldig, beinahe naiv. Sie ist überglücklich, Danny wiederzutreffen, umso größer ist ihre Enttäuschung, als er ihre gemeinsame Vergangenheit herunterspielt. Ihre Disziplin und das eher konservative Elternhaus zeigen sich darin, dass sie weder raucht noch trinkt und immer pünktlich zu Hause ist. Dass die Pink Ladies sich darüber lustig machen, setzt ihr sichtlich zu.
Besonders emotional wird es, als sie beim Tanzwettbewerb von Danny stehen gelassen wird und im Waschraum ihr Solo „Hopelessly devoted to you“ singt – ein Moment, in dem sie sehr verletzlich wirkt.
Danny hingegen versucht, vor seinen Freunden besonders cool zu erscheinen und verdrängt dabei seine echten Gefühle. Seine Unsicherheit wird jedoch immer wieder sichtbar, etwa in seinem Solo „Sandy“, in dem deutlich wird, dass er sich ändern möchte, weil er erkannt hat, dass er Sandy liebt.
Die Chemie zwischen den beiden Hauptdarstellern war sehr stimmig, auch gesanglich harmonierten sie hervorragend.
Die Pink Ladies werden von Betty Rizzo angeführt. Sie ist selbstbewusst, schlagfertig und weiß genau, was sie will. Hinter ihrer harten Fassade zeigt sich in „There are worse things I could do“ jedoch eine verletzlichere Seite.
Frenchy ist offen und herzlich, ohne dabei zu überdreht zu wirken, was mir hier besonders gut gefiel. In einer anderen Vorstellung war sie wirklich extrem quietschig.
Marty wirkt stark auf materielle Dinge fixiert und nutzt ihren Charme gezielt aus, was sich in „Freddy my love“ zeigt.
Jan tritt zunächst eher zurückhaltend auf, beweist aber durchaus Schlagfertigkeit.
Auch die T-Birds – Kenickie, Doody, Roger und Sonny – geben sich betont cool, halten aber fest zusammen. Ihr Umgang mit Eugene, den sie regelmäßig schikanieren, zeigt jedoch auch die Schattenseiten ihres Verhaltens.
Eugene selbst wirkt unsicher und geduckt, als wolle er möglichst wenig auffallen. Gleichzeitig sehnt er sich danach, dazuzugehören, was besonders deutlich wird, als er Dannys Jacke tragen darf.
Die Cheerleaderin Patty Simcox hingegen ist ehrgeizig, selbstbewusst und sehr darauf bedacht, im Mittelpunkt zu stehen.
Cha-Cha bringt als temperamentvolle Tänzerin zusätzliche Dynamik in die Handlung, während Miss Lynch als strenge, aber faire Lehrerin auftritt.
Alle diese Rollen waren überzeugend besetzt und auch das Ensemble versprühte eine ansteckende Energie.
Als einzige Rolle konnte mich die des Vince Fontaine nicht überzeugen. Sein Auftritt beim Tanzwettbewerb wirkte auf mich unangenehm und insgesamt zu überzeichnet. Die ohnehin selbstverliebte und „schmierige“ Art der Figur wurde hier für meinen Geschmack zu stark durch ausladende Gesten betont, wodurch sie eher ins Karikaturhafte abglitt und an Charme verlor.
Bei anderen Inszenierungen wirkte diese Figur ebenfalls selbstbewusst, aber deutlich zugänglicher. Zudem fiel auf, dass ein zunächst angedeuteter amerikanischer Akzent nicht konsequent beibehalten wurde. Auch stimmlich sagte mir die Klangfarbe nicht zu, sodass diese Rolle im Vergleich zu den übrigen Darstellern für mich abfiel.



Die bekannten Songs sorgten für gute Stimmung, ohne dass das Publikum permanent mitklatschte – was ich persönlich sehr angenehm fand. Die Live-Band, bestehend aus sieben Musikern, spielte schwungvoll und gut abgestimmt, ohne den Gesang zu übertönen. Besonders gelungen fand ich ihre Integration in die Handlung beim Tanzwettbewerb.
Das Bühnenbild ist grundsätzlich fest angelegt, wird jedoch durch zahlreiche Requisiten flexibel ergänzt. Szenenwechsel erfolgen sichtbar, aber schnell und fließend, was ich eher charmant als störend empfand. Mit wenigen Mitteln entstehen Klassenzimmer (Stühle, Tische), Schlafzimmer (Bett, Schrank), Sporthalle (Basketballkorb), Werkstatt (Schild, auf dem Garage steht), Waschraum (Waschbecken), riesige Schilder in Autoform (Autokino) oder Café (Bistrotische, riesige Schallplatte mit den Worten Burger Palace). 
Als Kenickies Cabrio zum ersten Mal auf die Bühne geschoben wurde, war das schon ein kleiner „Wow-Moment“. Das war so ein richtiger amerikanischer Schlitten, wie man ihn sich aus dieser Zeit vorstellt.
Auch die Kostüme transportieren das Flair der 1950er-Jahre sehr gut – von Petticoats bis Lederjacken. Sandys Wandel wird dabei auch optisch deutlich unterstrichen. Trägt sie zunächst noch weite Petticoats, Turnschuhe und einen Pferdeschwanz, betont sie am Ende mit enganliegender Kleidung, High-Heels und Locken ihr erwachtes Selbstbewusstsein.
Das Lichtkonzept unterstützt die Szenen stimmungsvoll, und die Choreografien wirken schwungvoll und präzise.
Positiv hervorzuheben ist auch das Publikum, das aufmerksam und respektvoll war. Störungen wie Gespräche oder Handy-Nutzung habe ich dieses Mal nicht mitbekommen.
Das Sing-along-Konzept war insgesamt gelungen, auch wenn die Platzierung der Übertitel nicht optimal war, weil man sich entscheiden musste, ob man die Texte liest oder den Darstellern zuschaut. Während „We go together“ eher zurückhaltend aufgenommen wurde, sorgte „You’re the one that I want“ am Ende für deutlich mehr Beteiligung.
Der Schluss der Inszenierung gefiel mir besonders gut: Die Handlung kehrt zur älteren Sandy zurück und schließt damit den Kreis zum Anfang. Dieser dramaturgische Rahmen wirkte sehr stimmig und rundete die Inszenierung gelungen ab.
Positiv hervorheben möchte ich außerdem: Im Foyer gab es eine Fotoecke mit einem Bistrotisch und Requisiten-Milkshakes. Da haben wir uns dann direkt angestellt, um Erinnerungsfotos zu machen.
Als kleines Geschenk gab es am Infostand einen Kamm aus Holz, in dem „Grease“ und „Opernhaus Dortmund“ eingebrannt waren. Dieser steckte in einer Verpackung, auf der „Kamm to Dortmund“ stand. Ein witziges Wortspiel.
Insgesamt handelt es sich um eine schwungvolle Inszenierung mit viel Spielfreude, starken Stimmen und einer gelungenen Umsetzung. Besonders die kreative Verbindung von Anfang und Ende bleibt positiv in Erinnerung, auch wenn die Darstellung von Vince Fontaine für mich etwas hinter dem ansonsten hohen Niveau zurückblieb.



4. Persönliche Highlights

Lieblingsszene: Beauty School Dropout
Bestes Solo: Hopelessly devoted to you (Sandy)
Bestes Duett: Rock’n’Roll Party Queen (Doody und Roger)
Ohrwurm des Tages: Das Musical ist voller Ohrwürmer – keine eindeutige Wahl möglich
Überraschung des Tages: Das erste Auftauchen des Autos
Beste Ensemblenummer: Greased Lightning
Lustigster Moment: „Sie sind so… so alt.“ sowie Doodys Gitarrenversuch
Emotionalster Moment: „Hopelessly devoted to you“ – sehr berührend und verletzlich dargestellt



Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Hallo,
ich freue mich immer über neue Kommentare und komme auch gerne auf einen Gegenbesuch vorbei.
Mit der Veröffentlichung seid ihr damit einverstanden, dass euer Name, eure Website, die E-Mail-Adresse, die IP-Adresse und natürlich euer Kommentar gespeichert werden.
Vor der Veröffentlichung könnt ihr gerne auf Vorschau nochmal überprüfen, wie eure Nachricht aussieht. :-)
Liebe Grüße
Tinette

Schon gelesen?

Kurz gebellt zu: Gefährliche Gestalten

        Allgemeine Infos: Originaltitel :  Gefährliche Gestalten Originalsprache : Deutsch Geschrieben von : Katja Brandis Übersetzt von : /...